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dass sich vielleicht vor vielen 100. ja mehr als 1000. Jahren schon Menschen auf dieser Insul befunden haben. Wir spitzten alle die Ohren ziemlicher massen, er aber ging, nachdem er noch ein paar von seinen Leuten zu sich gerufft hatte, in seine Hütte, und brachte einen grossen Viereckigten Stein heraus, der bei nahe drei Viertel Ellen lang, breit und dicke war. Diesen setzte er bei uns nieder, nahm einen oben sauber eingefügten steinernen Deckel ab, und zohe einen goldenen Becher in die Höhe, welcher über die Helffte voll Asche war, unter derselben sich noch etliche Stücklein gebrannter Knochen befanden. Der Becher an sich selbst war sast einer halben Ellen hoch, oben im Diametro 6. unten aber vier Daumen breit, sonsten aber über und über ganz glatt und ohne einige Figur oder Zierraten. Auf dem obersten, schon gemeldten steinernen Deckel aber, sah man, nachdem er reinlich abgewaschen war, in der Mitte diese Figur:

Nachdem wir insgesammt das ganze Werck in Augenschein genommen, und lange Zeit Verwunderungsvoll betrachtet, konnten wir nicht anders urteilen, als dass es eine Heidnische Urna oder toten-Krug wäre, worin die Asche eines verstorbenen und nach ihrer Weise verbrannten Cörpers, verwahret und der Erden anvertrauet worden. deswegen konte es dem kapitän Horn niemand abstreiten, dass vor uns und unsern zeiten Menschen aus dieser Insul gewesen wären, oder dieselbe wohl gar ordentlicher Weise bewohnet hätten.

Uber niemanden unter der ganzen Gesellschafft muste ich mehr lachen, als über Mons. Litzbergen, denn derselbe konte den Deckel nicht genug ansehen, und hätte vor ängstlicher Curiosität verzweiffeln mögen, dass ihm unmöglich war, die Deutung der unbekandten Characters zu erfinden, über dieses verdross ihn, dass man keine ihm bekandte Jahres-Zahl darauf gezeichnet, deswegen warff er verschiedene fragen auf, als: In welchem Jahre der Welt mag diese Urna verscharret sein? Was mögen dieses vor eine Art von Heiden gewesen sein? Ob sie auch auf dieser Insul eine ordentliche Wirtschafft getrieben haben? Ob sie ausgestorben, von andern hinweg geführt worden, oder die Insul gutwillig verlassen haben? und was dergleichen Zeug mehr war, worüber zwar ein jeder raisonniren konte, allein, es kam nicht heraus, sondern es verblieb uns nichts gewissers, als die Ungewissheit.

Demnach wurde ich des vielen Scrupulirens überdrüssig, und bat den kapitän Horn, uns zu erzählen, wie, und auf was Art seine Leute eigentlich zu dieser Rarität und Antiquität gekommen? selbiger war also so gefällig, uns folgenden Bericht abzustatten: Meine Leute, sagte er, haben sich bisshero in den Feierabends-Stunden, zur Lust ein bequemes Fahrzeug gemacht, wormit sie am rand der ohnweit von hier liegenden grossen See und derer Flüsse, hin und her, aufund abfahren und die schönsten Fische fangen können. Vor etlichen Tagen, da sie Abends spät von ihrer Lust-Fahrt zurück kamen, berichteten sie mich, dass sie jenseit der grossen See, in einer ebenen Gegend einen Baum angetroffen hätten, dessen gleichen sie zwar an Geradigkeit, aber an Höhe Zeit ihres Lebens in der Welt nicht gesehen hätten und sollte sich derselbe ungemein wohl zum Mast-Baume schicken, allein, es wäre Jammer-Schade darum, weil dieser Baum eine rechte Rarität und Zierde dieser Insul zu nennen, ausser dem 12. andere, jedoch bei weiten nicht so hohe Bäume um denselben herum stünden, wobei man fast schwören sollte, dass sie mit allem Fleisse von Menschen nach dem Zirckel und Maass-Stabe dahin gepflantzt wären. Ich war so neugierig, gleich des andern Nachmittags mit ihnen an denselben Ort zufahren, und die curieusen Bäume zu besichtigen, fand es auch in der Tat also, wie sie gesagt hatten, bewunderte nicht allein die ausserordentliche Höhe des mittelsten Baumes, sondern auch die Accuratesse der 12. andern, so um ihn herum stunden, bildete mir aber fast gleich ein, dass solche nicht von der natur, sondern von Menschen-Händen herrühren möge. Doch demselben sei, wie ihm sei, ich gebot meinen Leuten bei Straffe, sich ja nicht an diesen Bäumen zu vergreiffen, sondern sie als eine Rarität dieser Insul stehen zu lassen, fuhr also mit ihnen wieder zurück. Gestern, als Sonntags früh, machten sich die lustigsten von meinen Purschen auf, nahmen Proviant und ein frisch geschossen Stück wild mit sich auf ihr Fahrzeug, und wolten dasselbe zur Lust unter dem hohen Baume braten und verzehren, indem sie aber ein Feuer-Loch in die Erde graben wollen, finden sie diesen Stein; kamen also bald zurück, und brachten mir denselben, so, wie er da ist, sammt dem Becher, welchen sie zwar heraus gehoben, vor gülden erkannt, jedoch denselben ordentlich wieder hinein gesetzt hatten. Ein rechtes Glück ist es, dass der nicht allzu dicke steinerne Deckel im Hacken oder Graben nicht ist entzwei gestossen worden.

Wir bekamen auf diese Nachricht gleich ingesammt Lust, selbiges Revier nebst den curieusen Bäumen ebenfals in Augenschein, auch grab-Scheiter, Schauffeln und Hacken mit zu nehmen; um zu sehen, ob wir noch mehr dergleichen Urnen oder TodtenTöpffe daselbst finden könnten, wurden deswegen von dem kapitän Horn und einigen seiner Leute dahin gefahren, und ergötzten uns nicht wenig über den angenehmen Platz, wo die 12. Bäume um den grossen herum stunden,

NB. Dieses ist der kleine Platz, welcher, weil er

von 2. kleinen Ströhmlein, die aus der grossen See

kommen, und unten zusammen lauffen, fast