nicht der Wirt mit meinen Räubern und Mördern selbst unter einer Decke gesteckt haben möchte. Tue ich ihm zu viel, so vergebe es mir der Himmel. Er gab vor, diese Leute habe er Zeit-Lebens sonsten nicht gesehen, sie hätten sich vor See-Officiers ausgegeben, und auf einen monat das Logis bei ihm gemietet, Abends vorher aber, ehe sie mich so mörderisch tractirt und beraubt, ihre Schuld bezahlt, und zu verstehen gegeben, wie noch diese Nacht etliche Matrosen ankommen würden, ihre Sachen abzuholen, indem das Schiff, worauf sie gehörten, in Bereitschafft stünde abzuseegeln. Er, der Wirt, hätte solches geglaubt, wäre mit seiner Frauen zu Bette gegangen, und hätte die unruhige Nacht-Arbeit einmal dem Gesinde überlassen, hätte auch nimmermehr geglaubt, dass dergleichen Streiche in seinem haus vorgehen sollten, biss ihn früh Morgens das Gesinde, welches die Cammern reinigen wollen, herzu gerufft.
Was war zu tun? Geld hatte ich nicht, die Sache weiter untersuchen zu lassen, deswegen muste zufrieden sein, dem wohltätigen Wirte die grössten Dancksagungs-Complimente machen, und versprechen, wenn ich in bessern Stand käme bei, ihm redliche Zahlung zu leisten. Hierauf zohe ich die mir zugeworffenen alten Kleider an, begab mich wieder in die Stadt, denn NB. mein bissheriges Quartier war ausserhalb derselben gewesen, suchte gute Freunde, die mich wieder in bessern Stand setzen sollten, fand aber sehr wenig, die mir mit einer christlichen Bei-Steuer zu Hülffe kamen.
Jedoch der Himmel, welcher doch selten ein redliches Gemüte verderben läst, führte mich unvermutet in eine Strasse, wo mir der werteste Mons. Eberhard mit seiner Jungfer Schwester entgegen kamen. Die verschiedenen bei mir aufsteigenden Affecten machten, dass ich einen lauten Schrei tat, hernach vor Jammer bitterlich zu weinen anfing, und mich vor ihnen verbergen wolte, allein, zu meinem Glück wurde ich von ihnen erkandt, sie nahmen mich Elenden auf, setzen mich in solchem Stand, dass ich mich wieder mit honetten Leuten sehen lassen und mit ihnen umgehen konte, ja was das Haupt-Werck, sie waren so gütig, mich zu ihren Reise-gefährten und auf diese glückselige Insul mitzunehmen. Solchergestalt habe nunmehr nach so vielen ausgestandenen Widerwärtigkeiten allhier den Hafen meines irrdischen Vergnügens gefunden, und kan mit frohem mund ausruffen:
Post nubila Phæbus.
Auf Sturm, Blitz, Wetter, Angst und Pein
Folgt ein vergnügter Sonnenschein.
Zwar ist es an dem, dass mir bisshero unter allen meinen gehabten Unglücks-Fällen, der jämmerliche Tod meiner allerliebsten Charlotte Sophie am allerschmertzlichsten gewesen, allein, ich hoffe, dass der Himmel diese Hertzens-Wunde durch die Hand meiner allhier erwählten schönen Braut endlich auch verbinden und heilen werde. Denen, die mich mit auf diese glückselige Insul genommen, kan ich meine mich aber dahin bestreben, solche in Zukunfft auch tätlich zu erweisen, indem ich dasjenige Amt, welches man mir etwa allhier auftragen wird, jederzeit mit allem möglichsten Fleisse unverdrossen verrichten, auch Zeit-Lebens ein getreuer Freund und Diener von Ihnen allerseits und allen Insulanern verbleiben will.
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Hiermit endigte Mons. van Blac seine GeschichtsErzählung, und obgleich die Glocke schon 2. Uhr geschlagen hatte, da er aufhörete, war doch der AltVater so wenig, als jemand anders, ermüdet worden, ihm zuzuhören, wie denn der Alt-Vater den Mons. van Blac, so offt er abbrechen wolte, selbsten ersuchte, biss zum Ende fortzufahren, weiln er ohnedem voritzo wenig schlaffen könnte. nunmehr aber legten wir uns sämmtlich zur Ruhe, und schlieffen fast biss gegen Mittag da bereits mit den Tellern geklappert wurde. Es ist aber nicht genug, dass ich Eberhard Julius nur referire, wie wir mit einander geplaudert, gewacht, geschlaffen, gegessen und getruncken haben, sondern ich muss auch sagen, was ferner merckwürdiges auf unserer Insul vassirete.
Wir wurden zu Anfange des Septembris, nachdem tus-Burg in vollkommene Ordnung gebracht, schlüssig, von neuen eine Visitation in allen Pflantz-Städten anzustellen, um sonderlich in Augenschein zu nehmen, wie sich die Handwercker und Künstler befänden, und womit ihnen etwa noch zu dienen oder zu helffen sei, allein, ein entsetzliches Erdbeben, welches sich am 8. Septembr. in den Vormittags-Stunden 4. mahl spüren liess, verursachte, dass wir, da nur Alberts- und Davids-Raum visitiret war, zu haus blieben, und zu Winckel krochen, wie die schüchternen Tauben, der Alt-Vater aber sagte zu uns: Kinder, fürchtet euch nicht, GOtt ist zwar allmächtig genug, nicht nur diese Insul, sondern die ganze Welt auf einmal in einen Klumpen zu werffen, ich hoffe aber, er wird diese Insul, die er so vest gegründet hat, noch nicht verderben. Ich habe auch dergleichen Erdbeben schon öffters allhier empfunden, und dabei angemerckt, dass gemeiniglich einige Tage hernach ein grausamer Sturm auf der See entstanden. Gebt achtung, ob es nicht eintreffen wird, oder vielleicht ist dieses Erdbeben ein Vorbote, dass ich bald sterben werde, denn eben an diesem Tage haben meine Füsse diese Insul am ersten betreten. Wir waren ingesammt sehr niedergeschlagen, wünschten, dass er noch lange auf der Welt bei uns bleiben möchte; allein, er schüttelte mit dem Kopffe, und sagte: Vielleicht ist dieses Erdbeben auch eine Anmahnung, dass wir Ubermorgen G.G. unsern Buss-Bet- und Fast-Tag desto andächtiger begehen