8. Portugiesen unter freiem Himmel, denn der 9te besorgte, als Koch, die Küche, und trug auch die speisen, so er zugerichtet hatte, selbst auf. Da er nun fertig war und wir unsere mitgebrachten Confituren und Weine auch herbei brachten, wolte sich dennoch der Koch nicht setzen, sondern blieb dem van Blac gegen über stehen, und sah ihn beständig in die Augen. Endlich brach ich loss, und sprach: Mons. van Blac, der gegen euch über stehende Koch, ist gewiss mit unserem Tractamenten oder der ganzen Aufführung nicht zufrieden, denn er siehet euch beständig ernstafft an. Es kan sein oder auch nicht sein, antwortete hierauf der Koch, aber, wenn der Herr van Blac sich satt gegessen hat, werde ich mir ausbitten, einige Worte mit ihm allein zu reden. Hiermit drehete er sich herum, und ging nach den Hütten zu. Der Portugiesische kapitän aber fing an zu sagen: Ja, meine Herren, keinen fleissigern, getreuern und Gottesfürchtigern ChristenMenschen habe ich Zeit-Lebens nicht gesehen, als diesen Koch, ungeachtet er nicht meiner Religion, sondern ein Holländer ist. Wie? ein Holländer? fragte Mons. van Blac. Ja, mein Herr, sagte der Portugiese, er ist ein gebohrner Holländer, und hat unsere Sprache binnen wenig Jahren doch dergestalt wohl gelernet, dass ihn jedermann vor einen Portugiesen hielte, wenn er nur nicht immer so tieffsinnig und traurig wäre.
Durch Ankunfft etlicher von kapitän Horns Leuten wurde dieser Discours auf etwas unterbrochen, da aber alles abgehandelt und jedermann vom Tische aufgestanden war, gingen wir alle ein wenig unter den Bäumen herum spatziren, mittlerweile kam offt gemeldter Koch wiederum zum Vorscheine, doch in weit sauberer Figur, denn er hatte nicht allein weisse Kleidung angezogen, einen artigen Türckischen Bund um seinen Kopff gemacht, sondern sein Gesicht, hände und arme sehr rein gewaschen, so, dass man an ihm eine ungemeine Zarte Haut betrachten konte.
Mons. van Blac blieb, so bald er den Koch in solcher Gestalt vor sich stehen sah, als ein steinern Bild stehen; der Koch auch; endlich erholete sich Mons. van Blac und sagte: Mein Freund! wenn ihr ein Holländer seid, so wird mir es auch nicht fehlen, dass ihr aus dem Geschlecht meiner seligen allerliebsten EheFrauen Charlotte Sophie van Bredal seid, denn dieser ihre Gesichts-Bildung, die mir immer noch Tag und Nacht vor den Augen schwebt, kommt mit der eurigen vollkommen überein. Ich schreibe mich van Bredal, antworttete der Koch, und kan vielleicht ein Freund von der Charlotte sein, habe auch vernommen, dass sie einen unbekandten Menschen geheiratet hat, aber wo ist die Charlotte hingekommen? Ach! schrye der van Blac, meine allerliebste Charlotte ist mir, nach erlittenem Schiff-Bruche, durch eine ungestüme Welle, da sie sich nebst mir auf einen Balcken gesetzt hatte, in der finstern Nacht von der Seite hinweg geschlagen und in die Tieffe des Meeres begraben worden. Hierbei stiegen dem van Blac die Tränen in die Augen, und er wäre gewiss umgesunkken, wenn wir ihn nicht erfasset und an einen Baum nieder gesetzt hätten. Der Koch sah ihn starr an, so bald aber van Blac die Augen nur in etwas eröffnete, sagte der Koch: Mein Herr und Freund! ihr habt eines teils recht, andern teils aber seid ihr irrig; denn eure Charlotte ist nicht in die Tieffe des Meeres begraben, sondern lebt noch, und hat das Vergnügen, euch wieder, ob gleich in Manns-Habit, zu umarmen. Unter diesen Worten umarmete und küssete sie ihn, fiel bei ihm nieder, und liess nicht nach, biss er vollkommen wieder zu sich selbst kam.
Diese verwunderungs-volle Avanture setzte so wohl uns als den Portugiesischen kapitän in die gröste Erstaunung, und obschon dieser nicht so viel von Mons. van Blacs Lebens-geschichte wuste, als wir, so wunderte er sich doch über nichts mehr, als dass dieser Koch sein Geschlecht so lange zu verbergen, geschickt gewesen, indem kein Mensch auf dem Schiffe jemahls auf die gedanken geraten, dass unter seinen Kleidern ein Frauenzimmer versteckt sei.
Seid ihr noch ledig, und im stand, eure Charlotte wieder anzunehmen, sagte eben diese Charlotte zu ihrem van Blac, oder soll ich eure person missen? Nein, mein Engel! antworttete dieser, nun solst du, und keine andere, mein Vergnügen sein, weil ich auf dieser Welt lebe. Es wäre zwar fast geschehen, dass ich mich mit einer artigen unschuldigen Seele, in ein neues Ehe-Verlöbniss eingelassen hätte, allein, der Himmel hat solches durch andere betrübte Zufälle zurück gehalten, nunmehr aber hoffe ich ohne jener ihren Verdruss, und ohne fernere Unruhe, biss an mein Ende, mit dir allhier vergnügt zu leben, wenn du nur erstlich gesehen hast, was du dir jetzt noch nicht einbilden kanst.
Ich Eberhard Julius hatte mein besonderes Vergnügen über diese ganz unverhoffte Zusammenkunfft dieser beiden Ehe-Leute; und zwar in Erwegung meines ehemahligen Schicksaals, schlich mich aber von der Compagnie hinweg, befahl meinen Felsenburgern, dass sie noch vor Nachts wieder zurück fahren, Morgen früh eiligst wieder kommen, und von der Frau Mag. Schmeltzerin ein, nach der Felsenburgischen Mode gemachtes vollkommenes FrauenzimmerKleid, mitbringen sollten. nachher liessen wir den höchsterfreuten van Blac nebst seiner Liebste, die in Wahrheit, ungeachtet aller ihrer ausgestandenen Kümmernisse, noch ein recht schönes Frauenzimmer vorstellete, im Grünen