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Stücken gepflantzt, und dabei ein artiges Schilder-Häussgen auf ein paar Personen in den Felsen gehauen, da man ebenfalls Feuer halten, und ganz wohl auch im Winter darinnen bleiben konte. Nächst diesen eine ordentliche Zug-brücke nach der verborgenen Treppe zu, von welcher man herab nach der Sand-Banck und See steigen konte, und selbiger zur Seiten zwei vortreffliche Kloben und Winden, vermittelst welcher man in einem Tage mehr als 1000. Centner Waaren auf- und nieder lassen konte. Der angenehme prospect auf die Sand-Banck, in die offenbare See, und dann lincker Hand in die schöne Bucht, welche aber einen sehr gefährlichen Eingang hatte, war ganz ungemein, ausser dem, dass man allhier auch die ganze Insul, als unser kleines Paradiess, völlig übersehen konte.

Nachdem wir über eine gute Stunde auf solcher Höhe verweilet, und glücklich wieder herunter kommen waren, liess sich unser Altvater, nebst Herr M. Schmeltzern, bei einer Kreissenden Frau antreffen, selbige kam bald darauff mit einer jungen Tochter nieder, und verrichtete Herr Mag. Schmeltzer allhier so gleich seinen ersten Tauff Actum, wobei Mons. Wolffgang, ich und die nechste Nachbarin Tauff-Paten abgaben, (selbiges junge Töchterlein, welches das erste Kind war, so auf dieser Insul durch Priesters Hand getaufft worden, und die Nahmen Eberhardina Maria empfieng, ist auf der untersten Linie der IX. Genealogischen Tabelle mit NB. *** bezeichnet.) Wir wurden hierauff von dem Kindtauffen-Vater mit Wein, weissem Brodte, und wohlschmeckenden Früchten tractiret, reiseten also gegen die Zeit des Untergangs der Sonnen vergnügt zurück auf Alberts Burg.

Herr Mag. Schmeltzer war sehr erfreuet, dass er selbiges Tages ein Stück heilige Arbeit gefunden hatte, der Altvater vergnügte sich hertzlich über diese besondere Gnade GOTTES. Mons. Wolffgang aber schickte vor mich und sich, noch selbigen Abend unserer kleinen Pate zum Geschencke 12. Elen feine Leinewand, 4. Elen Cattun, ein vollgestopfftes Küssen von Gänse-Federn, nebst verschiedenen kräfftigen Hertzstärckungen und andern dienlichen Sachen vor die Wöchnerin, wie denn auch vor die ganze Gemeine das deputirte Geschenck an 10. Bibeln und 20. Gesang- und Gebet-Büchern ausgegeben wurde. Nachdem wir aber nunmehr unsere Tages-Arbeit verrichtet, und die Abend-Mahlzeit eingenommen hatten, setzte unser Alt-Vater die Erzehlung seiner Lebens-Geschicht also fort:

Wir hielten eine dermassen glückliche Fart, dergleichen sich wenig See-Fahrer zur selben Zeit, getan zu haben, rühmten. Indem das Vor-Gebürge der guten hoffnung sich allbereit von ferne erblicken liess, ehe wir noch das allergeringste von Regen, Sturm, und Ungewitter erfahren hatten. Der kapitän des schiffes machte uns Hoffnung, dass wir aufs Längste in 3. oder 4. Tagen daselbst anländen, und etliche Tage auf dem land ausruhen würden; Allein die Rechnung war ohne den Wirt gemacht, und das Verhängniss hatte ganz ein anderes über uns beschlossen, denn folgenden Mittag umzohe sich der Himmel überall mit schwartzen Wolcken, die Lufft wurde dick und finster, endlich schoss der Regen nicht etwa Tropffen, sondern Strohm-Weise auf uns herab, und hielt biss um Mitternacht ohne allen Unterlass an. Da aber die sehr tieff herab hangenden Wolcken ihrer wichtigsten Last kaum in etwas entledigt besänftigt zu sein schienen, erhub sich dargegen ein dermassen gewaltiger Sturm-Wind, dass man auch vor dessen entsetzlichen Brausen, wie ich glaube, den Knall einer Canone nicht würde gehört haben. Diese unsichtbare Gewalt muste, meines Erachtens, unser Schiff zuweilen in einer Stunde sehr viel Meilen fortführen, zuweilen aber schiene selbes auf einer Stelle zu bleiben, und wurde als ein Kreusel in der See herum gedrehet, hernachmals von den Erstaunens-würdigen Wellen bald biss an die Wolcken hinan, augenblicklich aber auch herunter in den aufgerissenen Rachen der Tiefe geworffen. Ein frischer, und noch viel heftigerer Regen als der Vorige, vereinigte sich noch, zu unserm desto grösseren Elende, mit dem Sturm-Winden, und kurz zu sagen, es hatte das Ansehen, als ob alle Feinde und Verfolger der See-Fahrenden unsern Untergang auf die erschrecklichste Art zu befördern beschlossen hätten.

Man sagt sonst: Je länger das Unglück und widerwärtige Schicksal anhalte, je besser man sich darein schicken lerne, jedoch dass dieses damals bei uns eingetroffen, kan ich mich nicht im geringsten erinnern. Im Gegenteil muss bekennen, dass unsere Hertzhafftigkeit, nachdem wir 2. Nachte und drittalben Tag in solcher Angst zugebracht, vollends gänzlich zerfloss, weil die mit Donner und Blitz abermals herein brechende Nacht, schlechten Trost und Hoffnung versprach. Concordia und ich waren vermutlich die allerelendesten unter allen, indem wir währenden Sturms nicht allein keinen Augenblick geschlaffen hatten, sondern auch dermassen matt und taumelnd gemacht waren, dass wir den Kopf ganz und gar nicht mehr in die Höhe halten konnten, und fast das Eingeweide aus dem leib brechen mussten. Mons. de Leuven und Anton Plürs konnten von der höchst sauren, und letzlich doch vergeblichen Arbeit auf dem Schiffe, kaum so viel abbrechen, dass sie uns zuweilen auf eine Minute besuchten, wiewol auch ohnedem nichts vermögend war, uns einige Linderung zu verschaffen, als etliche Stunden Ruhe. Wir höreten auf dem Schiffe, so offt der Sturm nur ein wenig inne hielt, ein grausames Lermen, kehreten uns aber an nichts mehr, weil sich unsere Sinnen schon bereitet hatten, das jämmerliche Ende unseres Lebens mit Gedult abzuwarten. Da aber die erbärmlichen Worte