dieser Welt
abgefodert werden sollte, denselben in die Kirche
gleich vor den Altar begraben zu lassen. Nein! rieff
hierauf der Alt-Vater: in das GOttes-haus gehö
ren keine tote, sondern lebendige körper, lasset
mich auf dem Gottes-Acker an der Seite meiner
allerliebsten Concordia ruhen. Wie ihr es son
sten bei Beerdigung meines Cörpers halten wollet,
darum bekümmere ich mich nicht, weil ich weiss,
dass ihr mich liebt, darüber aber bin ich höchst er
freuet, dass ich mein schönes toten-Kleid und
Ruhe-Cämmerlein noch vor meinen lebendigen
Augen habe.
9.) Wenn sich der jetzt noch anhaltende Sturm legen und es wieder stille Wetter werden wird, werdet ihr mein Ende heran nahen sehen, lasset deswegen Morgen und Ubermorgen diejenigen zu mir kommen, welche mich noch sehen und den Segen aus meinem mund empfangen wollen, auf den Sonntag aber werde ich beichten, das Heil. Abendmahl empfangen, hernach mich um das Zeitliche nichts mehr bekümmern, sondern meine Auflösung in stiller Ruhe abwarten.
Hierauf segnete der liebe Alt-Vater einem jeglichen Stamm und alle Anwesenden mit Hertz-brechenden Worten, weswegen fast jederman weinete, da er aber ins Bette gebracht zu werden begehrete, nahmen alle, biss auf etliche wenige, ihren Abtritt.
Folgende zwei Tage kamen aus allen Pflantz-Städten Alt und Jung herbei gezogen, und nahmen, ein Geschlecht nach dem andern, mit tränenden Augen und Küssung seiner hände beweglichen Abschied von dem Alt-Vater, er aber erteilete ihnen den Segen mit frölichen Geberden.
Sonntags Vormittags hielt Hr. Mag. Schmeltzer den GOttes-Dienst in seinem Zimmer, zu Ende desselben beichtete der Alt-Vater, und empfing das Heil. Abendmahl sehr andächtig, wolte aber nachher nicht sondern er liess sich den ganzen Tag über Wechselsweise geistliche Lieder und Sterbe-Gebeter vorsingen und lesen. Nach verrichteten GOttes-Dienst unten in der Kirche, versammleten sich die Herrn Geistlichen und Alt-Väter zu ihm, allein, er liess sich nicht in seiner Andacht stöhren, sondern verharrete stets im Beten und Singen.
Eben diesen Sonntag, den 8 Octobr. 1730, Abends gegen Untergang der Sonnen, fing der Sturm an, sich zu legen, welches der Alt-Vater sogleich vermerckte, und mit annoch ziemlich starker stimme sprach: Meine Seele wird noch vor Mitternacht bei GOtt sein, inzwischen haltet an im Gebet. Die Herren Geistlichen beteten und sungen also Wechsels-weise, was ihnen der Geist eingab, der Alt-Vater hatte die Augen verschlossen, rührete aber noch immer die Lippen biss gegen 10. Uhr, da wir erstlich, indem er Herrn Mag. Schmeltzern die Hand reichte, vermerckten, dass ihm die Sprache vergangen war, und er immer schwächer zu atemen anfing, jedoch der Verstand war noch vollkommen da, weil er auf etliche fragen, die Hr. Mag. Schmeltzer noch an ihm tat, das Haupt neigete, und die hände aufhub: deswegen segnete ihn derselbe ein, und gleich, nachdem der Seiger II. geschlagen, trennete sich die Seele von seinem körper, welcher doch nicht das geringste Zeichen einiges Schmertzens, etwa mit Zucken oder sonsten von sich gegeben hätte, sondern es blieb ihm nur der Mund offen stehen.
nunmehr ging das Lamentiren und Weh-Klagen bei Grossen und Kleinen erstlich recht an, allein, die Herren Geistlichen redeten allen tröstlich zu, so, dass sich die meisten auf die Seite machten, und ihre Klage in Geheim führeten. Wir aber, die wir in etlichen Tagen und Nächten daher sehr wenig geschlaffen hatten, bestelleten andere Wächter bei die Leiche, und legten uns nieder, um etwas auszuruhen.
Gleich mit Aufgang der Sonnen wurde dieser Trauer-Fall allen Insulanern mit 12. kanonen, da immer eine, eine Minute nach der andern, abgefeuert wurde, kund getan, auch wurden Mittags von 11. biss 12. Uhr alle Glocken auf dem Kirch-Turme geläutet, und damit 6. Wochen nach einander fortgefahren, da denn kapitän Horns ehemahlige Sclaven sich zu dieser Arbeit sehr fleissig einfanden. Noch dieses Montags mussten die Maurer, unter Anweisung Mons. Litzbergs, auf dem Gottes-Acker, und zwar auf der Stätte, die sich der sel. Alt-Vater neben seiner Concordia grab erwählt hatte, ein gemaurtes und gewölbtes Grab zu machen anfangen, inzwischen wurde die Leichè angekleidet und in den Sarg gelegt, indem fand sich unser Mahler Hollersdorff ohngeruffen von selbsten herbei, und zeichnete des sel. Alt-Vaters Gesichts-Bildung ab, welches mir und vielen andern um so viel desto angenehmer war, weil sich in diesem Betrübnisse niemand darauf besonnen hatte. Donnerstags ging die Beerdigung vor sich, und der Zug fast auf eben die Art, wie am jubel Feste, nur dass die Kinder und Jungfrauen alle weiss, die Weiber und übrigen Manns-Personen, sowohl ledige als verheiratete, alle in schwartzer Kleidung erschienen. Die Leiche wurde nicht getragen, sondern auf einem mit schwartzen Tuche behangenen Wagen gefahren, wie denn auch die 4. Pferde schwartze Decken aufliegen hatten. So bald der Zug von der Albertus-Burg herunter ging, wurden 12. kanonen gelöset, hernach, da wir mitten im grossen Garten waren, abermals 12. kanonen, und endlich, da der Sarg in das Grab gesetzt wurde, zum dritten mahle 12. kanonen abgefeuert, auch mit Lauten der Glocke nicht eher inne gehalten, biss wir alle wieder zurück auf die Albertus