ob mein Liebster wieder aus der Sclaverei zurück nach Leuwarden gekommen ist. Nein, Madame! gab Rackhuysen zur Antwort, davon kan ich keine Nachricht geben, weil ich bereits über drittehalb Jahr aus Holland abwesend, und nur vor etlichen Tagen aus Ost-Indien biss hieher gekommen bin; Herr Dostart aber wird ihnen vielleicht die Wahrheit sagen können, weiln er nur vor wenig Wochen von Leuwarden abgegangen. Sie wandten hierauf ihre Augen auf den alten Dostart, welcher sie, nachdem er mir ein höflich Compliment gemacht, etliche Schritte von uns hinweg und einen ziemlich langen heimlichen Discours mit ihr führte. Mitlerweile sprach Rackhuysen zu mir: Monsieur! sie werden vielleicht ein Befreundter von dieser Dame sein? Nein, mein Herr, gab ich zur Antwort, ich habe sie sonsten in Holland niemals gesehen, denn ich bin von Antwerpen, sie aber von Leuwarden gebürtig, doch mache mir das gröste Vergnügen daraus, dass sie durch meine schlechte person, listiger Weise aus der Barbarischen Sclaverei, und so gar aus des Maroccanischen Kaysers Mulei Ismaëls, Seraglio befreiet worden. Das gestehe ich! war seine Verwunderungsvolle Gegen-Rede, worauf er eine lange Zeit in tieffen gedanken stehen blieb, endlich aber noch ein und anderes von mir ausfragen wolte, allein, ich drehete das Gespräch auf eine listige Art herum, und fragte selbst nach seinem Wesen, und was ihm auf der OstIndischen Reise besonders vorgefallen wäre, worauf denn zu antworten, er mir nicht wohl abschlagen konte, biss endlich die Dame und Dostart wieder zu uns kamen. Ich hatte unter der Zeit meine Augen offtermahls nach der Dame gewendet, und angemerckt, dass sie zu verschiedenen mahlen, die hände gegen Himmel gehoben, gefalten und gerungen, auch sonsten allerhand klägliche Stellungen gemacht, deswegen nahm es mich kein Wunder, dass, da sie wieder zu mir kam, sehr wehmütig aussahe, und zu mir nur so viel sagte: Mein Herr und Freund! die Hitze ist zu gross, lasset uns zurück in unser Quartier fahren, diese beiden Herren werden, wo es ihnen gefällig, uns morgen auf einen Caffée zusprechen, denn ich habe dem Herrn Dostart schon gesagt, wo wir logiren. Alles zu Dero Diensten, antwortete ich, machte den beiden Herrn mein Copliment, und nötigte sie auch nochmals, hub die Dame in den Wagen, setzte mich neben sie, und befahl dem Kutscher, nach unserm Logis zu fahren.
Unterwegs klagte sie über Kopff-Schmertzen, redete sonsten wenig, so bald wir aber in unser Logis kamen, legte sie sich gleich im Cabinet mit den Kleidern auf ihr Bette, weigerte sich etwas zu essen, sondern bat nur um ein paar Schälchen Caffée. Ich ging selbst hin, selbigen desto hurtiger fertig zu schaffen, und sie mittlerweile ein wenig ruhen und abkühlen zu lassen, denn es war würcklich ein sehr heisser Tag. Als ich aber mit dem Caffée kam, welchen ihr schon in Gibraltar angenommenes Holländisches AuswarteMägdgen trug, sich aber gleich wieder fort machte, und ich meine werteste Landsmännin hefftig weinend antraff, konte ich mich nicht entalten, aus besonderen Mitleiden zu fragen: Madame! ist mir erlaubt, nach der Ursache Dero hefftigen Betrübnisses zu fragen, so bitte dabei, mir selbige zu entdecken, kan ich Ihnen gleich nicht vollkommen helffen, so ist doch vielleicht ein guter Rat und Trost nicht gänzlich zu verwerffen. Ach mein werter van Blac, sagte sie, ich bin und bleibe eine unglückselige person auf dieser Welt. Der Himmel hat geholffen, dass meine Ehre, Leben und Gesundheit in und aus der Barbarei glücklich erhalten und errettet worden; allein, in meinem vaterland werde ich vielleicht alles mit einander einbüssen müssen. Das wolte der Himmel nicht, replicirte ich, wie kommen Sie auf solche gedanken? Ach! verfolgte sie ihre Rede, meine alten Eltern sind beide gestorben; Mein Mann hat schon seit einem Jahre wieder geheiratet, und zwar eine solche person, mit welcher er von vielen Jahren her ein geheimes liebes-Verständniss gehabt, sich auch verlauten lassen, dass er mich nicht wieder annehmen wolte, und wenn ich auch ein ganzes Orlogs-Schiff voll Diamanten, Perlen und Gold-Klumpen mitbrächte, weil ihm eine von den Barbarn geschändete person kein Vergnügen geben könnte; Aber, o du gerechter Himmel, du allein weist meine Unschuld und Ehre, und hast dieselbe wunderbar auch unter den Barbarn zu erhalten gewust, bist auch der beste Zeuge, dass ich Zeit meines Lebens mit niemanden, als mit meinem Ehe-mann, mich fleischlich vermischet habe.
Unter diesen letzteren Worten schossen die Tränen dergestalt häuffig aus ihren Augen, dass sie gar nicht mehr zu reden vermögend war. Ich liess den ersten Sturtz vorbei, stellte ihr nachher vor, dass man ja sich nicht so gleich an die erste fliegende Rede kehren müste, vielleicht wäre das meiste davon unwahr, und ihr Mann, der sie ehedem so sehr geliebt, würde vielleicht, wenn er sie nur erstlich wieder gesehen, auch ihre geschichte und Contestationes angehöret, ganz andere gedanken kriegen. Durch diese und andere Redens-Arten schien sie sich ein klein wenig zu besänfftigen, tranck auch ein paar Schälchen Caffée, und sagte hernach: Ich kenne meines Mannes Gemüte am besten, zumahlen er nunmehr diejenige person im Ehe-Bette hat, die er vor mir längst gern hinein haben wollen; Aber ich bitte sehr, Mons. van Blac, lasset mich ein paar Stunden ruhen, und schlaffet ihr selbst, diesen Abend