Kleider allhier mit mir verwechseln und meiner Anführung folgen wollen, so können sie heunte Nacht die Madame van Steen nach ihrem Plaisir bedienen, denn sie hat unvergleichliche Anstalten dazu gemacht, wird auch den Betrug nicht mercken, nur bitte mir aus, mit anbrechendem Tage wieder allhier zu sein, damit ein jeder sein Kleid wieder anziehen kan, und wir einander von allem Nachricht geben können, denn es ist mir bei der van Steen nur um den Profit zu tun, aus ihren Caressen aber mache ich mir nicht das geringste.
Ich hatte, wie leicht zu erachten, verzweiffelte Streiche im Kopffe, stellte mich deswegen über Nörgels Treuhertzigkeit sehr vergnügt an, und dieser führte mich, so bald wir die Kleider und Peruquen mit einander verwechselt hatten, durch etliche schmale Gassen, die ich wohl bemerckte, biss vor der van Steen hinter-Tür des Gartens, befahl mir, die GartenTür mit den Nach-Schlüssel, den er mir gab, nur zu eröffnen, und getrost auf das Garten-haus, wo sie in der obersten Etage schlieffe, zuzugehen, so dann würde ich rechter Hand oben an dem Gesimse eine Blei-Kugel, woran ein Bindfaden bevestiget wäre, antreffen, mit selbigem sollte ich nur einige Züge tun, so würde die Tür gleich von sich selbst aufgehen, denn sie hatte den Bindfaden an ihren Arm gebunden, könnte auch so gleich, vermittelst eines herab gehenden Eisen-Drats, die Riegel aufziehen. Ich versprach dem Nörgel, alles wohl zu observiren, und noch vor TagsAnbruch abgeredter massen wieder bei ihm zu sein, nahm also dissmahl Abschied von ihm, und marchirte mit zitterenden Füssen in den Garten hinein. So bald ich vor die Tür des Garten-Hauses kam, durffte ich nicht einmal nach dem Bindfaden und der BleiKugel umgreiffen, denn die Tür tat sich gleich von selbsten auf, seitwärts inwendig brennete eine kleine Nacht-Lampe, welche doch so viel Schein von sich gab, dass ich die Treppe, so wohl als oben der Helenen Schlaff-Cammer-Tür, welche mir Nörgel genau genug bezeichnet hatte, ganz ordentlich finden konte. In ihrer Cammer war kein Licht, deswegen muste mich nur nach dem wenigen Scheine des himmels richten, der durch die 2. Fenster schimmerte, kaum aber war ich in die Cammer hinein getreten, als mich Helena also bewillkommete: Kömst du denn einmal, du falsches Teuffels-Kind, ziehe dich nur erstlich aus, ich will dir einen derben Fickerling geben. Madame! (war meine ganz sachte und ziemlicher massen nach Nörgels Mund-Art eingerichtete Antwort) ich will mich bald bei ihr rechtfertigen. Ach, ich höre schon, sagte sie, du hast gesoffen, mache nur fort, und lege dich her, denn du bist doch nicht besser zu gebrauchen, als wenn du einen Rausch hast.
Wer nun Lust zu tantzen gehabt hätte, dem wäre genug gepfiffen gewesen, allein, weil ich mich im Truncke ganz und gar nicht übernommen hatte, hauptsächlich aber an meine schöne, keusche und sonst vollkommen tugendhaffte, die van Bredal gedachte, bekam ich einen würcklichen Eckel an dieser bösen Speise, zumahlen mein Vorsatz ohnedem nicht war, etwas von ihr zu geniessen, sondern nur dieselbe zu prostituiren, mitin die van Bredal zu rächen, und dem van Steen den Staar zu stechen: Doch â propòs, weil sie mir die Trunckenheit vorworff, fing ich an, etliche mahl zu kolckern, als ob aus dem Magen alles oben heraus wolte, weswegen sie mir riet, ich sollte, um das Zimmer nicht zu verunreinigen, erstlich noch ein wenig im Garten herum spatzieren, alles aus dem leib (s. v.) heraus speien, und hernach etwas von dem auf dem Tische stehenden Cordial zu mir nehmen, so würde es schon besser werden. Ich sagte: Ja, Ja! da aber eben auf den Stuhl zu sitzen gekommen war, worauf sie ihre Kleider gelegt, nahm ich nicht allein alle dieselben ganz behutsam unter den Arm, sondern noch ihre Pantoffeln und Strümffe dazu, schlich mich sachte hinunter, und nach gerade immer zum Garten hinaus, brachte auch alle die Sachen glücklich in meine Herberge, ohne dass es jemand darinnen gewahr wurde, denn der haus-Knecht, so mir aufmachte, hatte kein Licht, und ich ging gerades weges damit nach meiner Cammer, und verdeckte diese allerlei Sachen.
So bald als der Tag anbrechen wolte, machte mir der haus-Knecht, genommener Abrede nach, das haus wieder auf, und ich ging an denjenigen Ort, wo mich Nörgel hin bestellet hatte, er kam etwa eine halbe Stunde hernach ebenfalls; ich stellte mich sehr besoffen und verdrüsslich an, klagte ihm auch, dass ich meinen Zweck nicht erreichen können, indem ich nicht ehe gemerckt, dass ich mich so sehr vollgesoffen hätte, als biss ich zur Dame ins Zimmer gekommen wäre, um aber dasselbe nicht zu verunreinigen, hätte ich mich erstlich in Garten retirirt, und hernach, da ich gemerckt, dass meine Kräffte ganz und gar verschwunden, meinen March zurück genommen, und das meiste vom Rausche im Winckel hinter einen Brunnen ausgeschlaffen.
Nörgel fing hierüber grausam an zu lachen, und sagte: Mein Herr, desswegen werdet ihr aber doch erkennen, dass nicht ich, sondern ihr selbst Schuld an dem misslungenen Vergnügen seid, mir aber ist es besser ergangen, denn ich habe nicht allein 6. spec. dukaten, sondern auch mein vollkommenes Vergnügen erlanget,