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nur einen kurtzen Strich gegen Osten, hergegen immer nach Süden zu gegangen waren, so fand sich auch auf derselben Seite ein 3. Ellen hohes Loch oder Tür, oben mit einem ordentlich ausgehauenen Schwibbogen, und nach fernerer Untersuchung eine Treppe von breiten Stuffen in die Tieffe. Ehe wir da hinein traten, taten wir alle erstlich einen guten Schluck Weins, hernach ging die Reise fort, und ich kan nicht läugnen, dass, als ich schon 200. Schritt hinab gezählet hatte, und dennoch kein Ende zu sehen war, mir, ungeachtet der Gesellschafft, doch ganz bange ums Hertze wurde. Endlich, ehe wir es uns versahen, befanden wir uns vor einem ordentlichen Tempel, in welchen das tages-Licht durch etliche Oeffnungen des Felsens hell und klar hinein fiel, weswegen ein teil unserer fackeln und Wind-Lichter ausgelöscht und nur einige derselben brennend hingesetzt wurden, wir aber gingen sämtlich in den Tempel hinein, um denselben genauer zu betrachten, da wir denn Dinge fanden, welche wir allhier nimmermehr gesucht hätten. Um aber alles genau zu beschreiben, so war der Tempel im Umfange ganz rund, in der weite 68. Ellen, und 26. Ellen hoch, nämlich da, wo er am höchsten war, denn die Decke war auch rund, als ob sie ordentlich ausgewölbt wäre, da es doch nur durch Menschen also ausgehölet war.

In der Mitte dieses Tempels befand sich ein runder Altar, auf selbigen ein etwa Ellen hohes Gestelle, und auf diesen ruhete eine guldene Kugel, die im Durchschnitte 3. Viertel-Ellen hatte, und deren eingefügte grosse, mittelmässige und kleine Diamanten und andere edlen Steine einen wunderbaren schönen Glantz gaben, ja rechte Strahlen von sich warffen, zumahlen, da wir nachher bei Nachts-Zeit Lichter dargegen stelleten. Rings um diesen Altar herum, zähleten wir 12. halb-runde Altäre an den Wänden des Tempels angefügt, auf deren jeden ein 2. Ellen hohes massiv-güldenes Götzen-Bild, und zwar in ordentlicher Weite von einander stunden. Das erste, so der Tür, wo wir hinein getreten, gegen über stunde, præsentirte sich in Gestalt eines Frauenzimmers, die einen mit Edelgesteinen besetzten halben Mond auf dem Kopffe, in den Händen aber einen gespanneten Bogen mit darauf gelegten Pfeile hatte, und sich stellte, als ob sie eben loss drücken wolte; zu ihren Füssen waren 2. Hirsch-Köpffe mit Geweihen, ebenfalls von Golde zu sehen. Das andere von oben her, uns zur Rechten, war ein scheussliches Monstrum, indem es einen Kopff fast wie eine Nacht-Eule, vor der Stirn nur ein grosses Auge, sonsten aber fast über und über die Gestalt eines Bären hatte. Das dritte machte die Stellung eines ergrimmten Menschen, der etwas mit der Keule in Stücken zerschlagen will. Das vierte war zwar auch am leib gestaltet als ein Mensch, hatte aber einen Hunds-Kopff mit einem geraden spitzigen Horne. Das fünffte zeigte die Figur eines aufgerichts sitzenden Ochsen, der die beiden Vorder-Pfoten ausstreckte, und den Rachen weit aufsperrete. Das sechste stellte das ordentliche Bildniss des Neptuni oder Meer-Gottes mit seiner dreizackigten Gabel dar, so, wie es heutiges Tages gemahlt oder ausgehauen wird. Das siebende war unter allen das scheusslichste, indem es einen Löwen-Kopff mit krummen Hörnern und grausame Krallen an den ausgebreiteten Vorder-Pfoten hatte. In die Augen waren ihm 2. grosse Diamanten eingesetzt, welche starcke Strahlen von sich warffen, mitin dieses Bild desto grässlicher vorstelleten, dessen Unter-Leib die Gestalt eines halben Frosches hatte; am allerschändlichsten aber præsentirte sich dasjenige Glied, welches zu verdecken, selbst die natur erinnert, allein, hier schien es, als wenn das Modell von einem brünstigen Hirsche genommen wäre. Das achte Götzen-Bild, welches an unserer Eingangs-Tür zur Lincken stunde, fiel gegen das vorige etwas besser in die Augen, indem es ein lächlendes Frauenzimmer vorstellete, die auf dem haupt eine Crone, von Aehren und allerlei Blumen, die reichlich mit Edelgesteinen besetzt, unter dem rechten arme ein Gefäss mit Obst-Werck, in der lincken Hand aber einen Becher hatte. Unsern Mutmassungen nach, sollte dieses Bild vielleicht die Göttin Ceres, so, wie das erste, etwa die Dianam vorstellen. Das neunte hatte die ordentliche Figur eines Affen, der auf dem Hintergestelle sass, die eine Vorder-Pfote in die Höhe, die andere aber niederwerts reckte, und die Zähne fletschte. Das zehende war abermals ein schändliches Monstrum, indem auf 2. Greiffen-Klauen ein fast Kugel-runder sehr dicker Bauch, woran ein weibliches Geburts-Glied aus ärgerliliche Art bemerckt, zu sehen war. Um den Nabel herum zeigeten sich 6. Zitzen, oben aber lieff der ganze Bauch, ohne eine ordentliche Brust zu formiren, immer schmäler zu, so, dass es das Ansehen eines Halses bekam, aus welchem 2. hände gewachsen, die ein kleines nackendes Kind bei dem Kopffe hielten, dessen Füsse in dem weit ausgesparreten Maule des auf dem Halse stehenden breiten Kopffes stacken. Sonsten aber befand sich auf diesem Kopffe eine sauber ausgearbeitete Crone von güldnen Blättern, die dem Epheu gleichten, zwischen selbigen auch viele edle Steine. Das eilffte stellte eine junge vigoreuse Manns-person mit verdeckter Schaam vor, indem selbige auf dem lincken fuss stunde, den rechten aber vor sich aufgehoben hatte. In der Rechten hielte sie einen Griffel, in der Lincken aber eine