legte sich in ihr Cabinet, ich aber mich hinter die Spanische Wand schlaffen.
Folgendes Morgens kam Dostart zu bestimmter Zeit, der Caffée stunde schon parat, ich aber hielt mich in ihrem Cabinet versteckt und verborgen auf. Er begegnete ihr ungemein höflich und freundlich, worauf sie gar bald mit einander ins Gespräch gerieten, da sie ihm denn alle ihre begebenheiten, seit der Abreise von Holland, wie sie in die Sclaverei geraten, wie es ihr darinnen ergangen, und endlich, auf was vor Art sie aus derselben befreiet worden, auch wie sie nicht nur so glücklich gewesen, ein ziemliches Vermögen, sondern, welches das Haupt-Stück, ihre Ehre unverletzt wieder mit zurück zu bringen. Hierbei vergass sie denn auch nicht, ihm meine ganze Geschicht und die ihr geleisteten Dienste bei der Befreiung zu melden. Dostart, welchem ich durch einen Ritz in die Augen sehen konte, war hierüber sehr Verwunderungsvoll, stattete bei der van Bredal nochmahls seine Gratulation ab, fing aber hernach also zu reden an: Madame, es ist an dem, dass sie in ihren besten Jahren die bösesten Fata gehabt, ihre Schönheit und Tugend hätte freilich ein besseres Schicksal verdienet, aber dem Himmel sei gedanckt, dass nur das schlimmste vorbei ist, aus dem übrigen wolte ich ihnen wohl raten, sich keinen besonderen Kummer zuziehen, denn – – – –
Wie er nun solchergestalt in seinen Reden auf einmal inne hielt, sagte die van Bredal: Nun so sagen sie mir doch, mein Herr Dostart, was ich ungefähr, wenn ich in mein Vaterland komme, vor mir finden werde. Madame, gab er zur Antwort, ich will ihnen aufrichtig sagen, was so wohl Freunde als Feinde von ihrer und ihres Mannes Geschichten judiciren. Es ist gleich Anfangs jedermann bekannt gewesen, dass ihr Mann, der van Steen, von Jugend auf mit der Helena ein geheimes liebes-Verständniss, und zwar dergestalt gehabt, dass beiden ohnmöglich gewesen, von einander zu lassen, ungeachtet sich beide nachher mit andern Personen verheiraten mussten.
Dem van Steen hielt es die ganze Welt vor übel, dass er, ungeachtet er an euch eine weit schönere, tugendhafftere und Liebens-würdigere Frau bekommen, als die Helena war, er dennoch diese weit höher als euch schätzte. Von seinen Ausschweiffungen und gefährlichen Unternehmungen werdet ihr zwar wohl vieles, aber doch wohl nicht so viel, als ich, wissen. Allein, davon will ich voritzo nichts mehr gedencken, sondern nur so viel sagen, dass die allermeisten Leute, so um den ganzen Handel gewust, glauben, er habe euch, als seine Frau, auf Anstifften der Helenæ, gutwillig unter die Barbarn verkaufft, und sich nur pro forma mit gefangen nehmen lassen, weil zu seiner baldigen Wieder-Erlösung schon vorher gute Anstalten gemacht gewesen. Ihr waret mit eurem mann kaum etliche monat hinweg, als euer Unglück in Leuwarden schon Stadt-kundig wurde, eures Mannes Compagnon reisete also nach, um so wohl ihn als euch loss zu kauffen, und dieser war kaum wenig Wochen hinweg, als der Helenæ Mann, da er eines Tages sehr früh eine Reise angetreten, unterwegs vom Pferde gefallen, und gleich auf der Stelle tot geblieben war. Es wurde zwar ausgestreuet, als ob ihn ein plötzlicher und hefftiger Schlag-Fluss gerühret hätte, allein, die Klügsten glaubten, und zwar nicht ohne Grund, dass ihm Helena selbst ein subtiles Gifft beigebracht, indem er seit der Zeit, da er nicht nur euren Mann, sondern auch noch andere zu verdächtigen zeiten bei ihr angetroffen, sehr unvergnügt mit ihr gelebt hatte.
Dem sei nun wie ihm sei, weil der Helena nichts besonderes zu erweisen stunde, so wurde auch keine Untersuchung angestellet, sie war dem Scheine nach sehr betrübt über diesen Unglücks-Fall, liess sich aber bald durch solche Tröster trösten, die nur ihren Zuspruch des Nachts bei ihr taten. Kaum war ihr Trauer-Jahr verflossen, als euer Mann, aus der Gefangenschafft erlöset, wieder zurück kam, und selbst public machte, dass ihr unter die Zahl der Kebs-Weiber des Kaysers von Marocco wäret versetzt worden, weswegen er nun zwar sehr kläglich tat, doch nachher desshalber viele Zeugen abhören liess, welche alle einhellig aussagten, dass an eure Rantzion nicht zu gedencken wäre, und wenn man auch etliche Millionen daran wenden wolte, und solchergestalt bekam der van Steen, euer Mann, bald die erlaubnis, sich wiederum anderwerts zu verheiraten. Man hatte noch nicht eben erfahren, dass er nach seiner Zurückkunfft bei der Helena aus- oder eingegangen wäre, als es plötzlich ruchtbar wurde, dass er mit derselben Verlöbniss gehalten, sich auch, ohne viel Zeit zu verlieren, in aller Stille mit derselben trauen liess.
kurz zu sagen, van Steen lebte vergnügt mit seiner neuen Ehe-Gattin, und da er einsmahls in einer Compagnie, wo ich auch eben gegenwärtig, gefragt wurde: Was er denn aber machen wolte, wenn nun seine erste Frau ein Mittel fände, denen Barbarn zu entwischen und wieder zu ihm käme? gab er zur Antwort: Ich will ihr ihre Befreiung hertzlich gern gönnen, wolte auch mit einem guten Stück Gelde dazu behülfflich sein, wenn dieselbe auszuwürcken stünde, allein, in mein Ehe-Bette soll sie nicht wieder kommen, und wenn sie ein ganzes Orlogs-Schiff mit Golde, Perlen und Edelgesteinen mitbrächte, denn wer wolte mir zumuten: eine von den Barbarn geschändete person wieder anzunehmen,