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ein Frauenzimmer grosses Recht hat, schlugen sich zu vielen mahlen beiderseits Eltern darzwischen, und versöhneten uns wieder mit einander, damit die Sache nicht zu Weitläufftigkeiten und übler Nachrede ausschlagen möchte.

Mir war nichts weniger in die gedanken gekommen, als dass die Helena die eintzige ursache in meinem Unglück wäre, allein, nach gerade kam ich darhinter, dass er diese Bestie, welche ihm vielleicht einen liebes-Trunck gegeben haben mochte, annoch bei allen Gelegenheiten aufs zärtlichste caressirte, und so offt es sich schickte, Nacht-Visiten bei derselben abstattete, so lange biss ihn endlich ihr Mann bei derselben ertappet, und ehe es Tag wurde, sehr zerschlagen und verwundet nach haus bringen liess.

Mein Mann machte mir weiss: Dass er unter eine Compagnie falscher Spieler geraten, und von ihnen so übel zugerichtet worden wäre; welches ich denn anfänglich glaubete, allein, die wahrhaffte Historie wurde bald Stadt-kundig, welches sich denn seine und meine Eltern, sonderlich aber ich, uns sehr zu Gemüte zogen, jedoch ich liess mich nicht gegen ihn mercken, das ich dieses vor eine gerechte Straffe erkennete, sondern begegnete ihm mit aller Freundlichkeit, in Hoffnung, dass er sich von nun an bessern würde, welches er denn auch allem Ansehen nach tat, und eine lange Zeit gar nicht aus dem haus ging. Da ihm aber nach und nach der Appetit zur lustigen Compagnie und andere Ausschweiffungen wieder ankam, ging er wieder Tag vor Tag aus, kam aber mehrenteils sehr missvergnügt nach haus, indem er wegen gemeldter Historie fast in allen Compagnien aufgezogen und geschraubt worden, deswegen mochte er mehrenteils dieserwegen auf die Desperation geraten, mit einem andern Kauffmanne in Compagnie und selbsten die Reise nach Ost-Indien anzutreten, in Hoffnung, dass währender Zeit seines Abseins, seine Geschichten würden vergessen und den Leuten neuere Mähren in den Mund gelegt werden.

So wohl seine als meine Eltern waren mit dieser Resolution hertzlich zufrieden, und ungeachtet ich die letzte war, so davon Wissenschafft bekam, gab ich doch nicht allein meinen Willen drein, sondern liess mich auch bereden, mit ihm zu reisen, weiln er vorgab, dass er ohne mich nicht leben könnte. Die HauptUrsache war, ihn von der aus Geilheit und sonsten allerlei Bossheit zusammengesetzten Helena abzubringen, alles vergangene zu vergessen, und nunmehr unser Ehe-Band desto vester und angenehmer zu verknüpffen. Allein, wir hatten, nachdem wir zu Schiffe gegangen, kaum die äuserste Spitze von Europa, nämlich das Capo de S. Vincente aus den Augen verlohren, da wir von einem Saléeischen See-Räuber (ich weiss nicht unter was vor Vorwand, denn die Holländer stunden dazumahl mit dem Kayser von Maracco ganz wohl) attaquiret und zu Sclaven gemacht wurden. Mein Mann stellte sich bei diesem Unglück sehr kläglich, ich aber wurde darüber gar ohnmächtig, und kam nicht eher zu mir selber, biss ich mich tages darauf in der Gesellschafft einiger Mohren-Weiber befand.

Wie mir da zu Mute gewesen, werdet ihr, mein Herr van Blac, selbsten zu beurteilen wissen, allein, ich hatte nicht viel Zeit, meinem Schicksale nachzudencken, indem ich in Gesellschaft einiger MohrenWeiber alsofort nach Mequinez an den Kayserl. Hof geschafft wurde, auch mir gefallen lassen muste, Tag und Nacht zu reisen. Man brachte mich bald darauf zu dem Kayser Mulei Ismaël, welchem der Räuber mit meiner person ein Present gemacht hatte, und welches auch sehr wohl von ihm aufgenommen wurde, denn er hatte, wie mir nachher gesagt worden, so gleich befohlen, mich unter die Zahl seiner Kebs-Weiber zu versetzen. Es wurde mir ein properes Apartement nebst verschiedenen Cabinetten und Cammern angewiesen, die Tractamenten waren königlich, von Aufwärtern aber hatte ich mehr um mich, als ich gebrauchte, und um mich leiden konte.

Der Kayser tat mir in den ersten Tagen (seiner Meinung nach, und wie ich von andern hörete) die besondere Gnade, mich in meinen Apartement, welches ich, so propre es auch war, dennoch vor einen verfluchten Käffig hielt, persönlich zu besuchen, fand mich aber in der grössten Betrübniss, er küssete meine hände und die Stirne mit Gewalt, den Mund aber verührete er nicht, sondern liess nur sein Schnupff-Tuch zurücke, welches er mir über die Schulter legte, und sogleich wieder fort ging. Ich wuste damahls noch nicht, was dieses zu bedeuten hatte, legte selbiges auf den Tisch, und danckte dem Himmel, dass der alte Greiss wieder fort gegangen war; indem bekam ich die Visite von einer andern seiner Kebs-Weiber, welche eine gebohrne Französin war, und sich in der Welt ziemlich herum getummelt haben mochte. Diese gratulirte mir gleich Anfangs zu der Ehre, dass ich diese Nacht zum ersten mahle bei dem Kayser schlaffen sollte. Ich gab zur Antwort, dass ich davon nichts wüste, auch mich nimermehr dazu verstehen würde, wenn es gleich mein Leben kosten sollte. Ach mein Hertz, sagte diese, läugnet nur gegen mich nichts, denn ich weiss es schon, und sehe zu allem Uberflusse, dass des Kaysers Schnupff-Tuch auf eurem Tische liegt, welches die Haupt-Marque ist, dass ihr diese Nacht an seiner Seite liegen müsset. Verflucht wäre diese Marque, versetzte ich, mich bringet niemand dahin, und sollte ich mich ehe in Oele sieden lassen. Ja! war ihre Gegenrede, anfänglich war ich auch der Meinung, allein, nachher bin ich doch überwunden worden. Unter diesem