etwas allein, und höreten zu, was kapitän Horn mit seinen Untergebenen vor hatte. Diesen eröffnete er nun erstlich, was sich mit seinem Schiffe zugetragen, und dass man solches fast ganz von neuen würde bauen müssen; allein, selbige kehreten sich daran nicht, sondern sagten: Lieber kapitän, wir leiden hier keine Not, und wenn es so fort gehet, so lasset uns so lange hier bleiben, biss es noch einmal Sommer wird, binnen der Zeit wollen wir schon ein neues Schiff bauen. Diese Leute hatten meines Kopffs viel, deswegen fingen wir alle hertzlich an zu lachen, und ich versprach: dass, wo es ihnen gefiele, noch 2. Jahr und länger hier zu bleiben, sie an guter Speise und Tranck niemals Mangel leiden sollten. Sie waren hierüber sehr erfreuet, und versprachen, sich jederzeit als redliche Schiff-Leute aufzuführen. Indem wir aber einmal beschlossen hatten, bei der zeitiger angenehmen Witterung selbige Nacht auf der Insul Klein-Felsenburg zuzubringen, lagerten wir uns alle in einer recht lustigen Gegend, und liessen Caffée zubereiten, wobei sich Mons. van Blac nebst seinem schönen Koche endlich auch einstellete. Mein Herr! sprach Mons. van Blac zu dem Portugiesischen kapitän, ich werde euch diesen Koch abspenstig machen, und ihn zu meinem Schlaff-Gesellen behalten, weil ich das allergröste Recht dazu habe; allein, saget mir, worin ich euch eine Gegengefälligkeit erweisen kan. Der Portugiesische kapitän war höflich, und sagte: dass er über diese person nichts zu gebieten, sondern sich vielmehr zu gratuliren Ursache hätte, dass er dieselbe vor einigen Jahren nach erlittenen grausamen Sturme, an einer wüsten Stein-Klippe gefunden, beim Leben erhalten, und auf seinem Schiffe mit nach Ost-Indien nehmen können. Er bedaure zwar, dass sein Schiff in dem letzteren Sturme mir vielem Gute und Volcke untergangen, wäre aber doch noch in etwas froh, dass er nebst diesen 8. Personen sein Leben gerettet, nach langen Herumfahren endlich diese Insul gefunden, und Hoffnung bekommen, dass man ihn wieder in sein Vaterland schaffen wolle. Wir versprachen diesem ehrlichen mann alle möglichste Hülffe zu leisten, weil ich aber so neugierig war, der Frau van Blac wunderbare Lebens-Erhaltung zu vernehmen, als stillete sie meine und unser aller Couriositée mit folgender Nachricht:
Wie ich vernommen, sprach sie, so hat mein Liebster unser beider geschichte, seinen wertesten Freunden allhier schon ausführlich erzählet, deswegen will nur melden, dass, als mich, nach erlittenem Schiffbruche, die ungestümen Wellen auch nicht einmal auf dem Balcken bei meinem Liebsten wollen sitzen lassen, sondern mich in der allerdunckelsten Nacht herunter geworffen hatten, ich meines Erachtens erstlich fast biss in den Abgrund versenckt, plötzlich aber wieder empor gehoben wurde, da mir nun alle Sinnen und gedanken vergehen wolten, ich mich auch bereits dem tod ergeben hatte, stiess ich mit dem Kopffe dergestalt hefftig an ein Stück eines zerbrochenen schiffes, dass ich, ungeachtet der Erkältung im wasser, dennoch fühlete, wie mir das heisse Blut im rücken herunter lieff, jedoch dieser Stoss, welcher mich vollends hinrichten können, dienete mir vielleicht zur Ermunterung, denn als ich meine arme ausreckte, kriegte ich so gleich von ungefähr einen eisernen Rincken zu fassen, an welchem ich mich vest anhielt, und also in der wilden See mit diesem Stücke fortgetrieben wurde, biss der helle Tag anbrach, da sah ich nun, dass dieses ein sehr grosses und breites schiffes-Stücke war, ersahe auch die gelegenheit, mich darauf zu schwingen, und auf einer Ecke desselben sitzen zu bleiben, brauchte anbei die Vorsicht, dass ich einen breiten Saum von meinen Unter Kleidern abriss, ein Seil daraus drehete, und selbiges an meinem arme sowohl als an den eisernen Rincken bevestigte, damit, wenn ich ja allenfalls wieder herunter geworffen würde, ich mir dennoch wieder hinauf helffen könnte; allein, die See wurde selbigen Tages völlig stille, und ich wurde von einem sanfften Winde fort- aber weit von den Insuln des grünen Vorgebürges hinweg getrieben, so, dass ich dieselben noch vor Abends aus meinen Augen verlohr. Es brach abermals eine dunckle Nacht ein, doch war See und alles ungemein stille, so, dass mich endlich mein Fahrzeug in einem sanfften Schlaff wiegte, dessen ich mich auch mit Fleiss nicht erwehren wolte, weiln nur wünschte, in selbigen ohne Marter mein Leben zu endigen, indem mir nicht allein das wasser den Tod drohete, sondern sich auch in meinen Schubsäcken kaum auf 2. Tage NahrungsMittel befanden. Mit aufgehender Sonne erwachte ich, und spürete, dass mir im leib ziemlich wohl war, nur die Wunde am haupt fing mich an zu schmertzen, ich konte aber nichts daran tun, als dieselbe mit See-wasser auswaschen. Es war dieses ein sehr heisser Tag, denn die Sonne brannte wegen der stillen Lufft gewaltig, deswegen plagte mich der Durst mehr als der Hunger, und ich meinete nichts anders, als dass ich verschmachten müste, jedoch die Güte des himmels hatte in der folgenden Nacht mein Fahrzeug dergestalt an eine aus der See hervor ragende Klippe getrieben, dass ich ganz commode absteigen und an dieser Klippe hinauf klettern konte. Was mich am meisten ergötzte, war dieses, dass ich in einer Klufft derselben ein ziemlich teil süss wasser antraff, welches von dem neulichen Regen daselbst zusammen gelauffen war. Wenn ich sonsten diese Klippe beschreiben soll, so war sie, meines Erachtens, mit ihrer höchsten Spitze nicht höher als