Felsenburg zu fahren, unsern älteren und andern guten Freunden alle diese Seltsamkeiten, so wir allhier gefunden, zu zeigen und zu erzählen, nachher wieder herüber zu rudern, lange Balcken und Bolen herbei zu schaffen, um eine rechte veste brücke über den Abgrund zu schlagen, und so dann hinüber zu passiren; doch würde auch nötig sein, dass wir fackeln, Wind-Lichter, Gewehr und andere Bedürffnisse mit uns nähmen, indem wir nicht wüsten, ob man in dunckele Gänge oder Hölen geraten, und daselbst etwa mit Schlangen oder andern Tieren zu streiten haben würde. Hiernächst wurde auch verabredet, dem kapitän Horn nicht alle unsere gedanken zu offenbaren, jedoch denselben zu bitten, uns durch seine Leute in dem nächst an dem Berge gelegenen wald etwa 6. oder 8. Stück, 15. biss 16. Ellen, lange Balcken, und denn auch etliche 30. biss 40. Queer-Stücke aushauen und an den Fuss des Gebürges schaffen zu lassen; zu welchem Ende wir ihm denn einige Zeichen auf dem Wege dahin machen wolten. Hierauf schlieffen wir etliche Stunden biss zu Anbruch des Tages, machten uns so dann auf die Beine, und gelangeten zeitig bei dem kapitän Horn an, statteten ihm Nachricht von unserer Reise ab, so viel er nämlich davon wissen sollte, fanden denselben zu allem, was wir von ihm begehrten, willig, nahmen die Mittags-Mahlzeit mit ihm ein, nachher Abschied, versprachen, in wenig Tagen wieder zu kommen, liessen die gefundenen Urnen auf unser Schiff tragen, versprachen des kapitän Horns Leuten vor den ersten Fund, einem jeden bei der Abreise besonders ein halb Pfund Gold zum Gratial zu geben, stiegen ein, seegelten auf Gross-Felsenburg zu, und kamen in später Nacht in unsern Wohnungen an.
Mir war es eine besondere Freude, dass ich meine liebste Cordula nebst meinem kleinen Sohne bei vollkommener Gesundheit wieder fand, folgendes Tages liessen wir die 10. Urnen aus dem Fahrzeuge auf die Albertus-Burg schaffen, da sich denn, um diese Antiquitäten zu sehen, eine grosse Menge Volcks etliche Tage nach einander einfand, allein, auch die klügsten, verständigsten und gelehrtesten wusten nichts anders davon zu urteilen, als was wir schon anfänglich in Klein-Felsenburg davon geurteilet hatten. Die Characteres wuste auch kein Mensch auszulegen, ungeachtet unsere Herren Geistlichen im Arabischen, Syrischen, Chaldäischen Schrifften und Signaturen nicht unerfahren waren. Doch hielt Herr Mag. Schmeltzer davor, es könnten vielleicht eine solche Art von Heiden gewesen sein, welche die Sonne, als ihren höchsten Gott, angebetet hätten, weil die Sonne nicht undeutlich, als ein alles regierendes Wesen, recht in der Mitte des Deckels der Urnen abgebildet wäre, hiernächst hielt er das oberste Zeichen vor den Mond, und das unterste vor ihren irrdischen Haupt-Götzen, weil dieses Zeichen etwas gröber ausgedruckt wäre als die andern 10. welche vielleicht die übrigen Planeten oder andere Gestirne, oder auch wohl andere selbst erwählte Götzen anzeigen sollten. Doch wolte Herr Mag. Schmeltzer diese seine Meinung vor keine untrügliche Wahrheit ausgeben, wir aber hielten dieselbe, allen Umständen nach, vor sehr vernunfftmässig. Da wir nun nachher eine Relation von demjenigen abstatteten, was wir bereits weiter erforscht, und noch ferner zu untersuchen willens wären, fanden sich nebst dem Alt-Vater sehr viele, welche uns von diesen verwegenen und gefährlichen Vornehmen abraten wolten, andere Wagehälse hingegen boten sich an, uns Gesellschafft zu leisten, allein, wir liessen uns von den erstern nichts einreden und abschrecken, den letzteren aber schlugen wir ihr Anerbieten höflich ab, weil die Compagnie sonsten gar zu stark, mitin verdrüsslich worden wäre, in Klein-Felsenburg aber ohnedem Helffers-Helffer genug anzutreffen waren.
Man machte deswegen alles zu unserer Abfahrt fertig, und wartete nur, mir zu Gefallen, biss meine Cordula am 19. Mart. zur Kirche gegangen war, Montags den 23. dito aber ging die Reise fort, nachdem wir uns mit Flinten, Pistolen, Seiten-Gewehr, fackeln, Wind-Lichtern, auch allerhand kräfftigen speisen und Geträncke wohl besorgt hatten, und zwar so waren es eben diejenigen Personen, welche das vorige mahl mit gewesen waren, biss auf Lademannen, der kranck worden war, und an dessen Stelle wir den jungen Chirurgum Julium mit nahmen. Noch Vormittags gelangten wir bei dem kapitän Horn an, erfuhren von ihm, dass er unsern Willen in allen Stücken erfüllen, und die bestellten Holtz Stücken an den bezeichneten Ort, am grund der Hügel bringen lassen, weswegen wir nur in der Geschwindigkeit etwas speiseten, so dann unsern Weg, in Begleitung des kapitän Horns und aller seiner Leute, biss auf ihrer 4. die teils Schäden an sich hatten, teils etwas unpässlich waren, vor uns nahmen, und den Ort gar bald erreichten, wo das zugehauene Holtz lag. Hier packte nun alles an, was hände hatte, die grossen und kleinen Stücken, teils Berg auf, mit Seilen zu schleppen, teils hinauf zu tragen, brachten auch noch vor Nachts alle Stücken hinunter in das Tal vor den schmalen Weg, stärckten hernach unsere abgemarteten Leiber mit Speise und Tranck, und legten uns endlich unter freiem Himmel zur Ruhe.
Noch vor Aufgang der Sonnen ermunterten wir uns wieder, verrichteten unser Morgen-Gebet einstimmig, damit uns GOtt vor allen Schaden und Gefahr bewahren möchte, sungen ein paar geistliche Lieder, nahmen hieraus das Früh-Stück ein, und gingen mit aufgehender Sonne auch wieder an