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eine andere Jungfrau heiratet, als mich, die ich als eine Wittbe zu achten bin, und dennoch wohl nachher bei euch in den Verdacht geraten könnte, als ob – – – – Ich unterbrach ihre Rede, und bat: Madame! quälen sie mich nur nicht länger, denn ich bin ja überzeugt genug, dass ihnen meine person nicht anständig ist, darum ist ja meine Resolution die allervernünfftigste, dass, da ich nicht erlangen kan, was ich suche, lieber mich entfernen will.

Unter diesen Worten rolleten mir, so viel ich mich von meiner Kindheit an zu erinnern weiss, zum ersten mahle einige Tränen die Backen herunter, welche, so bald es die Madame van Bredal sah, eine solche Würckung taten, dass sie auf einmal anders Sinnes wurde, mir um den Halss fiel, mich offtermahls küssete, und endlich sagte: Bleib mein Schatz, ich bin Deine, und du solst der Meinige sein, so lange als ich lebe, in Engelland wollen wir Hochzeit haben, unterdessen aber richte dich nach meinen Umständen, und überlege mit mir, wie wir uns etwa allhier noch aufzuführen haben. Uber diese Worte wurde ich dergestalt entzückt, dass ich selbst nicht wuste, wie mir zu helffen war, indem ich so lange auf meiner Liebsten mund kleben blieb, biss wir die Mademoiselle Gillers und die Magd mit dem Caffée ankommen höreten. Wir setzten uns, und truncken etliche Schälchen. Die Magd ging fort, deswegen redete mein Schatz zu ihrer Baase: Dencket doch, mein Hertz, dieser Herr, mit dem ich mich abfinden wollen, will weder Geld noch Gut, sondern meine person selbst vor seine mir geleisteten Dienste haben. Ihr wäret, antwortete die Mademoiselle Gillers, die allerunerkänntlichste person von der Welt, wenn ihr ihm dieselbige versagtet, denn er hat euch errettet, und durchs Glück den grössten Anteil daran, ihr seid wenig Jahre älter als ich, und werdet den ledigen Stand bei eurer Schönheit schwerlich ohne starcke Versuchungen zubringen können, deswegen machet mir das Vergnügen, dass ich jetzt gleich die Verlöbniss-Ringe von euren Fingern abziehen und verwechseln darff, das Beilager aber muss ausgestellet bleiben, biss wir in meines Bruders haus nach Portsmout kommen. Hiermit stunde das lose Ding auf, zohe so wohl mir als der van Bredal die Ringe vom Finger, verwechselte dieselben, und stellte sich so dabei mit Reden und Gebärden an, als wenn sie ein würcklicher Priester wäre, liess auch nicht eher nach, biss wir einander die hände und 50. Küsse auf die Treue gaben.

Da nun dieses vorbei war, und alles seine vollkommene Richtigkeit hatte, erzählte ich beiden Frauenzimmern den Streich, welchen ich in vergangener Nacht dem Nörgel und der Helena gespielet hatte. Sie lachten sich alle beide bald zu tod darüber, wolten aber nicht alles glauben, biss ich sie in mein Zimmer hinüber führte, der Helenæ Kleider, Strümpffe und Pantoffeln vorzeigte, und selbige meiner nunmehrigen Liebste in Verwahrung gab. Und wenn ihr mir, sagte diese, mein nunmehriger allerliebster Schatz, 100000. Tlr. zum Mahl-Schatze gegeben hättet, so wären mir selbige doch nicht halb so angenehm, als diese Equipage; Stille! nun wollen wir nicht mehr unter dem Verdeck spielen, sondern dem van Steen zeigen, was er verlohren oder gewonnen hat, inzwischen bin ich vergnügt, Mons. van Blac, dass ich mich nunmehr die Eurige nennen darff und kan. Morgen früh will ich mich mit euch copuliren lassen, daferne ihr ein zeugnis aus Antwerpen bei euch habt, dass daselbst von eurer Verehligung mit jemand, keiner etwas wisse, (dieses zeigte ich ihr so gleich) sodann will ich noch 1000. und mehr Taler daran wenden, wenn es ja erfodert werden sollte, dass die H. – – – Helena rechtschaffen prostituiret, und dem van Steen der Staar gestochen werden möge.

Wie viel mir nun auch an der person der van Bredal gelegen war, so hielt ich doch nicht vor ratsam, dass wir uns in diesem Stück übereileten, indem uns von unsern Feinden garstige Possen gespielet werden könnten, hergegen war ich der Meinung, dass es besser wäre, wenn wir uns, so bald wir unsere Sachen alle in Ordnung gebracht, je ehe je lieber nach Engelland übersetzen liessen, mitlerweile wolte ich die ganze Comædie von der Helena mit allen Umständen zu Pappier bringen, einen Brief an den van Steen dazu legen, der Helenæ Kleider und Sachen in ein Kästlein packen, und selbiges alles zusammen dem van Steen in die hände liefern lassen, nachher würden wir in Engelland dennoch wohl erfahren, was etwa ferner vorgegangen wäre. Meine Geliebte hielt dieses vor genehm, und sagte, wie sie in allen Stücken Reise fertig wäre, und binnen 3. oder 4. Tagen abfahren könnte; Demnach wurden wir schlüssig, dass ich morgenden Tag noch ausruhen, den folgenden aber nach Harlingen voraus reisen sollte, damit niemand einmal erführe, dass wir einander allhier in Leuwarden gesprochen hätten. Dieses geschahe also, ich kehrete aber nicht in dem Gast-haus ein, wo sie einkehren wolte, sondern in einem andern, setzte mich hin, und schrieb erstlich die ganze Geschicht von Wort zu Wort auf, die sich mit Nörgel, der Helena und mir zugetragen hatte, verfertigte sodann einen Brief an den van Steen, welcher folgendes Inhalts war:

Monsieur.

Ich habe die Ehre zwar niemals gehabt, denselben von person zu kennen, trage aber dennoch einiges Mitleiden seinetwegen, dass