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in Maroccanischer Sprache: was er besonders hätte? und ging auf sein Bitten mit ins haus, da er mir denn allerhand artige Sachen von Silber, Gold und andern Metallen kostbar verfertiget, vorzeigte, und die Lust erweckte, vor mehr als 50. Zechinen von ihm zu kauffen, welches aber alles ganz leicht in den Schubsäcken verbergen konte, denn es waren lauter kleine Sachen. Endlich zeigte er mir eine saubere goldene Repetir-Uhr vor 120. Zechinen, vor welche ich ihm ohne langes Handeln das geforderte Geld hinzählete, jedoch mit dem Bedienge, dass, wo ich dieselbe binnen 8. Tagen falsch befinden sollte, er mir das Geld wieder zurück zu geben schuldig sei, denn ich wäre ein Bedienter des Kaysers, und könnte mir bald Hülffe schaffen. Der Jude war damit zufrieden, sagte, dass er heute über 8. Tage den ganzen Tag allhier in seinem Wohn-haus verbleiben, und auf mich warten wolte, fing hernach von freien Stücken zu sagen an: Mein Herr! ihr habt mehr Mittel als ich anfänglich bei euch gesucht hätte, allein wo ich raten soll, so seid ihr ein gebohrner Christ und vielleicht durch Unglück anhero in die Sclaverei gekommen? Ja wohl, sagte ich, habt ihr es erraten, und nicht allein ich, sondern auch meine leibliche Schwester, die noch ein paar Jahr älter ist als ich, wir sind aus einem vornehmen Geschlechte, aus Holland gebürtig, und haben unsere reichen Eltern noch am Leben, welche uns gerne mit etliche 1000. Tlr. losskaufften, wenn sie nur wüsten, wo wir wären, allein, wir sind darinnen unglücklich, dass, ungeachtet ich schon 2. mahl Briefe nach Holland mitgegeben, wir dennoch keine Antwort zurück erhalten haben, deswegen zu glauben, dass die Briefe nicht zurecht gekommen, sondern verlohren gegangen sind. Wenn ihr, versetzte der Jude hierauf, eines andern und nicht des Kaysers Sclaven wäret, so wäre wohl noch Rat zu finden, euch loss zu kauffen, allein, vor Geld pflegt der Kayser seine Sclaven nicht zurück zu geben, und deswegen ist wenig Hoffnung zu eurer Errettung da, wenn ihr euch nicht mit List zum land hinaus practiciren könnet; allein, ihr wisset allhier keinen Bescheid, und ein anderer, es sei Christ oder Jude, wird sich ohne schwere Geld-Summen nicht leicht in dergleichen Sachen mischen, weil, wenn die Sache verraten würde, das Leben eines jeden schon so gut als verlohren ist. Das ist leicht zu erachten, war meine Antwort, inzwischen muss man auf die Hülffe des Allmächtigen hoffen, auf ein paar tausend Zechinen aber sollte es mir eben nicht ankommen, wenn sich ein redlicher Mensch finden wolte, der uns beide wieder unter die Gesellschafft unserer Lands-Leute bringen könnte. Hierauf sagte der Jude, wenn ihr redlich sein, mich nicht verraten, und mir meine Mühe wohl bezahlen wollet, will ich vor eure Befreiung, welche listiger Weise angestellet werden muss, sorge tragen, allein, wo befindet sich eure Schwester, hat selbige auch, wie ihr, die Freiheit hinzugehen, wo sie hin will? So viel Freiheit, sprach ich, ist ihr nicht erlaubt, als mir, doch wäre es eben keine unmögliche Sache, sie zur Nachts-Zeit ein paar Meilen von Mequinez hinweg zu bringen. Wenn sie nur erstlich bei Nachts-Zeit allhier in mein haus gebracht werden könnte, sagte der Jude, so sollte sich nachher alles schicken, denn ich bin im stand, euch alle beide etliche Wochen an einem geheimen Orte darinnen aufzuhalten, wo euch die Mohren nimmermehr finden können, sie mögen auch suchen wie sie immer wollen. Ob auch gleich bei Nachts-Zeit das Revier, wo wir Juden wohnen, verschlossen wird, so wissen doch viele von uns solche Schliche, dass wir aus- und einkommen können, wenn wir wollen.

Ich wuste so gleich nicht, was ich weiter antworten sollte, blieb deswegen eine ziemliche Zeit in tieffen gedanken sitzen, mitlerweile brachte der Jude eine Bouteille Wein auf den Tisch, und fragte mich, ob ich auch Wein träncke? Ich tat ihm Bescheid, und fand den Wein so köstlich, als ich ihn jemahls getruncken hatte, nachdem ich aber noch einige kleine Gläser ausgelehret, fuhr der Jude mit Reden also fort: Mein Herr, ich mercke wohl, dass ihr auf meine Reden kein besonderes Vertrauen setzet, allein, glaubet sicherlich, dass wir Juden es hier zu land mehr, und weit lieber mit den Christen halten, als mit den Mohren und andern Nationen, die Kauff-Leute wissen auch selbst dass wir es allezeit redlicher mit ihnen meinen, als mit den Maroccanern, allein, wir müssen uns sehr behutsam dabei aufführen. Damit ihr aber dessen vollkommen überzeugt werdet, so kommet nach zweien Tagen wieder zu mir, alsdenn will ich euch einem Christlichen Kauffmanne aus Engelland præsentiren, welcher ein Contoir in Gibraltar, und zum öfftern starcken Verkehr allhier gehabt hat, nunmehr aber ist er resolvirt, in sein Vaterland, nämlich nach Engelland, zurück zu reisen, vielleicht ist es möglich, dass ihr alle beide von ihm durch List mitgenommen werden könnet; wo nicht? werde ich ein ander Mittel zu erfinden wissen, denn, wie schon gesagt, wir Juden dienen den Christen gern vor ein billiges Geschencke, welches aber etwas kostbarer sein muss, wenn Lebens-Gefahr bei der Sache zu besorgen ist.

Hierauf trunck ich noch etliche Gläser Wein, zahlete dem