Augen, so wohl als auf die Nase und auf das Maul bekommen, weswegen sie mich durchaus tot haben wolte; allein, in diesem Stück war der van Steen doch etwas vernünfftiger, und sagte zu mir: Madame! ich kenne euch sehr wohl, bin auch sehr erfreuet, dass ihr aus der Sclaverei entronnen seid, allein, vergebet mir, dass ich euch nimmermehr wieder zu meiner Ehe-Frau annehmen kan, doch will ich euch alles das Eurige heraus geben, und ausserdem noch ein übriges tun, nur tut so wohl, und retiriret euch, um ferneres Unglück zu vermeiden, aus meinem haus, glaubet anbei, dass es mir sehr schmertzlich fällt, euch solchergestalt abzufertigen; welcher Mensch aber ist so kräfftig, sein Verhängniss zu besiegen? Monsieur! war meine Antwort, ich habe schon von ferne gehöret, was die Glocke bei euch geschlagen hat, deswegen will ich erstlich mit meinem Verhängnisse einen rechtschaffenen Streit anfangen, ehe es mich vollkommen besiegen soll. Die erzürnete Helena melitte sich hierbei aufs neue in das Gespräch, welches nach und nach so hefftig wurde, dass wir einander wieder nach den Köpffen greiffen wolten, van Steen aber verhütete dieses, und gab endlich Befehl, dass mich 4. von seinen Leuten zum haus hinaus führen mussten. Ich war nicht im stand, mich zu wehren, schwieg auch, um mich nicht ferner prostituiren zu lassen, ganz stille, stieg in meinen Wagen, und liess mich in ein Gast-haus fahren, wo ich blieb, und selbige erste Nacht einen beweglichen Brief an meinen ungetreuen Ehe-Mann schrieb, auch ihm darinnen sein Verfahren gegen mich von Anfang an biss auf diese Stunde vorrückte, allein, er würdigte mich nicht, mir schrifftlich zu antworten, sondern schickte einen Läppischen Kerl zu mir in mein Logis, welcher mir vorstellen muste, dass ich ja, da ich ein Kebs-Weib eines Barbarn gewesen, über dieses lange Zeit mir einem jungen Holländer (unter welchen ihr mein ehrlicher van Blac verstanden wurdet) in der Welt herum gereiset, ohnmöglich verlangen könnte, dass mich der Herr van Steen wieder annehmen, und seine itzige Frau, die er über alles in der Welt liebte, von sich jagen sollte; inzwischen bliebe er bei dem Entschlusse, dass woferne ich alle Weitläufftigkeiten vermeiden, er mir nicht allein alles mein eingebrachtes Gut baar bezahlen, sondern auch über dieses noch 1000. spec. Tlr. schencken wolte.
Ich nahm mir nicht einmal die Mühe, diesen Maul-Affen behörig zu antworten, sondern sagte nur, es wäre alle gut, er möchte seinen Principal wieder grüssen, ich würde meine Sache schon auszuführen, und meine Ehre gegen ihn und seine itzige Frau zu retten wissen.
nachher habe erfahren, dass der van Steen mit dem erstlich Abgeschickten, der sich Nörgel nennete, und noch einem andern, mich zweimahl nach einander besuchen wollen, weil er vielleicht kein gutes Gewissen, oder etwa bessere gedanken bekommen hatte, allein, seine Frau hatte es dennoch zu hintertreiben gewust, so, dass ich an dessen Statt die schändlichsten Reden von ihm hören muste, worzu vielleicht der in Lissabon zurück gebliebene Rackhuysen durch Briefe das meiste beigetragen haben mag.
Vom Dostart vernehme, dass er bisshero durch eine schwere Kranckheit an seiner Zurückkünfft verhindert worden, wiewohl ich ihn nun desswegen aus Christlichem Gemüte bedaure, so ist mir doch an seiner Gegenwart gar nichts gelegen, weil ich den Process gegen meinen ungetreuen Mann bereits einem gescheuten Procureur anvertrauet, welcher mit aber keinen andern Trost gibt, als es binnen wenig Wochen dahin zu bringen: dass ich erstlich von demselben, alles mein eingebrachtes Gut; vors andere, einen Gerichtlichen Scheide-Brief, mit der erlaubnis, wieder zu heiraten, wen ich wolte, und drittens, wenigstens 5000. fl. vor den Abtritt bekommen solle, jedoch in so ferne ich eidlich erhärten könnte, dass ich binnen der ganzen Zeit meines Hinwegseins von keiner MannsPerson, auf solche Art, wie mein ungetreuer Mann meinet, berühret worden. Weiln ich nun dieses letztere mit reinem Gewissen alle Augenblicke tun kan, so bitte ich euch, mein redlicher Mons. van Blac, mir zu allem Uberfluss zu Hülffe zu kommen, und ein zeugnis meiner Aufführung, so viel euch nämlich davon bewust ist, abzustatten.
Ich versehe mich eurer baldigen Ankunfft gewiss, sende anbei 100. dukaten Reise-Kosten, und beharre mit aller Aufrichtigkeit
Eure
getreue Freundin
Charlotte Sophie geb. van Bredal.
Gleich nach Lesung dieses Briefes, der mir höchst angenehm war, machte ich mich auf den Weg, um ein Pferd zu erhandeln, und mit meinen angekommenen Expressen, die Reise zu land nach Leuwarden anzutreten, zu allem Glück aber begegnete mir der Schiffer, welcher mich von Harlingen mit anhero gebracht hatte, und liess sich verlauten, dass er gleich morgenden Tages abermals dahin fahren wolte, weswegen ich gleich bedachte, dass es mir auf diese Art eher dahin zu kommen möglich sein würde; also auf der Stelle den Accord mit ihm machte, meine Sachen zu Schiffe bringen, den Expressen aber zu land fort reisen liess.
Ich kam zeitiger in Leuwarden an, als es die Madame van Bredal wohl vermeinet hatte, und weil ich mein Logis in eben dem Gast-haus, wo sie sich einlogirt, genommen, erfuhr ich unter der Hand gleich, dass sie mit einer ihrer Befreundtinnen auf ein Land-Gut gereiset, ihre Zurückkunfft aber unter 4. Tagen wohl nicht zu hoffen wäre