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mit vielen Zusätzen, welche nun wohl wahr, oder erdichtet sein konnten. Endlich machte er auch seinen Schluss auf die Art, wie Dostart, und schlug vor, dass, wenn die Madame van Bredal sich obligiren wolte, ihn, der sie von Jugend auf Hertz-inniglich geliebt, zu heiraten, so wäre er im stand, nicht allein die Ehe-Scheidung mit ihrem ohnedem schon verheirateten mann, sondern auch ihr vollkommenes Glück auf dieser Welt zu befördern, indem er nicht allein in Ost-Indien ein grosses Gut erworben hätte, sondern ihm auch Zeit seiner Abwesenheit eine Erbschafft von 12. biss 16000. Tlr. zugefallen wäre, als welches letztere er nur erstlich jetzt allhier in Lissabon erfahren.

Die van Bredal gab ihm noch eine weit kaltsinnigere Antwort als dem alten Dostart, weswegen er mit allerhand hochtrabenden, teils auch niederträchtigen verliebten Worten und Narrens-Possen aufgezogen kam, welche ich dergestalt belachte, dass mich fast selbst darüber vergass, endlich aber mir die 2 Susannen Brüder in meinen gedanken vorstellete deren Personen voritzo allhier Dostart und Rackhuysen accurat præsentirten.

Indem ich aber in diesen gedanken verwickelt war, entstund ein kleiner Tumult, weswegen ich durch den Ritz guckte, und wahrnahm, dass Mons. Rakkhuysen die Dame par forçe küssen wolte, sie wehrete sich nach ihren äusersten Vermögen, allein, er ward ihrer mächtig, und warff sie auf einen im Winckel stehenden Schlaf-Stuhl, kehrete sich daran nicht, dass sie ihn mit den Nägeln ins Gesicht und ziemlich blutrünstig gekratzt hatte, sondern wolte über das Küssen noch etwas mehreres versuchen, indem er ihr den Mund mit seinem Schnupff-Tuche zuhielte, und die tröstlichen Worte dazu gebrauchte: Stille, Madame, was die Barbarn von ihnen genossen haben, können sie ja auch wohl einem Christen gönnen. nunmehr merckte ich erst, dass das arme Ding nicht um Hülffe schreien konte, weil ihr der Mund zugehalten wurde, und dass sie in Ausbleibung meiner Hülffe fast verzweifeln und ohnmächtig werden wolte, (denn ich konte durch den Ritz zwar etwas, doch nicht alles absehen,) deswegen sprang ich plötzlich aus dem Cabinet heraus, ergriff meinen an der Seite stehenden Degen, und hatte dem lustigen Bruder damit schon 2. Streiche über den rücken gegeben, als er noch immer im Begriff war, der Dame den Rock aufzuheben, da er aber den dritten und etwas stärckern Hieb in die eine Waade (denn auf den entblösten Kopff durffte ich nicht hacken, weil ich sonsten die Dame selbst mit verwundet hätte,) empfing, liess er von der hitzigen Arbeit ab, drehete sich herum, und langete nach seinem auf dem stuhl liegenden Degen, jedoch, ehe er selbigen erreichen konte, bekam er noch 2. Hiebe über den Kopff, und wurde von mir mit der blossen Hand zu Boden gestossen, da ich ihm denn die Klinge auf die Brust setzte, und fragte: ob er etwa in dieser Welt noch etwas zu erinnern hätte? Nichts! war seine Antwort, als dass ich um Gnade bitte, und meinen Fehltritt mit baaren Gelde zu bezahlen verspreche.

Die van Bredal hatte sich inzwischen wieder erholt, und diese Worte verstanden, weswegen sie hurtig vom stuhl aufsprang, und schrye: Verflucht ist dein Geld, du verfluchter Ehrenschänder, denn das ist nun das andere mahl, dass du mich listiger und gewaltsamer Weise um meine Ehre zu bringen gesucht, aber es wird doch auch allhier in der Fremde noch Recht und Gerechtigkeit zu finden sein. Hiermit wolte sie die Wirtin ruffen, und nach der Wache schicken, allein, ich nahm beide Degen in meine Hand, hielt die erzürnte Frau zurücke, und bat, dass sie sich nur besänfftigen möchte, indem dergleichen Sachen (wie ich ihr heimlich ins Ohr sagte,) nur Weitläufftigkeiten verursachten, wir aber schlechte Ehre davon hätten. Sie ging deswegen zurück, und schloss sich in ihr Cabinet; Rackhuysen vergoss so viel Blut, dass es schon fast biss an die Tür gelauffen war, konte sich auch vor Mattigkeit nicht aufrichten, weswegen ich ihm aufhalff, und in den Schlaff-Stuhl setzte, wo er kurz vorher seine Lust zu büssen gedacht hatte. Der Magd hatte ich sogleich befohlen, nach einem Chirurgo zu gehen, welcher, indem er da war, ihm das Blut stillete, die Wunden verband, und mir berichtete, dass dieselben eben so gefährlich nicht wären, sondern in 3. biss 4 Wochen geheilet werden könnten. Ich liess ihn in unserm Gast hof auf eine besondere stube bringen, bat den Chirurgum, bei ihm zu bleiben, weil ihm seine Mühe wohl bezahlt werden sollte, bestellete auch sonsten noch jemand zu seiner Aufwartung, und ging hernach etwas im Garten spatzieren herum. etwa eine Stunde hernach schickte Rakkhuysen, und liess mich bitten, zu ihm zu kommen; deswegen nahm kein Bedencken, solches zu tun. Er lag im Bette, sah sehr blass aus, reichte mir aber doch die Hand, und sagte: Monsieur, ihr habt mich heute so gezeichnet, dass ich mein Lebetage daran dencken kan, aber ich werde dergleichen Torheiten Zeit Lebens nicht wieder begehen, würde auch heute nicht darein verfallen sein, wenn ich nicht ein Glass Wein zu viel im Kopffe gehabt hätte, vergebet mir meinen Fehler, denn ich will mich davor erkäntlich erzeigen, und bittet eure Liebste, dass sie mir denselben nur auch vergeben möge, denn ich will gern Zeit-Lebens nicht wieder vor ihre Augen kommen, ungeachtet ich