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unsere Arbeit. Allein, war uns die gestrige sauer geworden, so war in Wahrheit die heutige noch zehnmahl beschwerlicher, denn wie kühle es auch in dem engen Wege, zwischen den zwei Felsen-Mauern war, so brach uns doch der Schweiss aus, die langen Balcken hindurch zu bringen, weil wir dieselben bei jeder Krümme empor heben und also herum tragen mussten, noch weit mühsamer aber war, selbige mit einem Ende auf das jenseitige Ufer des Abgrundes zu bringen, indem wir wenig Raum, auch keine tüchtige Machinen dazu hatten, jedoch es muste endlich alles angehen, wie wir denn noch vor Nachts die 8. langen Balcken in ihr ordentliches Lager brachten, nachher aber sehr ermüdet unsere Bequemlichkeit auf dem steinigten Boden suchten, und uns sämmtlich auf demselben nieder lagerten. Viele unter unserer Gesellschafft schlieffen, nachdem wir Bet-Stunde gehalten, auf diesem, obschon elenden Lager, bald ein, allein, mir war es unmöglich einzuschlaffen, weil ich, wegen der schmertzlich drükkenden Steine, ungeachtet ich meinen Rock darauf gebreitet, mich alle Augenblick einmal umwenden muste; ausserdem machte das wasser in dem Schlunde, welches vermutlich in selbiger Gegend einen starcken Abfall haben mochte, in der stillen Nacht ein solches grässliches Getöse, dass meine Ohren mehr als zu verdrüsslich wurden, selbiges anzuhören. Dem Mons. van Blac und dem Chirurgo Julio mochte es eben so gehen wie mir, deswegen stunden sie auf, setzten sich bei das angemachte Feuer, und fingen an, Toback zu rauchen, also stunde ich auch auf, und leistete ihnen Gesellschafft. Mons. van Blac erzählete von vielen Wunder-Dingen der natur, die er auf seinen Reisen angemerckt hatte, und wir beide höreten ihm fleissig zu, mitin wurde uns die Zeit gar nicht lang, allein, wir erschracken ziemlichermassen, da plötzlich gegen uns über, aus der Felsen-Klufft eine Feuer-Flamme in die Höhe fuhr, eben als wenn Colofonium durch ein starckes Rohr wäre geblasen worden. Wir sahen einander stillschweigend an, und wusten nicht, was wir davon sagen und dencken sollten, Mons. van Blac aber sah nach seiner Uhr, und sagte: Es ist jetzt accurat die Mitternachts-Stunde eingetreten, entweder hat der Satan sein Spiel, oder es ist eine entzündete Schwefel- oder Salpeter-Dunst gewesen. Ich gab ihm Beifall, etwa 4 oder 5. Minuten hernach aber, kam eben dergleichen Flamme zum andern mahle, und wieder nach so langer Zeit, zum dritten mahle heraus gefahren; weiln wir nun solchergestalt glaubten, es würde dieses noch öffter geschehen, so weckten wir die nahe liegenden Mons. Wolffgangen und Litzbergen nebst noch einigen andern auf, und diese hatten sich kaum ermuntert, auch angehöret, was passirt war, als eben dergleichen Blitz zum 4ten mahle geschahe, und alle 4. biss 5. Minuten ordentlich wiederholt wurde. Endlich da er zum 12ten mahle heraus gefahren war, sah Mons. van Blac abermals nach seiner Uhr, und sagte: Was guts? wenn es ein Spielfechten des Satans ist, so wird es nun bald ein Ende haben, denn die Mitternachts-Stunde ist bald vorbei.

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als eine grässliche stimme, die so stark war, als wenn 10. ja 20. Ochsen auf einmal brülleten, die abgesetzten Sylben aus der Felsen-Klufft heraus rieff: Ka-to-mahoom. Es währete dieser Ruf, so zu sagen, in einem Atem, ungefähr eine halbe Minute, worauf eine andere viel schwächere und ganz kläglich lautende stimme, die, unsers Bedünckens, oben, zwischen den Felsen des schmalen Ganges hinter uns, heraus schallete, zur Antwort gab: Ur-mi-di. Hierauf höreten wir augenblicklich ein entsetzliches Geheule aus der Felsen-Klufft erschallen, eben als wenn eine gewaltige Anzahl Wölffe, Katzen, Eulen und dergleichen wohlsingende Tiere in einem Gewölbe eine Vocal-Music machten. Dieses Geheule dauerte ungefähr 3. Minuten, worauf alles stille wurde. Mons. van Blac sagte: nunmehr ist die Mitternachts-Stunde vorbei, und wir höreten, und sahen auch würcklich weiter nichts, biss der helle Tag anbrach, da sich denn die andern alle ermunterten, und sehr verwunderten, dass sie, nach erhaltener Nachricht von dem, was passirt war, nicht das geringste gehöret hatten.

Wir hielten hierauf die Morgen-Bet-Stunde, und sungen unter andern das Lied: GOtt der Vater wohn uns bei etc. verzehreten das Früh-Stück, und sahen nachher zu, wie kapitän Horns Leute wechselsweise die kleinen Quer-Höltzer mit eisernen Clammern, deren wir eine ziemliche Anzahl mitgebracht hatten, an einander und auch an die langen Balcken bevestigten, so, dass sich nichts schieben sollte, und wir also ohne alle Gefahr, nicht nur darüber gehen, sondern auch wohl ziemliche Lasten hätten tragen können.

etwa 2. Stunden über Mittag war also die ganze brücke fertig, allein, wir hielten nicht vor ratsam, gegen den Abend oder die Nacht zu, die jenseitige Klufft zu untersuchen, oder den grossen Berg zu beklettern, sondern es lieber zu sparen biss Morgen früh, damit wir den Tag vor uns hätten; was mir aber am besten gefiel, war dieses, dass der kapitän Horn seine Leute befehligte, nach ihren Hütten umzukehren, und zwar unter dem Vorwande, dass sie nicht so viel an ihrer schiffes-Arbeit verabsäumen möchten, ausserdem so wäre eine so gar starcke Compagnie bei dergleichen