er es mit guter Manier und Beihülffe meiner eigenen Eltern, in kurtzen dahin bringen wolte, dass wir ein paar Ehe-Leute würden. Anderer beigefügten Schweicheleien oder verliebten Torheiten zu geschweigen, will nur dieses berühren, dass er einen starcken Eid-Schwur angehängt habe, wie er nicht gesonnen, mich hinter das Licht zu führen, sondern lauter redliche Absichten hätte, indem er gestern gleich auf das erste mahl, als er mich gesehen, die Helena ganz vergessen, und nach fernerweit eingezogener Kundschafft wegen meiner Aufführung, vollkommen in mich verliebt worden.
Er war, wie schon gemeldet, ein schöner, artiger und wohl conduisirter Mensch von aussen anzusehen, darum fühlete ich von stunde an in meinem herzen viele zärtliche Regungen gegen ihm, so bald er dessen vergewissert war, addressirte er sich an meine Eltern, und da er noch mehr Vermögen als der alte Dostart zu hoffen, sein Vater auch ohnverhofft mit dem alten van Nerding zerfiel, und dieser mein Liebhaber, Emanuel, bei solcher gelegenheit zu verstehen gegeben, dass er nunmehr keine andere als mich zur Ehe haben, wiedrigenfals in die weite Welt gehen, und nimmermehr wieder kommen wolte, wurden seine und meine Eltern mit einander einig, wir mit einander versprochen, und der alte Dostart bekam den Korb, unter dem Vorwande, dass ich ihn so wenig lieben, als mich mein Vater dazu zwingen könnte.
Inmittelst war unser Hochzeit-fest noch auf etliche Wochen hinaus geschoben, mein Bräutigam hatte öffters gelegenheit, etliche Stunden ganz alleine bei mir zu sein, deswegen begunte er immer dreuster zu werden, mutete mir auch solche Dinge zu, von welchen ich zu der Zeit noch ganz und gar keine Wissenschafft hatte. Wenn ich ihm nun dieserwegen eine eintzige scheele Mine machte, kam er zuweilen in 8. Tagen nicht wieder, so lange biss ihm etwa der Rummel vergangen war, hernach stellte er sich aber desto freundlicher, tat jedoch immer neue Ansuchung, ihm seinen lasterhafften Willen zu erfüllen, welches jedoch von mir durchaus nicht zu erlangen war, denn bei so gestalten Sachen kehrete ich mich wenig an sein Kommen und Hinweggehen, hätte auch fast lieber gesehen, er wäre gar nicht wieder gekommen. Mittlerweile nahete unser bestimmter Hochzeit-Tag heran, mein Bräutigam war 8. Tage, seinem Sagen nach, verreiset gewesen, kam aber des zweiten Abends vorher wieder zu haus, und in meines Vaters haus, da eben mein Vater ein paar gute Freunde bei sich hatte, und mit ihnen in der Charte spielete. Nachdem mich nun mein Schatz, vielleicht aus falschen herzen, ein wenig becomplimentiret, liess er sich mit ins Spiel ein, bat sich aber aus, dass ich auch neben ihn sitzen, und seine Cassa führen möchte. Auf Befehl meines Vaters gehorsamete ich, er spielete biss ungefähr halb 12. Uhr mit Lust, hernach zohe er seine Uhr heraus, wurde auf einmal verdrüsslich, und sagte, dass es nunmehr Zeit wäre, nach haus zu gehen, indem er sehr müde von der Reise sei. Ich vermerckte, dass er mit der Uhr ein Billet heraus zog, und selbiges ohne sein Vermercken auf den Boden fallen liess, weswegen ich mein Schnupff-Tuch darauf warff, und beides zugleich aufnahm. Mein Schatz wurde dieses nicht gewahr, sondern eilete hurtig fort, ich aber verfügte mich auch geschwind in meine SchlaffCammer, wickelte das versiegelt gewesene Billet auf, und fand darinnen folgende Worte, welche ich auswendig gelernet, auch nimmermehr vergessen werde:
Mein Allerliebster!
Vier Nächte habt ihr zu meinem grössten Vergnügen bei mir zugebracht, aber wo dann die 3. darauf folgenden? Bei eurer Liebsten nicht, das weiss ich gewiss, und wolte wohl erraten wo sonsten. Allein, mich herrschen lassen, und bitten, dass ihr mir die gefälligkeit erzeiget, und puncto 12. Uhr zu mir kommet, denn die Tür ist offen, und alles wohl bestellet, weil mein Wiedersacher wenigstens in 3. Tagen nicht wieder kommt. Vergnüget nur mich, und das, was ihr mir unter das Hertze verschafft habt, diese Nacht noch einmal zu guter letzte, weil ich doch wohl glaube, dass ihr nachher von eurer Liebste nicht viel werdet abkommen können. Setzet dem Stöhrer unseres Vergnügens noch ein rechtschaffenes Horn auf, ehe ihr selbst in die Sclaverei geratet, welche ich so wohl als mein eigenes Schicksal täglich beweine, denn ihr wisset, dass ich bin einmal wie immer
Eure
Getreue.
Wiewohl ich nun von liebes-Intriquen wenige oder gar keine Wissenschafft hatte, so verursachte mir doch dieses Schreiben ein schmertzhafftes Nachsinnen, da es aber schon ziemlich späte, legte ich mich gleich zu Bette, und war erstlich so glücklich, dass mir ein baldiger süsser Schlaff die unruhigen gedanken vertrieb, hernach so unglücklich, dass die Hand einer Manns-person zum ersten mahle meine Brust begriff, worauf so gleich ein Kuss folgte. Ich fuhr so gleich in die Höhe, u. fing an zu schreien, konte aber vor nahm mich jemand bei der Hand, u. sagte: Um Gottes willen, Mademoiselle, schreien sie nicht, ich bin Dero allergetreuester Knecht, und habe mich in diese Gefahr bloss allein darum gewagt, ihnen ein geheimnis zu eröffnen, worauf die Glückseeligkeit ihres ganzen Lebens beruhet. nunmehr erkannte ich wohl an der Sprache, dass es niemand anders sei, als unser Handels-Diener Rackhuysen, riss deswegen meine Hand zurück, und sagte: Welcher Satan hat euch Verwegenen in meine Cammer geführt?