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, welches ihr deutlich genug zu verstehen gab. Allein, sie blieb bei ihrer ehemaligen in Lissabon getanen Erklärung, und fügte hinzu, wie sie hoffte, dass wir in wenig Wochen einander sprechen würden, es möchten nun ihre Sachen gut oder schlimm abgelauffen sein. Hierauf liess sie ihre meisten Sachen zu Harlingen in Verwahrung, und reisete auf Leuwarden loss, ich ebenfals ging gleich folgenden Tages mit einem Middelburgischen Schiffe ab.

Ich war auf dieser ganzen Reise sehr betrübt und traurig, denn das Hertze mochte mir im voraus sagen, dass ich wenig Vergnügen in meiner Vaters-Stadt antreffen würde, es war auch an dem, denn mein Vater war nicht wieder zurück kommen, sondern sichern Nachrichten gemäss, in dem ersten Jahr seiner Sclaverei gestorben, hierüber, und da zumahlen die Creditores zugegriffen, und meiner Mutter fast alle das Ihrige genommen, so, dass sie nebst ihren annoch lebenden 6. Kindern, denn zwei waren schon davon bei diesem Hertzeleide gestorben, auf die letzte in einem Mietause, kaum so viel gehabt, dass sie das liebe Leben erhalten können, hierüber, sage ich, grämet sie sich ebenfals noch dergestalt, dass sie ungefähr ein halbes Jahr vor meiner Zurückkunfft gestorben, und der Gross-Mutter, welche noch ihr eintziger Trost gewesen, binnen 3. Wochen im tod nachgefolgt war.

Meine zwei jüngsten Geschwister hatte man aus Erbarmung ins Waysen-haus genommen, von den 3. ältesten Brüdern lerneten zwei Profesiones, der jüngere wartete einem Herrn auf, und die älteste Schwester war gleichfalls ein Cammer-Mägdgen bei einer vornehmen Frau geworden. Ich besuchte dieselben alle, oder liess sie zu mir kommen, weil ich aber vermerckte, dass sie sich in ihr Unglück ziemlich schikken gelernet, auch mit dem jetzigen Zustande ziemlich zufrieden waren, liess ich jedes an seinen Orte, zumahlen, da ich noch nicht wuste, wie es mit meiner eigenen person kommen würde, schenckte aber einem jeden von meinen Geschwistern 100. spec. dukaten, und dabei ein neues Kleid, mit dem Versprechen, dass, wenn sie fleissig vor mich beten würden, damit mir eine gewisse Affaire wohl geriete, ich an ihnen nach und nach ein noch mehreres tun wolte.

Mittlerweile sah mich jedermann, der mich in der Jugend in meiner Vaters-Stadt gekennet hatte, fast vor ein Meer-Wunder an, jedoch, da ich den verständigsten Leuten, worunter sich auch viele vornehme befanden, meine Fatalitäten erzählet hatte, bekam ich ohnverhofft verschiedene gute gönner und Freunde, welche sich sehr verobligirten, mir eine gute Bedienung zu verschaffen, wobei ich honettement leben könnte, allein, ich sah mich nicht im stand, noch zur Zeit etwas anzunehmen, sondern wolte erstlich auf Briefe von der van Bredal warten, welche denn auch in der 6ten Woche, nach meiner Ankunfft in Antwerpen, durch einen Expressen einlieffen, und die ich also gesetzt befand:

Mein werter Mons. van Blac.

Wie ich mir immer seitero selbst propheceier, so ist es mir auch ergangen. Nehmet es mir nicht übel, dass ich euch eine weitläufftige Nachricht von meinem allhiesigen begebenheiten überschreibe. So bald ich nach Leuwarden kam, tat ich, als ob ich gar nichts von der anderweitigen Verheiratung meines ungetreuen Mannes wüste, fuhr deswegen gerade vor das haus, worin ich sonsten mit ihm gewohnet hatte, stieg ab, ging in die ordinaire Wohn-stube, und fragte so gleich nach dem van Steen, welcher ausgegangen war, jedoch kam seine Gemahlin, die Helena, so gleich zur Stelle, und fragte, was ich beliebte? Madam! gab ich zur Antwort, ich habe zwar die Ehre nicht, sie zu kennen, möchte aber gern meinen EheMann den van Steen sehen. Hierauf sah mir die Helena etwas tieffer in die Augen, und da sie mich so gleich erkennen mochte, wurde sie so blass als eine Leiche, stunde auch eine gute Zeit als ein steinern Bild vor mir, weswegen ich zu ihr sprach: Madam, warum werden sie so verwirret? Ist ihnen etwa nicht wohl? Sie wuste erstlich noch nicht, was sie antworten sollte, endlich aber flossen diese Worte aus ihrem mund: Ist der van Steen euer Mann, so müsset ihr nicht wohl im Gehirne verwahret sein, denn ich habe ihn nun Wiege, und eins im leib von ihm, wüste auch nicht, wer mir meinen Mann abdisputiren wolte, zumahlen da seine erste Frau in Marocco unter den Kebs-Weibern des Kaysers befindlich, und er dieserwegen allhier erlaubnis erhalten, sich als ein von ihr geschiedener mit mir zu verheiraten. Madame! replicirte ich, ihr seid von der ganzen Sache entweder gar zu viel oder gar zu wenig unterrichtet; ich bin die erste Frau des van Steen, und habe noch niemals einen andern Mann, als ihn, erkannt, auch hat mich der Himmel sonderlich davor bewahret, eines andern Kebs-Weib zu werden, wie es aber um eure eigene Ehre stehet, könnet ihr am allerbesten nachdencken und wissen. So bald als dieser Schand-Balg dergleichen Reden von mir hörete, fiel sie als eine Furie über mich her, wolte mich zu Boden reissen, und mir die Augen auskratzen, allein, ich wehrete mich meiner Haut so gut, und so lange, biss erstlich einige von den haus Genossen, und endlich der van Steen selbst dazu kamen, und uns von einander brachten. Mir blutete zwar die Nase, allein, meine Feindin hatte doch noch stärckere Trümphe in die