unter Seegel.
So bald wir die Strasse passiret, und die fürchterlichen Barbarischen Küsten nicht mehr zu sehen waren, fing meine werteste Landsmännin erstlich an recht lebhafftig zu werden, alle ihre Redens-Arten waren nicht allein weit lustiger als sonsten, sondern auf ihren Wangen kam Blut und Milch in artiger Vermischung zum Vorscheine, die Rosen auf ihren Lippen aber blüheten vollkommen, denn sie hoffte, nun bald den Hafen ihres Vergnügens zu finden, wurde aber doch in etwas verdrüsslich, da sich der Patron des schiffes verlauten liess, er müste in dem Hafen zu Lissabon einlauffen, und daselbst erstlich noch eine bestellte starcke Ladung einnehmen. Jedoch auf mein Zureden, dass, da wir nämlich seitero in der grössten Gefährlichkeit so viel Gedult gehabt, wir dieselbe nunmehr in guter Sicherheit auch nicht gänzlich fahren lassen müsten, gab sie sich zufrieden, und so bald wir im Hafen zu Lissabon angelanget, liess sie es sich gefallen, auch mit den Boot überzugehen, und diese Betrachtens würdige Stadt in Augenschein zu nehmen, denn es præsentirte sich dieselbe von aussen dergestalt prächtig, dass man glauben konte, wie sie inwendig ebenfalls nicht elend beschaffen sein müste. Weil es nun eben ein sehr angenehmes Wetter war, und unser Patron sagte, dass wir aufs wenigste binnen 14. Tagen oder 3. Wochen nicht von dannen seegeln würden, nahm ich einen Führer an, welcher meiner Landsmännin und mir die Haupt-Merckwürdigkeiten zeigen sollte, brachten auch die Zeit vom Morgen biss Abend damit zu, doch weil ihr das Gehen beschwerlicher als die Betrachtung der Curiosäten fallen wolte, nahmen wir in folgenden Tagen eine Chaise, um die allzuweit abgelegenen Merckwürdigkeiten zu besichtigen. Indem wir um eines Tages auf einem grossen platz stille hielten, um eine daselbst aufgerichtete kostbare Bild-Säule in genauen Augenschein zu nehmen, indem sich bereits viele Personen, die wie Ausländer aussahen, dabei befanden, vermerckte ich, dass eine Manns-person von näher 30. Jahren beständig ihre Augen auf meine Landsmännin gerichtet hatte, auch da sie die besonderen Figuren und Inscriptiones rings um die Bild-Säule herum betrachtete, ihr immer ex opposito blieb, bald blass, bald rot wurde, etliche mahl mit dem Kopffe schüttelte, und sonsten viele andere Zeichen der Verwunderung von sich gab. Meine Landsmännin wurde nichts davon gewahr, jedoch da ich sah, dass sich dieser Curiosus etliche Schritte entfernete, und mit einem andern, der ebenfals so ein gelblich Kleid, wie er, anhatte, in einen vertraulichen Discours eingelassen, beide aber sich öffters nach meiner Landsmännin umsahen, drehete ich mich nach und nach an ihre Seite, und sagte ihr ins Ohr: Madame, sehet, jene beiden Gelb-Röcke sprechen von niemand anders als von euch, wenn ich wahrsagen soll, so ist wenigstens dem einen eure person bekandt. Meine Landsmännin ergriff mich bei der Hand, mit den Worten: Kommet, mein Freund, wenn ich sie gleich nicht kenne, so werden wir doch vielleicht mercken oder erfahren können, ob es welche von unsern Lands-Leuten sind. Ich führte sie gerades weges auf beide Personen zu, weiln unser Wagen in der Gegend stunde, da wir aber noch etwa 30. Schritte von ihnen waren, dreheten sie sich erstlich beide uns entgegen, machten hernach lincks um, und gingen etliche Schritte weiter nahe an den Wagen, von welchem sie nicht wusten, dass er unser war. Meine Landsmännin druckte mir die Hand, und sagte: Ich bin fast aus mir selbst, denn alle beide sind mir sehr wohl bekandt, der alte, etliche 50. jährige heisst Cornelius Dostart, der jüngere aber, welcher meines Vaters Laden-Diener gewesen, Jan Pancratius Rackhuysen. Sie haben mir beide Verdruss genug verursacht, und eben desswegen haben die Schelmen kein gut Gewissen, sich zu erkennen zu geben. So wollen wir, versetzte ich hierauf, ihnen zum Tort auf sie zugehen, und fragen, ob sie nicht Holländer wären, denn wir sollten sie fast kennen.
Mir geschicht, antwortete meine Dame, hiermit eben kein besonderer Verdruss, denn ich kan auch wohl mit meinen Feinden sprechen. Demnach führte ich sie erstlich seitwarts vor den beiden Holländern, die noch immer in ernstlichen Gespräch begriffen waren, vorbei, drehete mich aber mit ihr kurz um, so, dass wir sie beide jählings im Angesichte hatten. Der jüngste schlug die Augen jetzt nieder, ungeachtet er meine Landsmännin kurz vorher bei der Bild-Säule mit gröster Verwunderung betrachtet hatte; Der ältere aber, welchen ich hatte Dostart nennen hören, ging meiner Landsmännin entgegen, und sagte mit bestürtzten Minen: Madame! wie soll ich dencken? sind sie des Herrn Bredals Tochter oder derselben Geist. Meine Landsmännin stellte sich ganz aufgeräumt an, und antwortete! Man siehet bald, dass ich kein Geist bin, indem ich Fleisch und Bein habe, auch den Herrn Dostart so wohl als Mons. Rackhuysen annoch besser kenne, als mich dieser letztere kennen will, ungeachtet wir doch wohl länger als 6. Jahr an einem Tische gespeiset haben. Madame! gab dieser letztere darauf, sie vergeben mir, dass ich vor Verwunderung, über das besondere Glück, dieselben allhier vergnügt anzutreffen, ganz aus mir selbst gesetzt bin, und mich nicht so gleich fassen kan. Es ist nichts ungewöhnliches, replicirte die Dame, dass Menschen in der Fremde, Berg und Tal aber desto seltener zusammen kommen; allein, können sie mir nicht sagen, ob meine Eltern noch leben, und