Kayser zu überbringen; deswegen kleidete ich mich hurtig an, liess den Officier herein kommen, welcher mir den Morgen-Gruss vom Kayser überbrachte, anbei vermeldete, dass der Kayser sehr wohl mit mir zufrieden wäre, und mir nicht nur zur Erfrischung allerhand Delicatessen, sondern auch noch ein besonderes Kästlein schickte. Dieses letztere lieferte er mir selbst in meine hände, ich aber gab ihm benebst einem Geschencke von 50. Zechinen seine Abfertigung. Um die Victualien bekümmerte ich mich wenig, weiln ohnedem alles bekam, was ich nur foderte, da aber das versiegelte Kästlein eröffnete, fand ich abermals nebst 3000. Zechinen, ein kostbares Halss- und Arm-Geschmeide, wie auch einen Finger-Ring darinnen, welcher wegen der darein versetzten Diamanten wenigsten 1000. Zechinen wert ist.
Bei meinem damahligen grossen Unglück konte ich mich dennoch des Lachens nicht erwehren, dass eine andere die schändliche Arbeit verrichtet, ich aber den starcken Profit davon gezogen hätte. La Galere erfuhr von diesem allen nichts, weil sie viel zu lange geschlaffen hatte, jedennoch, weil ich glaubte, dass es vielleicht die Not erfordern möchte, sie noch öffters solchergestalt in meinem Nahmen zu verschicken, machte ich ihr, da sie wieder zu mir kam, noch ein starckes Present an Gelde, Galanterie-Waaren und andern Delicatessen, über dieses nahm ich sie zu meiner vertrautesten Freundin an, und wir sassen beständig beisammen, indem ich zur selben Zeit noch mit niemand Holländisch, mit dieser aber Französisch sprechen konte.
Ich müste mehr als 24. Stunden Zeit haben, wenn ich meine geschichte mit allen behörigen Umständen erzählen sollte, deswegen will nur so viel sagen, dass die la Galere meine person und die ganze Tragœdie dergestalt wohl gespielet hat, dass weder der Kayser, noch die Verschnittenen, nicht das geringste davon gemerckt, und obschon ich den grössten Gewinst davon hatte, so liess ich sie doch nicht leer ausgehen, sondern gab ihr, was billig war, habe auch niemals vermerckt, dass sie übel mit mir zufrieden gewesen wäre.
Ein eintziges mahl, da der Kayser einige von seinen Kebs-Weibern in den Garten beruffen liess, bekam er einen plötzlichen Appetit, mich in ein geheimes Cabinet zu führen, jedoch da ich ihm mit einer ernstafften Mine versicherte, dass ich es verschworen hätte, und mich eher umbringen lassen wolte, als bei hellen lichten Tage dergleichen zu tun, küsste er mich auf den Mund, und gab sich zufrieden. Dieses ist auch der erste und letzte Kuss gewesen, den ich von ihm empfangen, und gezwungener Weise habe leiden müssen, folgende Nacht aber muste meine la Galere wieder fort, und er mochte viel wissen, was er hatte, denn man sagte mir, dass er allezeit sehr betruncken zu Bette ginge.
Mittlerweile hatte ich zwar erfahren, dass man einen jungen Holländer dem Kayser zum Sclaven und Pagen vorgestellet, ich konte aber nicht so glücklich werden, euch, mein werter Herr van Blac, zu gesicht zu bekommen, biss ich, eben zu der Zeit, da ihr eure grossmütige Rede vor dem Kayser ablegtet, nebst noch 5. andern der vornehmsten Kebs-Weiber des Kaysers, die wir zusammen in das Neben-Zimmer beruffen worden, euch nicht allein zu hören, sondern auch das erste mahl zu sehen das Glück hatte.
So bald der Kayser mit dem Kisler-Aga und andern Ministern in das Neben-Zimmer eintrat, fragte er, was uns bedeuchte bei diesem verwegenen Christen? Indem nun ich vermerckte, dass er diesen Tag wenig oder gar keine Galle im Magen hatte, wagte ich es plötzlich, fiel ihm zu fuss, und sagte: Grossmächtigster Kayser! ich bitte um Gnade vor diesen elenden Fremdling, in Betrachtung dessen, dass er eine Europäische Standes-person und mein Lands-Mann ist. Die andern 5. Kebs-Weiber fielen ebenfalls neben mir nieder, und stimmeten meinen Bitten bei, ob sie schon keine Holländerinnen, aber doch auch aus Europa gebürtig waren.
Der Himmel mochte das Hertz dieses sonst ungemein grausam gewesenen Tyrannen voritzo besonders dahin lencken, dass er mir zum Zeichen der Erhörung meiner Bitte, seinen in Händen habenden Stab aufs Haupt legte, die Hand reichte, mitin aufzustehen nötigte. Nach diesen wurde zwar noch eine probe eurer Beständigkeit gemacht, welche ich mit zitterenden herzen ansahe, denn mir war immer bange, ihr würdet euch durch das Schrecken vor dem tod, auf andere gedanken bringen lassen, allein, meine Freude war hernach desto grösser, da ich verspürete, und augenscheinlich sah, dass ihr in eurer Resolution unbeweglich waret. Da nun mein Hertze im voraus andeutete, dass ihr unfehlbar, das, mir vom Himmel zugeschickte Rüst- und Werck-Zeug, sein würdet, meine person, Ehre und Leben zu erretten, und mich aus diesem verfluchten land hinweg zu führen, machte ich mir den Kummer eben nicht gar zu gross, da ich nur erstlich erfuhr, in was vor ein gefängnis man euch brachte, indem ich die stärckste Hoffnung hatte, euch mit nächsten daraus zu erlösen.
Ihr wisset, (sagte hier die Madame van Bredal,) die Anstalten, die ich hierzu gemacht, aus unsern vorigen Gesprächen vielleicht schon zur Gnüge, deswegen will, weil es ohnedem sehr spät ist, vor dieses mahl den Schluss meiner Erzählung machen, jedoch werdet ihr Morgen, wenn Dostart kommt, vielleicht schon ein mehreres von meinem Verhängnisse zu vernehmen kriegen, hiermit nahm sie gute Nacht von mir,