1731_Schnabel_088_389.txt

er sich dem grössten Orden der Hahnreischafft, vielleicht wider seine Einbildung, einverleibt sehen muss. Beiliegende Geschichts-Beschreibung befindet sich in der Tat und Wahrheit also, und kan derselbe dessfals noch ein und andere Nachricht einziehen, so dann erwegen, ob nicht alles zutrifft, wiewohl ich hoffe, es werden seiner Liebsten Kleider und andere Sachen, wie auch die beigelegten liebes-Briefe ein sattsames zeugnis abhaffte geschichte sei. Wäre ich so wollüstig als curieux gewesen, das Beginnen einer geilen Dame zu bemercken, so wäre die Zahl seiner Hörner unfehlbar durch mich vermehret worden, denn nach Nörgels Beschreibung soll seine Frau Liebste schönes Leibes, dabei sehr freigebig sein gegen diejenigen, so sie rechtschaffen bedienen, indem sie sehr hitzig in dem liebes-Wercke; ob es wahr ist, weiss ich nicht, da ich niemals das Glück gehabt, sie zu sehen, viel weniger anzurühren. Ich überlasse seinem eigenen Gefallen, wie er sich bei dieser Begebenheit aufführen, und ob er seinen Herrn Schwägern, nämlich den Männern der Madame E. und A. auch das Verständniss eröffnen will, in so ferne er dieselben ausforschen kan. Ich verhoffe das Meinige getan zu haben, als ein unbekannter redlicher Freund, denn wenn ich ein Filou oder Betrüger, oder sonsten Geld-bedürfftig wäre, so hätte wenigstens die Baarschafften vor meine Mühe zurück behalten können. Ubrigens bitte mir durch diesen abgeschickten Expressen ein kleines Recipisse aus, indem ich mich allhier in Harlingen nicht lange aufhalten, sondern ehester Tages nach Amsterdam abseegeln werde, jedoch beharre.

Monsieur

vôtre Ami.

Liebste nebst ihrer Baase angekommen, und ebenfalls in einem andern Gast-haus, als wo wir ehedem logirt, abgetreten wäre, begab ich mich gleich des ersten Abends zu ihr, zeigte ihr meine Schrifften, welche sie approbirte, wir packten darauf der Helenæ Kleidungs-Stücke in ein gätliches Kästlein, versiegelten es mit einem fremden Petschafft, und trug dasselbe bei Nachts-Zeit selbst in mein Logis. drei Tage hernach wolte ein Schiff nach Engelland abseegeln, auf selbiges verdungen sich das Frauenzimmer und auch ich besonders, als ob wir nicht zusammen gehöreten, waren auch bestellet, uns vor Abends am Boord einzufinden, weil der Schiffer so dann in See gehen wolte. deswegen fertigte ich um Mittags-Zeit erstlich einen Expressen-Boten an den van Steen nach Leuwarden ab, gab ihm einen guten Lohn, mit dem ausdrücklichen Befehle, die Briefe nebst dem Kästlein ja keinem andern Menschen, als dem van Steen selbst in die hände zu geben, wo aber derselbe etwa nicht zu haus wäre, so lange zu warten, biss er zur Stelle käme, indem ihm sein Warte-Geld entweder dort, oder von mir wohl bezahlt werden sollte. So bald aber der Bote etwa eine Meile-weges fort sein mochte, bezahlete ich den Wirt, und liess meine Sachen aufs Schiff tragen, zu welchen ich so dann meinen Weg auch nahm, und bald hernach mein Frauenzimmer ebenfalls ankommen sah. Wir seegelten also mit gutem Winde frölich ab, und gelangeten in wenig Tagen glücklich Portsmout bei der Mademoiselle Gillers Bruder an, welcher uns mit vielen aufrichtigen FreundschafftsBezeugungen empfing, auch, da er unser Anliegen und Umstände vernommen, wenig Tage hernach Anstalt machte, dass ich mit meiner Liebste von einem Priester ehelich zusammen gegeben wurde. Wir waren hierauf gesonnen, uns mit nächster gelegenheit ein feines Land-Gütgen zu kauffen, eine ordentliche Hausshaltung anzufangen, und von demjenigen, was uns das Gut einbrächte, reputirlich zu leben; da sich aber nicht so gleich ein anständiges finden wolte, lebten wir über ein halbes Jahr vor unser Geld, sehr vergnügt, bei dem Herrn Gillers.

Eines Abends, da ich mit demselben aus einer Compagnie guter Freunde, da es schon ziemlich dunckel war, nach haus ging, kam uns eine schwartz gekleidete Manns-person entgegen, und stiess mich im Vorbeigehen mit einem Dolche in die Seite, lieff hierauf noch schneller, als ein Windspiel, fort. Ich selbsten kaum, geschweige denn Herr Gillers, wuste, wie mir geschehen war, endlich aber fühlete ich die Blessur, und war froh, dass wir bald nach haus kamen, denn der Stich war zwar nicht tödtlich, weil er auf dem rechten Hüfft-Beine sitzen geblieben, allein, sehr schmertzhafft, wie denn auch nachher noch sehr üble Zufälle dazu kamen, so, dass ich doch fast daran hätte crepiren können, allein, endlich wurde ich wieder gesund, erfuhr auch wunderbarer Weise, dass niemand anders, als Nörgel der Meuchel Mörder, gewesen. Denn es muste sich so wunderlich fügen, dass einer von des van Steens Handels-Purschen herüber nach Engelland, und bei Herrn Gillers in Condition gekommen war. Dieser hatte meine Liebste nicht so bald erblickt, als er sich derselben so gleich zu erkennen und darbei zu vernehmen gab, wie sie, als die erste Frau des van Steen, ehemahls seine Patronin gewesen wäre, er aber sei nur vor wenig Wochen aus des van Steen Diensten gegangen, um sich eine Zeitlang in Engelland aufzuhalten, könnte auch, wenn es uns etwa auf den Abend gelegen wäre, verschiedene wunderbare geschichte, so vor weniger Zeit in des van Steens haus und sonsten in Leuwarden passirt wären, erzählen.

Meine Frau, die sich dieses Menschens, von etlichen Jahren her, noch sehr wohl zu erinnern wuste, bat ihn so gleich, uns die gefälligkeit zu erweisen, und Abends auf unser Zimmer zu kommen, welches er denn