unsern gespräche kam ein Officier von den Verschnittenen, überbrachte mir ein sauberes Kästlein, nebst der Ordre, dass ich mich diese Nacht gefast halten sollte, zu dem Kayser abgeholet zu werden. Ich wuste vor Erschrecken keine Antwort zu geben, der Verschnittene aber mochte glauben, dass ich wegen der besonderen Ehre und Gnade dergestalt bestürtzt wäre, ging also ohngesäumt seiner Wege. Habe ich es nicht gesagt, sprach die Französin, dass es seine Richtigkeit hätte, und also komen würde? Ihr seid glücklicher als ich, denn ich habe viel länger auf diese Gnade warten müssen. Verflucht ist diese Gnade, war meine Antwort, und ehe ich mich dazu bequeme, soll, noch ehe man mich aus diesen Zimmer bringt, ein Messer in meinem herzen stecken. O! schrye die Französin, wer wolte so wunderlich sein in der Welt, es erfordert der Menschen Schuldigkeit, sich in ihr Verhängniss schicken zu lernen. Was sich nicht will ändern lassen, muss man mit Gedult umfassen. einmal vor allemahl haben wir, so lange dieser alte Kayser lebt, keine Erlösung zu hoffen, denn er ist viel zu eigensinnig, dass er eine von seinen Kebs-Weibern in Freiheit stellte, und warum sollte ich nicht mich überwinden können, binnen 6. 8. oder wohl mehr Monaten, einmal bei einem solchen alten mann zu liegen, welcher nicht einmal mehr tun kan, was er gerne will.
Ich hörete aus diesen und noch mehr andern Worten, welche ich mich zu sagen schäme, nur allzuwohl, wess Geistes Kind diese Französische Dame, und dass sie gar keine Kost-Verächterin wäre, es möchte gleich Christe, Heide, Jude oder Türcke über sie kommen, denn sie hatte den guten Glauben, dass alle solche Leute ebenfalls Menschen wären wie wir.
Inzwischen überredete sie mich, mein überschickt bekommenes Kästlein zu eröffnen, worin sich denn 3000. Stück Zechinen nebst verschiedenen Kleinodien und allerhand Geschmeide befanden, welches alles ihr denn mehr als mir in die Augen leuchtete, so, dass sie sagte: Madame! ich nähme nur 100. Zechinen, und schlieffe diese Nacht vor euch bei dem Kayser. Mir kam gleich ein glücklicher Einfall in den Kopff, deswegen sagte ich: Madame, nicht hundert, sondern tausend will ich euch zahlen, woferne ihr mich durch eine kluge List von meinem tod wenigstens noch auf einige Zeit befreien wollet; denn, wie schon gesagt, lebendiger und gutwilliger Weise lasse ich mich nimmermehr an eines Unchristen Seite legen, sondern will mich viel lieber entaupten lassen, so wie er es bereits vielen andern vor mir gemacht hat.
Ich höre, sehe und spüre wohl, sagte die Französin, dass ihr so eigensinnig als schöne seid, ich hätte mich vor 6. Jahren auch nicht dazu verstanden, wenn mir mein Leben nicht allzu lieb gewesen wäre, allein, da ich es ein und etliche mahl gezwungener Weise habe tun müssen, so ist nunmehr nichts weiter daraus zu machen, und da ich zumahlen seit länger als einem Jahre her von dem Kayser fast gänzlich zurück gesetzt worden bin, will ich euch zum Vergnügen, ihm aber zum Possen einmal einen lustigen Streich spielen, und diese Nacht, statt eurer mit verhülleten haupt, wie gewöhnlich ist, zu ihm gehen, denn die Mahometaner pflegen des Nachts das Werck der Liebe nicht bei brennendem Lichte zu verrichten. Es gehet auch die Sache darum vortrefflich wohl an, weil wir beide, durch unsere Cammer-Türen alle augenblicke zusammen kommen, und uns solchergestalt in den Personen leicht verwechseln können. Ich wuste vor innerlichen Freuden nicht, was ich auf diesen Antrag sagen sollte, sondern ging nur hin, zahlete ihr 1000. Zechinen, und versprach noch ein mehreres zu tun, wenn sie meine Stelle vertreten und alles wohl ausrichten würde. Sie nahm zwar den Beutel mit dem Golde an, bat mich aber, denselben so lange in meiner Verwahrung zu behalten, biss sie mit anbrechendem Tage glücklich wieder zurück käme, im übrigen würde es Zeit sein, dass wir in eine Cammer gingen, und die Kleider mit einander verwechselten, denn die Verschnittenen würden bald kommen, und mich abholen wollen. Es geschahe auch! denn wir waren kaum fertig, als sich diese Unholden vor der Tür meldeten, an statt meiner aber die Französin, welche sich la Galere nennete, zum Kayser führeten.
In meine Augen kam diese ganze Nacht kein Schlaf, denn ich meinete immer, der Betrug würde offenbar werden, allein, so bald als der Tag anbrechen wolte, kam la Galere wieder zurück, und erzählete mit grössten Freuden, dass der Betrug glücklich abgelauffen, und der Kayser sehr vergnügt gewesen wäre; die übrigen Umstände, welche ich mich selbst von ihr anzuhören schämete, will ich vor euren züchtigen Ohren verschweigen.
Sie, la Galere, hatte schon vorigen Abend eine ziemliche Quantität von dem schönsten Griechischen Weine (der mir zum Present geschickt worden) zu sich genommen, bat sich deswegen nach wohl ausgerichteter Sache noch ein eintzig Glässgen aus, tranck aber eine ganze Bouteille. Ich gönnte ihr so wohl dieses als andere lieber, als mir selbst, da ich aber merckte, dass sie den Schwindel bekam, brachte ich sie selbst zu Bette, und legte mich auch zur Ruhe. Mein Schlaff währete fast bis gegen Mittag, da mir denn meine zugegebene Mohren-Sclavin berichtete, dass ein Officier nebst 2. Verschnittenen bereits über 2. Stunden vor der Tür gewartet hätten, um mir ein Geschenck von dem