1731_Schnabel_088_407.txt

die Aufsicht über die Knaben habe, und des Nachts im Schul-haus bei ihnen schlaffe, denn es ist ja gleich viel, mein Sohn Eberhard! ob ich unter deinem dach oder unter dem Schul dach schlaffe. Ich habe ohnedem wenig Schlaf, kan also diese Knaben besser bewachen, als junge Leute, welche ohnedem solchergestalt von ihren Weibern wegbleiben müssen. Wir wolten erstlich alle nicht darein willigen, endlich aber, da er sagte: Gönnet mir doch dieses Amt, woraus ich mir eine Freude mache, sonsten werde ich mich grämen, wenn ich sehe, dass ihr alle fleissig seid, und ich sollte gar nichts nutze sein, denn schwerer Arbeit bin ich niemals gewohnt gewesen. Demnach mussten wir ihm endlich nachgeben, meine Cordula machte ihm ein schönes Bette mit Vorhängen in die mittelste Schlaf-Cammer der Knaben, so, dass er sie alle in 3. Cammern um und neben sich liegen hatte, er brachte aber auch des Tages die meiste Zeit bei den Knaben zu, und ass mehr mit ihnen als an meinem Tische, solchergestalt war Mons. van Blac auch dann und wann einer Bemühung überhoben.

Sonsten war unsere Oeconomie in diesen Häusern dermahlen also eingerichtet: Es wurde uns alle Dienstage, Donnerstage und Sonnabends früh von der Albertus-Burg herunter, frisches Brod, Käse, Butter, allerhand Gemüse, frisch Wildpret und Ziegen-Fleisch auf Wagens zugefahren, eine jede Hausswirtin nahm davon so viel als ihr beliebte, denn es war allezeit mehr da als wir brauchten, und worzu dienete uns das übrige? Fische konnten wir alle Morgen von Christians- oder Stephans-Raum holen, und auslesen lassen was wir wolten, denn die dasigen fisch-Kästen und Behälter wurden niemals ledig. Von Flügel-Werck, so wohl kleinen als grossen, brachte man uns wöchentlich so viel, dass wir das meiste wieder zurück geben mussten. Mit Bier, Wein, Gewürtze und dergleichen waren unsere Keller und Speise-Cammern zur Gnüge versorgt. Was die Knaben anbelangete, so speisete mein Vater oder Mons. van Blac, auch wohl jemand anders, mit den 18. grössten an der einen Taffel, und gleich neben derselben, speiseten an der andern die übrigen 15. so, dass man sie alle übersehen konte. Die Tractamenten bestunden Tag vor Tag 1.) in einer Suppe, 2.) eine Schüssel Fleisch, wobei auch Zugemüse, 3.) eine Schüssel mit Fische, 4.) ein Braten nebst dem Zubehör. Jeder Knabe hatte seinen zinnernen Becher, den er nach Belieben 2. mahl voll Bier, des Sonntags aber auch einmal voll Wein bekam. Ubrigens wurde die Zurichtung der speisen nach dem Appetite sehr wohl verändert, und die Küche von 2en betagten Wittben, da die eine aus Roberts- die andere aber aus Alberts-Raum war, ingleichen von 5. Jungfrauen besorgt, die alle entweder Söhne oder Brüder in der Schule hatten. Zu allem Uberfluss mussten die 3. Priester-Weiber, die Frau Litzbergin, die Frau van Blac und meine Cordula, eine Woche um die andere die Ober-Aufsicht über die Küche nehmen, welches denn alle 6. Wochen an eine kam. So fehlete es uns auch an Holtze nicht, denn alle Woche 2. mahl, brachten die Simons-Roberts- und Stephans-Raumer, auch andere mehr, gespaltene und ganze Stücke herzu gefahren, welche letzteren von den Knaben zur Lust gespaltet wurden.

So bald demnach unser Schul- und Haus-Wesen in ziemliche Ordnung gebracht, fing ein jeder an, mit Hülffe der Knaben und anderer guten Freunde, seinen Garten zu verzäunen, wir setzten Bäume, säeten und pflantzten allerhand nützliche und appetitliche Garten-Gewächse und Blumen-Werck, baueten Ställe vor vierfüssig Vieh, auch Flügelwerck, in Summa, ehe Jahr und Tag verging, befanden wir uns allerseits in recht vergnügten stand, wünschten auch viele tausend mahl, dass nur unser lieber seeliger Alt-Vater, dieses schöne Stück Arbeit, noch vor seinem Ende hätte mögen mit Augen ansehen. Es erzeigte sich zwar unser itziger Regent nicht weniger liebreich und väterlich gegen uns, liess sich auch alle unsere Anstalten ungemein wohl gefallen, und brachte die meisten tages-Stunden bei uns zu, allein, es war uns allen doch noch nicht möglich, Albertum I. zu verschmertzen.

Um nun dessen Gedächtniss zu verehren, wurden wir schlüssig, ihm, so, wie er seiner seeligen EheFrauen der Concordia getan, eine Pyramide zum Häupten, gleich neben der Concordia ihrer, von ausgehauenen Steinen zu setzen, deswegen legte man so gleich die Hand aus Werck, und ward binnen 2. Monaten gänzlich damit fertig. Die Figur dieser Pyramide ist dreieckigt, 6. Ellen hoch, und auf der Spitze ruhet eine im Feuer verguldete proportionirlich grosse küpfferne Kugel. Die Steine sind sehr sauber zusammen gefügt, und mit dauerhafften Farben übermahlt, das daran befindliche Laub-Werck und Zierraten aber stark verguldet. Ausserdem sind 6. wohl ausgetriebene küpfferne und im Feuer verguldete Schilder, an den 3. Ecken oben und unten bevestiget, und auf selbige folgende Sinnbilder gemahlt:

1.

Ein beschädigtes Schiff auf dem Meere, mit der

Beischrifft:

Post mala mixta bonis portum ratis intrat amoenum.

Nach guten und nach bösen Stünden

Wird der gewünschte Port gefunden.

2.

Sic sitit astra pius, cervus velut appetit undas.

Ein Hirsch lächtzt nach dem frischen Bache,

Ein Christ nach jenem Sternen-dach.

3