, dass er sehnlich wünschte, mit dieser traurigen Arbeit noch viele Jahre verschont zu bleiben, allein, der Alt-Vater sagte: Mein Sohn, das viele Reden kommt mir sauer an, tut so wohl, erfüllet meinen Willen so eilig als möglich, und gebt mir die Hand darauf. Lademann muste ihm solchemnach versprechen, das zu tun, was er verlangte, er gab ihm die Hand, und ging darauf mit weinenden Augen zum Zimmer hinaus. Gleich hernach liess der Alt-Vater die Frau Mag. Schmeltzerin und meine Schwester ruffen, bestellete sich bei ihnen seinen toten-Habit, bat, selbigen aufs eiligste zu verfertigen, und neben sein Bette zu hangen, damit er ihn stets vor Augen haben könnte; Diese beiden wolten unter Vergiessung häuffiger Tränen, ebenfalls viel Einwendungen machen und um Aufschub bitten; allein der Alt-Vater sagte: Erzeiget mir die Liebe, und erfüllet meinen Willen, ich sollte meinen, binnen 2. Tagen könnte alles fertig sein. Sie mussten ihm also beide die hände darauf geben, worauf er wieder anfing einzuschlummern. Weil man aber verspürete, dass er es nicht gern hatte, wenn viele Leute um ihn waren, so blieben nur allezeit 2. Männer bei seinem Bette sitzen, die übrigen aber gingen in den Neben-Zimmern immer ab und zu. Montags früh kam Herr Mag. Schmeltzer wieder, den Alt-Vater zu besuchen, welcher noch immer im Schlummer lag, weswegen ich zu diesem Geistlichen sagte: ob es denn auch wohl ratsam sei, dass man ihn immerfort in solchen Schlummer liegen liesse? und ob es nicht vielleicht besser sei, wenn man ihn ermunterte, und von geistlichen Dingen mit ihm redete? So leise ich nun auch dieses sprach, so hörete es doch der Alt-Vater, und gab zur Antwort: Nein, Mein Sohn! gönnet mir immer dieses Vergnügen, denn ich geniesse solchergestalt würcklich hier auf Erden den Vorschmack der himmlischen Freude, sehe ich schon hier mit meinen irrdischen obschon verschlossenen Augen so viel, was wird nicht droben mit verkläreten Augen zu sehen sein? Herr Mag. Schmeltzer gab darauf, er möchte uns unsere Vorsorge nicht übel auslegen, weil um befürchteten, er möchte uns ganz unverhofft unter den Händen dahin sterben. Nein, gab er zur Antwort, ich werde noch einige, ob schon wenige Tage bei euch bleiben, und will es schon etliche Stunden vorher sagen, wenn meinem Lebens-Lichte das Nahrungs-Oel auf die Neige kommt; GOtt wird mir ein sanfftes Ende bescheren, und mir die Stunde vorher verkündigen, ich muss auch ja erstlich noch den teuren Zehr-Pfennig, nämlich das heilige Abendmahl, mit auf die Reise nehmen, und meine Sünden-Bürde wegwerffen, wenn ich als ein Auserwählter vor GOttes Angesicht erscheinen will.
Wir konnten alle, vor Jammer, uns der Tränen nicht entalten, und da er dieses sah, sprach er: Schämet euch, dass ihr um eines eitlen Vergnügens willen, meinen alten verruntzelten körper noch eine Zeitlang um und bei euch zu sehen, mit das Vergnügen missgönnet, je eher je lieber bei GOtt zu sein. Seid doch Manner und keine Kinder. Herr Mag. Schmeltzer stellte sich hierauf recht hertzhafft, und fing einen erbaulichen Discours von der himmlischen Herrlichkeit an, kam aber endlich aus die Frage: Ob denn er, der Alt-Vater, da er jetzt noch bei vollkommenen verstand wäre, nicht etwa eine Disposition machen wolte, wie es nach seinem tod in diesen und jenen Sachen auf der Insul sollte gehalten werden, und was dergleichen mehr war; stellte ihm anbei das Exempel des Ertz-Vaters Jacob, Genes. 47. v. 29. biss cap. 50. vor, und sagte, dass es eine GOtt sehr wohlgefällige Sache sei, wenn die Väter und Aeltesten den Nachkommen zum besten vernünfftig und wohl disponirten, ingleichen dass dergleichen letzter Wille allezeit mehr Autorität hätte, als diejenigen Verordnungen, welche von den jüngern gemacht würden. Hierauf sprach der Alt-Vater: Es ist ganz recht, ich habe schon vor einigen Jahren meine gedanken dessfalls sehr weitläufftig zu Pappiere gebracht, welches sich unter meinen Schrifften finden wird, da sich aber seit der Zeit auf dieser Insul viel verändert hat, können selbige nun nicht mehr in allen Stücken statt finden, deswegen will ich, dass auf künfftigen Donnerstag G.G. nach verrichteten Gottes-Dienste die Aeltesten meiner Stämme nebst den vornehmsten Europäern allhier vor meinem Bette erscheinen, und meine Meinung kürtzlich anhören sollen, welche mein Sohn Eberhard zu Pappiere bringen kan. Inzwischen möchte doch zugesehen werden, ob an meinem Sarge und Sterbe-Kleide gearbeitet würde.
Herr Mag. Schmeltzer versicherte, dass seine Liebste, meine Schwester und andere mehr das letztere unter Händen hätten, ich aber, um mich ihm biss an sein Ende gefällig zu erzeigen, ging selbsten den Berg herab nach Stephans-Raum, und fand, dass Lademann nebst seinen Leuten so wohl an einem leichten als an einem andern grossen Sarge, in welchen der leichte kleinere hinein geschoben werden sollte, arbeitete. Bei Plagern und Morgentalen, den Eisen-Arbeitern, waren die Rincken und Beschläge auch bereits bestellet, und, um nur des Alt-Vaters Willen zu erfüllen, sollte der Sarg Mittwochs Abends fertig und Donnerstags früh auf der Albertus-Burg sein. Der Alt-Vater zeigte über diese Nachricht ein besonderes Vergnügen, und weil Herr Mag. Schmeltzer diesen Tag nicht von ihm