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. Demnach hielt ich nicht vor ratsam, ihr nachzureisen, sondern vor besser, auf sie zu warten, liess mich aber gar nicht mer

Nachdem ich dritten Tages von der Reise vollkommen ausgeruhet hatte, ging ich vor die Stadt spatzieren, geriet in einen schönen Garten, und ungefähr mit einer lustigen Compagnie ins Spiel, und gewann binnen wenig Stunden 16. biss 20. Holländische Gulden, kam zwar im Streit mit einem Unbekannten, etwa 5. oder 6. lumpichter Guldens halber, liess mich aber als ein Fremder bald weisen, und nahm die angebotene Helffte davon nicht einmal an, sondern sagte, dass, weil ich ohnedem durchs Glück etwas gewonnen, ich diesen geringen Satz gar leicht vergessen könnte. Die Spiel-Compagnie ging hierauf fort, biss auf sehr wenige, welche, so wie ich selbst, noch Appetit hatten, Caffée und darauf ein Glass Wein zu trincken. Indem ich mich nun in ein Cabinet gegen besonders gesetzt, um etliche daselbst gefundene Zeitungs-Stücke durchzulesen, kam mein, auf dem Spiele gewesener Wiedersacher zu mir, brauchte die gröste Complaisance, bedaurete, dass wir mit einander um eines Bagatells willen zerfallen wären, und wünschete, dass, weil er mich vor einen moralisirten Menschen ansähe, wir näher mit einander bekannt werden möchten. Ich erzeigte demselben alle Gegen-gefälligkeit, nötigte ihn, den Caffée und Wein mit mir zu verzehren, worzu er sich leicht erbitten liess, jedoch dabei seine Neugierigkeit nicht bergen konte, zu wissen, wer ich wäre, und was ich allhier zu verrichten hätte. Es war mir ein leichtes, ihn damit abzufertigen, dass ich ein Kauffmanns-Diener, und nach Engelland überzugehen gesinnet wäre; dahingegen offenbarete er mir, und zwar erstlich, da die andern schon alle hinweg gegangen, und wir beide nur alleine beisammen waren, dass sein Nahme Nörgel, und er ein Notarius Publicus wäre, seine Profession ihm aber ein sehr weniges einbringen würde, wenn er nicht dieses Orts die vortrefflichsten Weiber Stipendia zu geniessen hätte.

nunmehr, da ich diesen Nahmen, in der van Bredal an mich geschriebenen Briefe, gelesen zu haben, mich erinnerte, sperrete ich erstlich beide Ohren auf, liess sans passion noch ein paar Maass Wein herein geben, und stellte mich ungemein lustig, verdrehete den Discurs auf den itzigen Zustand von Europa, allein, Mons. Nörgel bezeugte zu solchen Sachen eben keinen besonderen Appetit, sondern fing ex abrupto wieder an, von seiner eigenen person und Bewunderungs-würdigen liebes-Intriquen zu raisoniren. Seines Nahmens wegen, und um, ihn noch treuhertziger zu machen, liess ich noch 2. Bouteillen Wein langen, bei welchen er denn auch so aufrichtig wurde, und teuer versicherte, dass er diese Nacht 3. Dames, so ihn um Mitternacht zu sich invitirt, versäumen, die 4te aber, welches sein Abgott, und die bemittelste wäre, unfehlbar abwarten und besorgen müste. Wie ich nun hierbei eine lächerliche Mine machte, fuhr er, etwas entrüstet, heraus: Monsieur, glaubt ihr mir nicht, so leset diese 3. Billets, (welche er also gleich aus der Ficke zohe,) das 4te aber an dem Lichte verbrannte. Nach wenigen fernern Nötigen, fand ich das erste also gesetzt:

Du Irr-Wisch!

Stellest du dich heute diesen Abend gegen 9. Uhr nicht in meiner Cammer ein, so überschreite derselben Schwelle nur nimmermehr wieder, sonsten wisse, dass ich dich mit Hunden hinaus hetzen, und Zeit-Lebens deine tot-Feindin verbleiben will.

E.

Das andere Billet war folgendes Inhalts:

Mein Vergnügen.

Die gelegenheit von deinen mir höchst angenehmen Caressen zu prositiren, ist jetzt vor mich besser als jemahls, deswegen kom, noch ehe die Sonne unterge het, weilen sonst Verdacht entstehen möchte; ich will dich gewiss erstlich mit einer delicaten Abend-Mahlzeit, hernach mich mit dir vollends vergnügen, dieweil ich bin Das dritte Billet, welches mir am allermeisten verdächtig vorkam, lautete so:

Falscher Kebs-Mann!

Du weist, was du an mir getan, und dass ich einige Wochen, so zu sagen, als eine Wittbe leben müssen, weiln mein Mann, seit der Zurückkunfft seiner Barbarn-Hure, mir wenig Caressen gemacht, um so viel desto mehr hättest du dein Plaisir befördern können; weil du es aber versäumet, muss ich dich an deinem Profite selbst erinnern. Darum komm! so bald es dunckel ist, durch den gewöhnlichen gang, vergnüge mich und dich, und glaube, dass ich, wenn ich dich redlich befinde, allezeit sein werde, du weist es wohl,

Deine

gutwillige v.S.

Mein Herr! sprach ich, nachdem ich ihm alle 3. Briefe wieder zurück gegeben, die letztere schreibt gar zu treuhertzig, darum sollte wohl meinen, dass sie es am allermeisten meritirte, ihr aufzuwarten. Es ist wahr, mein Herr, gab er zur Antwort, sie ist sehr genereux, dabei hitzig, aber nicht so Liebens-würdig als die, welche ich am meisten liebe, und deren Brief ich jetzt verbrannt habe, denn diese ist ungemein schönes Bild, voller Feuer, und bezahlt dennoch sehr reichlich, dasjenige was ich ihr gern umsonst täte. Sie sind glücklich, mein Herr! gab ich darauf, und ich dürffte fast wünschen, nur an einem Orte einmal ihre Stelle zu vertreten. Ich bin nicht neidisch, war seine Antwort, und wo sie, mein Herr, nur die