Antwort fertig, und beteurete sehr: dass es nicht aus Geilheit und Unzucht, sondern vielmehr aus Wehmut und reiner Liebe geschehen wäre, könnte aber anbei nicht läugnen, dass, wenn sie ja mit ihrem ersten mann nicht wieder vereiniget, sondern von ihm geschieden werden sollte, ich mir auf dieser Welt kein grösser Vergnügen wünschen wolte, als mit ihr vereheliget, und so wohl dem Dostart als allen andern Manns-Personen vorgezogen zu werden, wie ich denn schon so viel Mittel zusammen zu bringen gedächte, einen honorablen Dienst, wenn es auch gleich ausser unserm vaterland wäre, zu erlangen und sie reputirlich zu ernähren. Sie schwieg hierauf eine lange Weile stille, da ich aber endlich ihre Hand küssete und fragte, ob sie mich denn hierauf gar keiner Antwort würdigen wolte? ermunterte sie sich, und gab mir diese: Mons. van Blac, in meinem itzigen Zustande, da ich mich noch vor eine Verehligte halten muss, wäre es eine grosse Leichtfertigkeit von mir, wenn ich mich mit euch oder jemand anders in verbotene Vertraulichkeit oder zum voraus in ein geheimes LiebesVerständniss einlassen wolte; seid demnach damit zufrieden, wenn ich euch so viel verspreche, dass, woferne ich von meinem ungetreuen Ehe-mann nicht wieder angenommen werden, und nach erlangter Freiheit auf die gedanken geraten sollte, zur andern Ehe zu schreiten, ich euch, wegen eurer genug geprüfeten Redlichkeit, allein, oder keine Manns-person auf dieser Welt, an meine Seite will kommen lassen.
Mit dieser gütigen Resolution war ich vor dieses mahl vollkommen vergnügt, küssete ihre Hand, und auf vielfältiges vorstellen, dass das Küssen, so wie wir es verrichteten, zu keiner gar zu grossen Sünde zu machen sei, bekam ich auch dann und wann erlaubnis, ihren Mund zu küssen, mittlerweile aber, da wir noch von diesen und jenem sprachen, verstrich die Nacht über Vermuten, und der helle Tag begunte anzubrechen, weswegen ich sie nötigte, noch einige Stunden zu ruhen, welches ich auf meinem Bette gleichfalls tun, und hernach alles, was sonst nötig wäre, besorgen wolte. Sie hielt es selbst vor ratsam, deswegen, wünschte ich ihr wohl zu ruhen, und legte mich auf mein Bette.
Allein, (war hier Mons. van Blacs Zwischen-Rede) da ich eben der Ruhe erwähne, so mercke wohl, dass es voritzo, sonderlich vor den wertesten Alt-Vater, nicht dienlich sein möchte, derselben länger zu entbähren, zumahlen da es unfehlbar schon über Mitternacht sein wird, deswegen will den Rest meiner geschichte morgenden Abend, wo es gefällig, vollends erzählen.
Wir jungen Leute hätten zwar gern biss zu Anbruch des Tages zugehöret, denn van Blac wuste seine Sachen alle ganz fein vorzubringen, allein, um des AltVaters Willen, machten wir Schicht, brachten den folgenden Tag mit Besorgung alles dessen hin, was sorge und Aufsicht erforderte; Abends aber freueten wir uns recht, anzuhören den
Beschluss von Mons. van Blac Avantüren.
Es wird ihnen, meine Herrn, (fing er an) vielleicht noch im frischen Gedächtnisse sein, wo ich gestern Abend geschlossen, deswegen will nur gleich fortfahren, und sagen, dass meine halb- und halbe Liebste, die Madame van Bredal, Mittags ziemlich besser war, denn den ganzen Vormittag hatte ich sie unter der Aufsicht unserer Wirtin und der Magd gelassen, selbsten aber, nebst unsern eigenen Geschäfften auch mir vor den krancken Rackhuysen gesorgt. Derselbe liess sich aber noch vor Abends in ein ander Quartier bringen, und ich habe ihn seit dem in Lissabon nicht wieder gesehen. Dostart liess sich etliche mahl bei uns melden, bekam auch erlaubnis, zu uns zukommen, da ich aber auf expressen Befehl meiner Landsmännin nicht von der Stelle gehen, sondern stets dabei bleiben muste, brachte er in seinen Gesprächen nichts besonders vor, und endlich war uns das allerfreundlichste, da unser schiffes-Patron ansagen liess, dass, wo wir mit nach Holland wolten, wir uns eiligst am Boord einfinden sollten, indem er sich expedirt und bei itzigem guten Winde und Wetter keine längere Zeit versäumen wolte.
Wir machten uns demnach gleich fertig, hatten eine sehr angenehme Fahrt, und erreichten die Holländischen Küsten, ehe als wir es vermeinet hätten, der schiffes-Patron war so gefällig, uns in Harlingen auszusetzen, weil die Madame van Bredal von dannen nur noch einen kurtzen Weg nach Leuwarden hatte; anfänglich waren wir eins worden, dass ich sie biss in diese ihre Geburts-Stadt begleiten sollte, nachher aber, da wir dieses besser überlegt, wurden wir schlüssig, dass sie allein mit einer Extra-Post dahin, ich aber zu Schiffe nach meiner Vaters-Stadt Antwerpen abgehen wolte. Wir blieben also nur 2. Tage in Harlingen, um von der Reise ein wenig auszuruhen, nahmen nachher beweglichen Abschied von einander, wobei sie mir versprach, dass, so bald sie würde vermeinen, dass ich in Antwerpen könnte angekommen sein, mir von ihrem Zustande Nachricht zu geben, auch beschenckte sie mich noch mit 1000. dukaten und verschiedenen kostbaren Kleinodien, welches letztere aber anzunehmen ich mich aufs alleräuserste weigerte, allein, sie liess nicht nach, mir solches aufzuzwingen, und sagte dabei: Nehmet mir zu Gefallen nur jetzt dieses wenige zum Reise-Gelde, es komme hinführo mit mir wie es will, so werde ich euch doch bedencken; Mir aber war ganz anders zu Mute, und an ihrer person mehr gelegen als an Gelde und Gute