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Vornehmen, als wir hätten, nur beschwerlich, wenn wir aber ja etwas curieuses finden sollten, wolten wir ihnen schon Nachricht davon geben, damit sie es hernachmahls nach Belieben auch in Augenschein nehmen könnten, weiln ja der Weg offen bliebe, u.s.w.

Die guten Leute liessen sich so gleich weisen, parirten Commando, gingen frölich zurück, und versprachen, Morgen gegen Abend eine gute Mahlzeit vor uns zuzubereiten. Als sie fort waren, legten ich und diejenigen, welche in vergangener Nacht gar nicht geschlaffen hatten, uns in etwas zur Ruhe, und schlieffen indessen, da die andern, so geschlaffen hatten, Wechsels-weise zu wachen versprochen, sehr wohl, biss ein paar Stunden nach Untergang der Sonnen. Mittlerweile war von den munter gebliebenen ein gross Feuer angemacht worden, um selbiges setzten wir uns herum, und warteten mit Verlangen, ob in der heuntigen Mitternachts-Stunde, abermals etwas besonderes zu sehen und zu hören sein würde.

Mons. van Blac sah dieserwegen fleissig nach seiner Uhr, und als es kaum eine Minute über 11. Uhr war, kam eine gewaltige grosse Feuer-Kugel aus der Felsen-Klufft die Treppe herunter, und auf unsere brücke gerollet, schwermete fast einer Minuten lang mitten auf derselben herum, und stürtzte sich endlich hinunter in den Abgrund, in welchem ein solches entsetztliches Geprassele und Getöse entstund, dass uns fast allen, sowohl über eins als über das andere, ein Grausen ankommen wolte, der eintzige Mons. van Blac sagte mit lachen: Nur nicht näher! so gets noch hin. Ich bat ihn stille zu sein, er aber sprach: man siehet nun doch wohl, dass es nichts natürliches, sondern ein teuffelisches Blendwerck ist, desswegen muss man dem Teuffel die Liebe nicht tun, und sich vor ihm fürchten, vielmehr seiner spotten; Wir haben uns GOtt besohlen, und sind nicht gesonnen, etwas böses auszuüben, was hat der Teuffel vor Macht an uns? Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als die andere Feuer-Kugel aus der Klufft Himmel zu fuhr, sich gemächlich wieder herunter senckte, eben als wenn sie zwischen uns niederfallen wolle, weswegen wir indem aufspringen und zurück lauffen wolten, allein, da sie noch wohl 50. Ellen über uns war, verging sie plötzlich als ein Wind. Mons. van Blac hatte in Wahrheit die meiste Courage unter uns allen, denn er blieb ohnbeweglich sitzen, schalt unsere Furcht, die wir wegen des Teuffels-Gauckelei hätten, und ermahnete uns, ein stärcker Vertrauen auf den Göttlichen Schutz zu setzen. Demnach blieben wir ganz hertzhafft sitzen, ob gleich vor Verlauff dieser Stunde noch 10. Feuer-Kugeln aus der Felsen-Klufft heraus geflogen kamen, die teils auf der brücke herum schwermeten, und sich hernach in den Abgrund stürtzten, teils hoch in die Lufft stiegen, im Heruntersincken aber verschwanden. Nachdem dieses Feuer-Werck vorbei war, liess die stimme aus der Felsen-Klufft folgende deutliche Sylben erschallen: On-za-to hoom! und die hinter uns antwortete noch kläglicher als gestern: Mi-di-schriz-schriz-schriz! Hierauf hörete man abermals ein grässliches Brüllen, Heulen und Winseln aus dem grossen Berge erschallen, eben als wenn lauter Löwen, Bären, Wölffe, Hunde, Katzen und dergleichen Tiere darinnen befindlich wären, da aber die Mitternachts-Stunde zu Ende, ward alles auf einmal stille, deswegen schlieffen wir Wechsels-weise, biss der helle Tag wieder da war.

Nachdem wir uns ingesammt in einem andächtigen Morgen-Gebet GOtt befohlen, auch die Leiber mit kräfftiger Speise und köstlichen Weine gestärckt hatten, steckten wir, jeder die Taschen voll Victualien, hingen die mit Wein gefülleten Flaschen über die Schultern, nahmen in die lincke Hand eine Pech-Fakkel oder Wind-Licht, in die rechte aber teils einen Degen oder Pistol, deren jeder ein paar vor sich im Gurt gesteckt mit sich genommen, die Flinten hingen gleichfalls auf den Schultern, und also marchirten wir Paar und Paar über die brücke hinüber, an welcher nicht das geringste zu sehen war, dass sich in vergangener Nacht Feuer-Kugeln darauf herum getummelt hatten. So bald wir die Stuffen hinauf und in die Felsen-Klufft eingetreten waren, zeigte sich ein ungefähr 3. Ellen breiter gang gegen Süden zu, der jedoch von forne zu vollkommen durch das Tages-Licht erleuchtet wurde, welches von oben durch die FelsenRitzen hinein fiel, endlich wandte sich der Weg auf einmal gegen Osten, und als wir denselben etwa 20. Schritt passirt, war kein Tages-Licht mehr, sondern eine dicke Finsterniss vor uns zu sehen; weswegen wir alle unsere fackeln und Laternen ansteckten. Mons. van Blac und der kapitän Horn gingen voraus, die Capitains Wolffgang und Wodlei folgten ihnen, hernach kam Mons. Litzberg und ich, auch die übrigen Paar und Paar. Bisshero war uns nicht das geringste von Ungeziefer vor die Augen gekommen, doch nunmehr, da wir die Feuchtigkeit spüreten, ging auch die Furcht vor dem Ungeziefer an, allein, wir merckten nichts, sondern kamen, nachdem wir etwa 100. Schritt durch die Finsterniss gegangen waren, auf einem 20. Schritte langen auch so breiten platz alle zusammen zu stehen. Der Platz war ziemlich vierekkig, biss 7. Ellen hoch, und oben als ein Gewölbe, sonsten aber an dessen Seiten nichts von Figuren oder sonsten etwas zu bemercken. Gleichwie wir nun bisshero