, und mir einen Mut einsprach, dass wir nunmehr nichts gefährliches zu besorgen hätten, sondern biss gegen Anbruch des Tages vertraut mit einander sprechen könnten, liess ich alle Zaghafftigkeit fahren, erzählete auf ihr Bitten meine ganze Lebens-Geschicht, und vernahm auch hernach die Ihrige, als womit fast die ganze Nacht zugebracht wurde, letztlich aber wurde die Abrede so genommen, dass sie mir vor etliche 1000. Tlr. Gold und Kleinodien zuschicken wolte, vermittelst dessen ich etwa einen Jüdischen oder Christlichen Spion erkauffen könnte, der uns beide in verstelleter Kleidung entweder auf ein Christliches Schiff, oder aber durch einen Umweg nach der, auf den Africanischen Küsten gelegenen Spanischen Vestung Ceuta, brächte.
Weilen aber der Tag anzubrechen begunte, muste ich mich vor dieses mahl, da es noch ein wenig demmerig war, eiligst fort machen. Meine Lands-Männin hatte die Vorsicht gebraucht, mir ein ziemlich gross Gefäss in die eine Hand zu geben, begleitete mich auch biss in die Tür des Saals, wo die Wache der Verschnittenen stunde, und sagte, dieselbe vom fragen abzuhalten, indem ich hurtig fortging: Bleib nicht allzu lange aussen, und zerbrich mir ja das Gefäss nicht! Solchergestalt kam ich glücklich, ohne dass mich jemand anredete, in meinem Zimmer an, gab der Mohrin ihre Kleider nebst dem Gefäss, welches sie mit frischem wasser füllete, und wieder zu ihrer Gebiehterin ging, ich aber brachte über eine gute Stunde zu, ehe ich die schwartze Farbe wieder vom Gesicht und Händen loss werden konte.
Die übrige Zeit dieses ganzen Tages stellte ich mich etwas unpässlich, damit ich in meinen gedanken desto füglicher wiederholen könnte, was ich in der vergangenen Nacht mit meiner Lands-Männin gesprochen hatte, denn wir hatten in Wahrheit ein schweres Werck vor uns, welches, wenn es wäre entdeckt worden, beiden die grössten Martern und den ohnfehlbaren tot würde zugezogen haben. Jedoch weil sie mir versprochen hatte, fleissig um die glückliche Ausführung unsers Vorhabens zu beten, so nahm ich meine Zuflucht auch zum Gebet, und spürete dabei, dass mir mein Hertz immer leichter wurde. Folgende Tage nahm ich mir vor, mich, ausser der Kayserl Residentz, in der Stadt bekandt zu machen; es wird aber vielleicht nicht missfällig sein, wenn ich eine kleine Beschreibung davon mache. Das Kayserliche Schloss, Accassave genannt, ist ein sehr prächtiges Gebäude, welches mit den vortrefflichen Gärten, so dazu gehören, eine gute Meilwegs im Umfange hat, es ist auch das Seraglio oder Behältniss der Weiber darinnen, und befanden sich in selbigem damahls, ausser den 4. Gemahlinnen, über 2000. Kebs-Weiber. Denn obgleich der Kayser nicht mehr als 4. würckliche Gemahlinnen haben darff, so ist ihm doch erlaubt, so viel Kebs-Weiber zu halten als er will. In der HauptStadt, welche mit ziemlich viel Pallästen der Grossen angefüllet ist, finden sich aber auch viel geringere, ja ganz schlechte Häuser, es wohnen auch sehr viel Juden darinnen, jedoch in einem besonderen Revier, welches des Nachts verschlossen wird. Ausser dem liegt noch eine andere ganz grosse Stadt an der NordWest-Seite, die aber nicht sonderlich wohl gebauet ist, und von lauter ganz schwartzen und gelben Mohren bewohnet wird; in dieser habe ich mich niemals sehr umgesehen, weiln gehöret hatte, dass wenig oder gar keine Christen oder Juden darinnen angetroffen würden. Da ich nun merckte, dass mir sehr viel Freiheit gelassen wurde, indem mich kein Mensch unbescheiden fragte, weder, wo ich hin wolte? noch wo ich herkäme? oder wo ich gewesen wäre? so stellte mich ganz dreuste an, und gab hier und dar bei den höhern Bedienten zu vernehmen, wie ich nur darum ausginge, etwa eine mir anständige Christen-Sclavin anzutreffen, selbige zu erkauffen und mit derselben eine Heirat und eigene Wirtschafft zu stifften, damit ich nachher meine Dienste desto ordentlicher und lustiger verrichten könnte; ja ich war einsmahls so verwegen, eben dieses dem Kayser selbst, da er bei guter Laune war, aufzubinden, und vermerckte, dass ihm meine Absichten wohl gefielen, denn er versprach, wenn ich mir auch die allerschönste und beste Sclavin ausläse, mir selbige zu schencken. Mittlerweile lernete ich nun, mich meiner Freiheit immer besser und besser zu bedienen, liess aber keine 2. oder 3. Tage vorbei streichen, dass ich meiner Lebens-Erhalterin, Lands-Männin und besonderen Wohltäterin nicht ordentliche Nachricht von allen gegeben hätte, und zwar vermittelst einer besonderen Schrifft, die niemand als wir beide lesen und verstehen konte, und worüber wir mit einander eins worden waren. Inzwischen schickte sie mir gewaltige Geld-Sumen und sehr kostbare Kleinodien zu, so, dass mir recht angst und bange darüber wurde, weil ich noch keinem eintzigen guten Freund angetroffen, dem ich mein Hertz hätte offenbaren und ihm wenigstens die Helffte von allen in Verwahrung geben können.
Meiner Nachlässigkeit konte ich dieses nicht Schuld geben, denn ungeachtet ich in Mequinez einen und andern Holländer und Engelländer gesehen, so war mir doch von allen diesen, keiner als ein Werckzeug vorgekommen, durch welches ich meine und meiner Lands-Männin Befreiung zu erlangen hoffen können, denn Deutsch zu sagen, sie kamen mir alle zu dumm vor. Eines Tages aber, da ich durch die Juden–Stadt ging, kam ein ungefähr etliche 30. jähriger Jude eben zu seiner Tür heraus, und fragte, ob mir nicht beliebte, ihm etwas von Galanterie Waaren abzuhandeln. Ich fragte