Kein Satan, antworte er, sondern die Treue und Redlichkeit gegen ihre person und ganze Familie; wo habe ich anders gelegenheit finden können, mit ihnen ohne Verdacht in Geheim zu sprechen, und ihnen mit Wahrheit zu offenbaren: Dass ihr Liebster, mit dem sie übermorgen copulirt werden sollen, der allerlasterhaffteste und lüderlichste Mensch von der Welt ist. Denn er hat nicht nur 4. ganzer Tage und Nacht bei der Helena versteckt gelegen, sondern nachher noch 3. Nacht bei einer Jedermanns- zugebracht, und voritzo weiss ich gewiss, und will meinen Kopff zum Pfande setzen, dass er wiederum bei der Helena im Bette liegt, denn ihr Mann ist verreiset, und sie hat ihn zu sich bestellet.
Ei! sagte ich, lasset ihn liegen wo er will, und retirirt euch aus meiner Cammer. O Himmel! wiederredete er, wie können sie sich so gnädig vor einen unwürdigen und so undanckbar vor einen getreuen Menschen erzeigen? Ich weiss nicht alles, was er mehr vorbrachte, doch bei so viel durch einander her lauffenden Affecten wuste ich nicht, ob ich hörete oder nicht, biss Rackhuysen endlich vermeinete, ich täte solches mit allem Fleisse, und mich nicht nur küssen, sondern sich auch mehrerer Freiheit gebrauchen wolte; Allein, ich fing plötzlich überlaut an zu schreien, weswegen er sich wieder durch das Fenster, da er herein gestiegen war, zurück begeben wolte, allein, er mochte mit seinen Kleidern inwendig an einem Hacken hangen bleiben, weswegen mein Vater, der mit dem Capital-Schlüssel meine Cammer so gleich eröffnete, und nebst meiner Mutter mit dem Lichte hinein trat, ihn annoch antraffen, und nur froh waren, dass er, ohne den Halss zu brechen, auf der angelegten Leiter glücklich herunter kam. Ich erzählete meinen Eltern den Frevel dieses Menschen, so wohl als die ganze Geschicht meines Bräutigams, zeigte den gefundenen Brief, und sagte: Liebster Vater! allem Ansehen nach, hat das Verhängniss beschlossen, mich arme durch das Heiraten unglücklich zu machen. Er lass den Brief mit ziemlicher Bestürtzung, wuste aber gar bald, ein ander Mittel zu erfinden, indem er sagte: Meine Tochter! das ist eine falsche Charte, euer Bräutigam ist unschuldig, aber Rackhuysen ist ein Schelm, und hat unfehlbar die ganze Sache auf die Art eingerichtet, auch diesen falschen Brieff gemacht, denn ich habe vermerckt, dass er sich vorigen Abend immer etwas um den van Steen zu tun gemacht hat, kehret euch an nichts, ich will genaue Kundschafft darauf legen, wo euer Bräutigam diese Nacht zugebracht hat, der frevele Rackhuysen aber soll, so bald der Tag anbricht, zum haus hinaus.
Demnach wurde ich begütiget, und um desto sicherer zu schlaffen, muste sich meiner Mutter AufwarteMägdgen zu mir in die Cammer legen. Früh Morgens vor Tage, hatte sich Rackhuysen mit allen seinen Sachen schon aus dem Staube gemacht, worüber mein Vater sich etwas verdrüsslich stellte, allein, es mochte eben sein harter Ernst nicht sein, mitlerweile machte er mir weiss, er hätte gleich auf der Stunde nach meines Bräutigams Behausung geschickt, und erfahren, dass derselbe unschuldig, auch gerades weges nach haus gegangen, und von unserm Jungen in seinem Bette vest schlaffend angetroffen worden. Ich glaubte meinem Vater zu Gefallen alles, was er mir vorredete, erfuhr aber wenige Zeit hernach besser, dass mein Vater so gleich 3. Schild-Wächter ausgeschickt, welche den van Steen selbiges Morgens früh bei anbrechenden Tage, aus der Helenæ Behausung hatten heraus kommen sehen.
Inzwischen stellte sich van Steen, des, auf diese fatale Nacht folgenden Tages, gleich nach der Mittags-Mahlzeit bei uns ein. Mein Vater empfing ihn sehr freundlich, um keinen Spuck in die Hochzeit, welche Morgen vor sich gehen sollte, zu machen, oder weil er glaubte, dass wenn wir nur erstlich beisammen wären, van Steen seine Extra-Gänge von selbsten unterlassen würde. Mir begegnete van Steen ungemein zärtlich und verliebt, weswegen ich fast selbst auf die gedanken geriet: dass er unschuldig wäre, und ihm also das vermeintlich angetane Unrecht in meinem herzen abbat, auch ihn von nun an recht vollkommen zu lieben anfing, und solchergestalt trat ich folgendes Tages ziemlich ruhig und vergnügt in den EhStands-Orden, wurde auch nachher so wohl von meinen Schwieger-Eltern, als dem Scheine nach, von meinem mann recht hertzlich geliebt, ja die erstern beteureten hoch, dass es ihnen nunmehr tausendmahl angenehmer wäre, mich an statt der Helena zur Schwieger-Tochter zu haben, mein Mann aber begegnete mir im Anfange etliche Monate dergestalt liebreich, dass ich nicht in dem geringsten Stücke über ihn zu klagen hatte, auch war er bei unserer neu angelegten Handelschafft dergestallt fleissig, dass seine, so wohl als meine Eltern nebst mir ein vollkommenes Vergnügen darüber fanden. Allein, ehe noch das erste Jahr verging, legte er sich auf die schlimme Seite, fing an murrisch und verdrüsslich zu werden, bekümmerte sich um die Handlung so wenig als um den Hausshalt, ging fleissig zum Truncke und in die Spiel-Häuser, kam entweder gar nicht, oder doch des Nachts sehr betruncken nach haus, und brach die ursache vom Zaune, Zanck und Streit anzufangen. Ich begegnete seinem wunderlichen Humeur mit aller Höflichkeit, kam aber doch öffters plötzlich mit ihm unvermutet in hefftigen Wort-Streit, so, dass er mich dann und wann im Eifer sehr übel tractirete, weiln aber, wie bekandt, in unserm land