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ungeachtet ich sie, vor der Zeit, und sonderlich, so lange sie meine EheFrau gewesen, hertzlich geliebt habe.

Wie dieses, Madame! eure Eltern wieder erfuhren, zohen sie es sich dergestalt zu Gemüte, dass sie Bettlägerig wurden, und binnen 4. Wochen alle beide sturben. Inzwischen ist euch doch euer Erbteil bis auf eine gewisse Zeit ausgesetzt, und ein Curator darüber bestellet worden, welches ihr, so bald als ihr kommet, werdet heben können, inzwischen halte das vor euer gröstes Glück, dass ihr mit dem van Steen, welcher euerer person niemals würdig gewesen, keine Kinder gezeugt habt.

Hiermit beschloss Dostart seine Erzählung, und fragte nur noch dieses: Was meinet ihr nun, Madame, bei diesen Geschichten, und wie wollet ihr die Sachen mit eurem ungetreuen mann anstellen? Die van Bredal hatte die meiste Zeit unter seinem Erzählen geweinet, konte deswegen auch jetzt vor Tränen noch nicht gleich antwortten, doch endlich sagte sie: Was will ich anders machen, als meine Sache dem Himmel befehlen, ich will den van Steen ganz nicht in seinem Vergnügen stöhren, wenn er nur mir mein weniges eingebrachtes Gut wieder zurück gibt, will er solches auch nicht tun, so ist es mein geringster Kummer, denn es wird sich schon so viel finden, dass ich nachher an einem andern guten Orte, als eine einsame Wittbe, reputirlich biss an mein Ende leben kan. Nein, Madame! versetzte Dostart hierauf, das sind nicht die rechten Wege, sondern van Steen muss erstlich besser vexirt werden, das ist wohl gewiss, dass er sich von seiner Helena nicht trennen und euch wieder annehmen wird, allein, was wäre euch auch mit einem solchen ungetreuen und lasterhafften Menschen gedienet, der seine Extra Gänge niemals unterlassen kan, und bei welchen ihr eures Lebens so wenig sicher sein, als Vergnügen mit ihm haben würdet. Darum ist meine Meinung, dass die Sachen so gespielet werden, dass ihr ordentlich von ihm geschieden werdet, und dabei ebenfalls die Freiheit erlanget, zu heiraten, wem ihr wollet. Hiernächst wird er euch nicht allein euer eingebrachtes Gut wieder zurück geben, sondern annoch mit einem Stücke Gelde heraus rücken müssen, denn er allein ist ja Schuld, dass ihr in die Sclaverei geraten; warum hat er euch nicht zu haus in Sicherheit gelassen. Ich wolte tausend Taler darauf verwetten, die Sache binnen wenig Monaten auf solchen Fuss zu setzen, bin auch bereit, alle Kosten, so auf diesen Process lauffen möchten, herzuschiessen, und nichts wieder zurück zu verlangen, daferne er Fehl schlagen sollte, jedoch müste vorher wissen, ob, wenn ihr erstlich von dem van Steen geschieden, ich hernach euer Hertz erlangen, und euch in mein EheBette zu führen, das Glück haben sollte, welches Glück ihr mir vor einigen Jahren nicht gegönnet, binnen der Zeit aber wohl 1000. mahl vergnügter gelebt hättet. Jedoch wer weiss, ob nicht der Himmel dieses alles darum geschehen lassen, dass wir dennoch ein paar Ehe-Leute werden, und vergnügt mir einander leben sollen, denn ich kan euch versichern, Madame! dass mich das Glück, Zeit eures Abwesens, wenigstens um 10000. Tlr. reicher gemacht hat, mein voriger Zustand aber ist euch von Jugend auf bekandt gewesen. Die van Bredal wurde über diesen Antrag ungemein bestürtzt, ich aber hätte im Cabinet vor Gifft und Galle bersten mögen, wolte mich aber doch nicht regen, sondern hörete, dass die van Bredal also antwortete: Mein Herr! ich bin ihnen sehr verbunden vor die gute Zuneigung, indem ich von Jugend auf vermerckt, dass sie ein guter Freund von meinem Vater gewesen sind. Können sie nun etwas zu meinem Vorteil stifften, wird es mir höchst angenehm sein, jedoch in Kosten will ich sie nicht setzen, sondern, wo es ja zum Processe, zwischen mir und meinem gewesenen mann, kommen sollte, alles selbst herschiessen, auch vor ihre Mühe besonders erkäntlich sein; allein, ob ich mich, wenn ich auch gleich nach der Scheidung, die erlaubnis erhalten, mich zum andern mahle zu verheiraten, hierzu resolviren könnte, solches glaube ich schwerlich, sondern halte davor, dass ich nicht besser tun werde, als an einem frembden Orte mein Leben in stiller Ruhe zuzubringen,

Das wäre ewig Schade, versetzte Dostart hierauf, wenn ihr, dem ungetreuen Steen zu Gefallen, eure besten Jahre solchergestalt zubringen woltet, vielmehr tut ihr besser, wenn ihr durch eine anderweite profitable Heirat, ihm einen Wurm in das Hertz setzet, denn es ist gar nicht zu zweiffeln, dass er in wenig Jahren empfinden wird, was er sich vor eine Ehe-Gattin ausgesucht, und was er in eurer person von sich gestossen und verlohren. Mein Herr! sagte hierauf die van Bredal, hiervon wird sich nachher ein mehreres sprechen lassen, wenn ich erstlich in meiner VaterStadt angelangt bin, voritzo bedaure nichts mehr, als dass mich nicht im stand befinde, euch zu einer guten Mittags-Mahlzeit einzuladen, denn weil ich, die ganze Nacht über, sehr schwach gewesen bin, mein Reise-Gefährte aber in seinen Affairen ausgegangen, und anderswo speisen wird, habe nichts als ein wenig Suppe vor mich bestellen lassen, will mir aber die Ehre auf ein ander mahl ausgebeten haben.

Ich, sagte hier Mons. van Blac, war erfreuet, diese Worte zu hören; Dostart hätte zwar wohl mit ganz geringen Tractamenten vorlieb genommen, wenn nicht die van Bredal,