sollen. Wir feireten deswegen diesen solennen Tag, nämlich den 10. Sept. da der Alt-Vater Ao. 1646. zum ersten mahle seine damahlige Gesellschafft herauf geführt hatte, recht sehr devot, mit dreimahligen Kirchengehen, niemand aber nahm einen Bissen Speise zu sich, biss die Sonne untergangen war. Der AltVater behielt die Aeltesten der Stämme und vornehmsten Europäer bei sich, und wir speiseten an zwei langen Tafeln in seinem Zimmer, nachher wurde von vielen wichtigen und nötigen Sachen, die noch vorgenommen werden sollten, Unterredung gepflogen, so, dass die Mitternachts-Stunde unterdessen heran geruckt war, welches aber niemand vermerckte, biss vor dem Zimmer ein ungewöhnliches Getöse entstund, weswegen ich nebst einigen andern hinaus ging, und hörete, dass man hinter den grossen Garten in der Gegend zwischen den zweien Flüssen viele Feuer-Flammen aufsteigen und herum vagiren sähe. Wir lieffen gleich hin zu den Fenstern, und fanden, dass es wahr war, Mons. Litzberg und andere judicirten, dass es Dünste aus der Erde oder so genannte Irrwische wären, allein, da das Lerm grösser wurde, und sich der Alt-Vater selbst an das eine Fenster führen liess, sagte er gleich: Meine Kinder! diese Flammen steigen aus dem GOttes-Acker empor, die toten ruffen mich zu sich in ihre Ruhe, nun ist nichts mehr übrig, als dass ich mein haus bestelle, denn eben dergleichen weisse, lichte Flamme zeigte sich kurz vorher, ehe der selige Carl Franz van Leuwen von dieser Welt Abschied nehmen muste. Dazumahl, (fuhr er fort) lag nur ein Christlicher körper auf diesem GOttes-Acker, jetzt aber sind ihrer mehr, die sich nach meiner Gesellschafft sehnen. Wir brauchten zwar insgesammt alle Beredsamkeit, dem Alt-Vater die Sterbens-gedanken auf dieses mahl auszureden, allein, er kehrete sich an nichts, liess hernach Bet-Stunde halten, und bat Herrn Mag. Schmeltzern, dass er einigen Knaben befehlen möchte, unter einer douçen Musique den Choral zu singen: Wer weiss wie nahe mir mein Ende etc.
Er begab sich hierauf zur Ruhe, mein Vater und ich aber blieben fast wider seinen Willen vor seinem Bette sitzen, und bewachten ihn, da zugleich meine Schwester nebst vielen andern im Neben-Zimmer ebenfalls die Wache hielten. Wir bemerckten, dass er einen ganz natürlichen, aber dergestalt leisen Schlaff hatte, dass ihn auch das gelindeste Geräusche erweckte. Folgende Tage wurde er recht mercklich immer schwächer und schwächer, so, dass er kaum mehr einen Arm oder Bein allein aufheben konte, jedoch, weil sich kein Eckel vor der Speise und Tranck bei ihm spüren liess, hatten wir immer noch gute Hoffnung, sass oder lag er stille, so waren seine Augen mehrenteils geschlossen, und schiene es, als wenn er im Schlummer zuweilen lächelte. Einige Tage vor dem Michaelis-Feste fragte ich ihn, ob er denn etwa an einem oder andern Teile des Leibes, innerlich oder äusserlich, Schmertzen fühlete? Ach nein, mein Sohn, gab er zur Antwort, ich fühle weder Schmertz noch Pein, sondern eine angenehme süsse Mattigkeit, wie ein Mensch, der in sanfftem Schlummer liegt und bald in einen rieffen Schlaff verfallen will, und wenn ich meine Augen zuschliesse, sehe ich die allerlieblichsten Sachen vor mir.
Solchergestalt sass und lag er fast beständig in einem süssen Schlummer, und man merckte, dass er es nicht gerne hatte, wenn man ihn ohne Not darinnen stöhrete, war also wenig munter, als wenn man ihm Speise reichte, und wenn Bet-Stunde gehalten wurde. Als er am Michaelis Heil Abend in die Vesper lauten hörete, und von uns vernahm, dass Morgendes Tages das Michaelis-fest zu feiern sei, sprach er mit einer muntern und frölichen Gebärde: Ach! meine Kinder, ich muss zu guter Letzt die Kirche noch einmal mahl besuchen, ehe ich schwächer werde, denn ich spüre, dass mein Lebens-Ende nicht mehr weit entfernet ist. Wir mussten ihm demnach des andern Morgens seine besten Kleider anziehen, und in die Kirche tragen lassen, wo er den GOttes-Dienst recht frisch und munter ganz aus abwartete, auch die geistlichen Lieder mit heller stimme mitsunge. Diesen ganzen Tag über schien er, gegen die bissherigen, sehr stark zu sein, folgendes Tages aber wieder so schwächlich, als die vorigen. Sonntags nach Michaelis hielt Herr Herrmann eine Predigt in des AltVaters Zimmer, welche mein Vater, ich und einige andere, die sich nicht von ihm hinweg begeben wolten, mit anhöreten. Nachdem er nun etwas weniges von Speise und Tranck zu sich genommen, verlangete er, man sollte den Tischler Lademann zu ihm kommen lassen, jedoch nicht ehe, biss die Nachmittags-Predigt vorbei wäre. Da sich nun dieser zu bestimmter Zeit einstellete, sprach der Alt-Vater zu ihm: Mein Sohn! ihr habt mir, so lange ihr allhier auf dieser Insul gewesen seid, vielen Nutzen gestifftet, und grosse Gefälligkeiten erwiesen, allein, ich habe doch noch eine Bitte an euch, dass ihr mir nämlich mein Ruhe-Cämmerlein oder Sarg so eiligst, als nur immer möglich, verfertigen möchtet, denn ich habe nicht lange Zeit mehr hier zu bleiben, sondern GOtt wird mich nächster tages zu sich ruffen, ich möchte doch aber gern vorher mein Ruhe-Cämmerlein sehen.
Der ehrliche Lademann fing bitterlich an zu weinen, küssete den Alt-Vater die Hand, und gab zu vernehmen