50. biss 60. Ellen, und bei damahliger See etwa an ihrem fuss 80. biss höchstens 100. Schritt im Umfange, allein, man konte nicht rings um dieselbe herum gehen, weil es als ein steiler Turm und an teils Orten das wasser gar zu nahe anschlug, an zwei Orten aber sah man unten eine kleine Ebene von 10. biss 12. Schritten lang, aber nicht gar zu breit. Biss auf die halbe Höhe konte man diesen Felsen besteigen, und da fand sich ein Absatz, wo, wie in einem Bette, 3. biss 4. Personen neben einander liegen konnten, sonsten aber fanden sich wenig Stuffen, wo etwa 2. oder 3. neben einander hätten stehen oder sitzen können. Ich erwählete mir dieses gemeldte steinerne Bette zu meinem grab, und war gesonnen, so bald ich vom Hunger und Durst ermattet wäre, mich dahinein zu legen, und mein Ende abzuwarten; allein, da ich mich Nachmittags wieder herunter an den Fuss des Felsens begab, fand ich nicht allein verschiedene Kästen und Pack Fässer, sondern auch 4. tote männliche körper, welche die See dahin getrieben, zwei von diesen toten hatten etwas Brod, Böckel-Fleisch und Käse in ihren Schubsäcken, ob es nun gleich ziemlich eckelhafft war, so legte ich doch alles mit Fleiss an die Sonne, suchte weiter, und fand bei den andern ein Horn mit Schiess-Pulver, ingleichen ihr Tobacks- und Feuer-Zeug. Meine erste Bemühung war also, dass ich das Pulver und zum Feuermachen gehörige, an der Sonne trocknete, um nur Feuer und Rauch anmachen zu können, damit, wenn etwa ein Schiff vorbei passirte, es doch an diesen Zeichen, verunglückte Menschen bemercken und dieselbe retten könnte. Demnach schlug ich auch etliche Fass-Böden und andere Splitter mit spitzen Steinen von einander, und war so glücklich, dass ich, noch ehe es Nacht wurde, ein grosses Feuer anmachen konte. Selbige Nacht schlieff ich auf den Kleidern der 4. ertrunkkenen Menschen sehr geruhig, und kan in Wahrheit sagen, dass ich damahls weder Eckel noch Furcht bei mir gespüret. Früh Morgens, so bald die Sonne aufgegangen war, ging ich wieder hinunter an den Fuss des Felsens, und befand, dass derselbe viel breiter, indem die See sehr gewichen war, auch sah ich; dass noch ungemein viel Kisten, Ballen, Fässer und andere Sachen, ingleichen noch 2. tote körper an den Felsen geschoben waren, deswegen liess ich meine erste Arbeit sein, die toten biss auf die Hembder auszuziehen, und sie in den Sand zu scharren, weilen, wenn gleich Schauffeln und Hacken da gewesen wären, ich ihnen dennoch in den harten Felss keine Gräber machen können. Ich fand bei den 2. letzteren, welche sehr wohl gekleidet waren, viel goldene und silberne Müntze, schöne Ringe, auch viel Gold und edle Steine in ihren Kleidern vernehet, allein, ich hatte gar keine Freude darüber, vielmehr gereichte mir zu meiner Ergötzlichkeit, dass ich 2. wohl verwahrte Fässlein Wein und 3. Fässer süsses wasser, ingleichen 2. Fass voll Zwieback und 1. Fass voll geräuchert Fleisch in die hände bekam. Um die andern Kisten, Kasten, Fässer und Ballen bekümmerte ich mich wenig, sondern nur um Holtz, Splittern, und Breter aufzufischen, damit ich mir ein Wetter-Dach bauen und auch zum Verbrennen etwas haben könnte, denn auf meinem Felsen war weder Laub noch Grass, auch nicht die geringste Staude, sondern nur hie und da etwas Mooss zu sehen, weil es ein purer Stein-Klippe und gar keine Erde darauf war.
Demnach richtete ich mir binnen etlichen Tagen ein Wetter-Dach über mein Felsen-Bette auf, so, dass ich auch im Regen trocken liegen konte. Meine Nahrung war der gefundene Zwieback, wasser und Wein, und weil ich kein Trinck-Geschirr hatte, so verfertigte ich mir eins aus einem Stück Leder, welches ich auch so ungefähr am Ufer gefunden hatte. Das Fleisch, so ich hatte, konte in Ermangelung eines Geschirres nicht kochen, deswegen steckte selbiges an ein spitz gemachtes Holtz, begoss es öffters mit wasser, und liess es am Feuer so lange braten, biss es kauen und gemessen konte. Mein Feuer liess ich Tag und Nacht brennen, und meine tägliche Arbeit war Holtz aufzufischen, und selbiges zu spalten, wobei mir ein breites Seiten-Gewehr, das einer von den ertrunckenen an sich hatte, ungemein nützlich war.
kurz zu sagen, ich wendete allen Fleiss an, mein Leben, so lange als möglich, zu erhalten, um nicht aus Nachlässigkeit, als eine Selbst-Mörderin, in des himmels-Straffe zu verfallen, und mich um die ewige Seligkeit zu bringen. Da ich aber den Uberschlag gemacht, dass ich nunmehr binnen 14. Tagen an Holtze und Lebens-Mitteln (ausgenommen das süsse wasser, welches so lange nicht reichen oder sich halten dürffte,) so viel Vorrat hätte, mich länger als 3. monat damit zu behelffen, nahm ich mir vor, etliche Tage auszuruhen, doch waren meine Augen beständig nach der See gerichtet, um zu sehen, ob nicht ein Schiff vorbei seegelte, weswegen ich denn auch bei Tage viel nass Holtz und Mooss auf das Feuer warff, damit ein desto stärckerer Rauch aufsteigen sollte, allein, es wolte sich keines erblicken lassen, deswegen hielt ich meinem Verhängnisse stille, beklagte den mutmasslichen Tod