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Mahometanischen Glaubens, dich zum Schach-Zadeler-Agasi (dieses ist derjenige Officier unter den Verschittenen, welcher über des Kaysers Kinder die Ober-Aufsicht hat, und in grossen Ansehen stehet) zu machen, und dein Glück noch weiter zu befördern, nun aber wirst du nicht allein wegen deiner Wiederspenstigkeit, sondern auch wegen des, an einem meiner Untertanen begangenen Mordes, des schmälichsten Todes sterben müssen. Rede Hund!

Solchergestalt sah ich meinen Tod vor Augen, denn obgleich Mulei Ismaël seit einigen Jahren her nicht mehr so grausam gewesen war, als vor dem, so konte doch gar leicht glauben, dass mir auf dieses mein Verbrechen die Todes-Straffe würde dictirt werden. Dem ungeachtet verspürete ich in meinem herzen nicht die geringste Furcht vor dem tod, sondern brachte meine Antwort in folgenden freimütigen Maroccanischen Worten vor:

Gröster Kayser! Dich hat GOtt der Allerhöchste zu einem Gott auf Erden gemacht, weswegen ich mich schuldig erkenne, den Staub zu deinen Füssen aufzulecken; Dein Reichtum ist unschätzbar, und deine Macht unaussprechlich, bei dem allen aber pflegst du mehr zu geben als zu nehmen. Erwege demnach selbst, warum du jetzt so begierig bist, mir den Christlichen Glauben aus dem herzen, und das, was mir GOtt und die natur geschenckt, aus dem leib reissen zu lassen. Ich bin zwar durch ein besonderes Schicksal unter deine Gewalt gebracht, jedoch wegen der unverdient genossenen Gnaden bewogen worden, dir Zeit-Lebens getreu und redlich zu dienen, so weit sich meine Wissenschafft und Vermögen erstreckt. Gröster Kayser, glaube mir, dass derjenige, welcher an seinem GOtt und Glauben ungetreu wird, auch seinem Herrn niemals getreu sein kan, und wo will ein solcher, welcher mit Gewalt verstümmelt und verschnitten wird, die Lust hernehmen, sein ihme aufgetragenes Amt mit behöriger Freudigkeit und ohne heimlichen Kummer und Widerwillen zu verrichten. Ich ein Christ viel lieber ein ewiger Sclave bleiben, als ein verstümmelter Mammelucke, ein Erbe deiner Reiche und Länder werden wolte. Wende deine Augen auf meine Treue und Standhafftigkeit, denn, wirst du mich mit Gewalt beschneiden und castriren lassen, so wisse, dass der erste Dolch, Messer, Strick, oder ein ander Mord-Instrument, ein Mittel sein wird, mich aus dem Reiche der Lebendigen ins Reich der toten zu versetzen, weswegen ich denn bei GOtt im Himmel Vergebung zu erlangen verhoffe.

(Hier fiel mir, verfolgte Mons. van Blac seine Rede, eine in voriger Nacht ausgedachte Not-Lüge ein, die ich dergestalt vorbrachte:)

Allermächtigster Kayser! ich habe mich zwar anfänglich vor dem Sohn eines Schiff-Capitains ausgegeben, allein, solches ist nur darum geschehen, etwa mit der Zeit etwas an meinen Kantzion-Geldern zu ersparen, denn ich bin ein gebohrner Graf aus Holland, dessen wohlbemittelte Eltern vermutlich noch am Leben sind, die allzu grosse Lust zur See zu reisen, und Ost-Indien zu sehen, hat mich durch Schiffbruch anhero gebracht; Wird mir mein Leben, und das, warum ich schon gebeten, gelassen, so kan ich vielleicht binnen weniger Zeit mit baarem Gelde ausgelöset werden, ist aber keine Hoffnung zu meiner Freiheit vorhanden, so will ich Zeit-Lebens dein getreuster Sclave verbleiben, jedoch als ein Christ und Unverschnittener. Ausser diesem will eher erdulden, dass man meinen elenden körper in tausend Stücken zerhackt, und denselben den Hunden vorwirfft. Jedoch was werden, Gröster Kayser! deine allergnädigsten Augen und gedanken vor besonderes Vergnügen an diesem Jammer-Spiele haben? deswegen erhöre meine Bitte, begnadige deinen allergetreusten Knecht und Sclaven, doch soll ich ja sterben, so lass nur mein Haupt mit einem eintzigen Schwerd-Streiche zu deinen Füssen legen.

Dieses war (fuhr Mons. van Blac fort) ungefähr der Innhalt meiner Rede, die ich an den Kayser tat, er hörete mir so wohl als alle bei ihm stehenden sehr aufmercksam zu, ging darauf mit dem Kisler-Aga und einigen andern Ministers in ein Neben-Zimmer, aus welchem nach Verlauff etlicher Minuten der KislerAga zurück kam, und zu meinen Begleitern sagte: Der Sclav soll sterben, doch hat ihn der Kayser in so weit begnadiget, dass ihm unten auf dem platz nur bloss der Kopff abgeschlagen werden soll.

Demnach führte man mich hinunter auf den Platz, ich betete unterwegs die trostreichsten und Christlichen Gebete, so mir nur einfielen, muste hernach unten auf dem platz, unter des Kaysers Fenster, mich auf einen viereckten Stein setzen, und den Streich erbrachte die Nachricht: Der Kayser wäre dennoch gesonnen, mir das Leben zu schencken, wenn ich mich nur bloss beschneiden, und die Mahometanische Religion annehmen wolte, mit der Verschneidung aber sollte ich verschonet bleiben, allein, weil ich mich schon völlig zum Sterben zubereitet, war meine Antwort diese: Der Tod wäre mir lieber als dieses. Hierauf druckte ich meine Augen veste zu, betete laut in Holländischer Sprache, um mitten im Gebet mein Haupt zu verlieren, endlich aber, da ich sehr lange gesessen, ergriffen mich zwei Mohren bei den Armen, und führeten mich auf das Zimmer eines Turms, welches ziemlich reinlich, jedoch mit eisernen Türen und Fenster-Stäben wohl verwahret war, liessen sich auch im Hinweggehen so viel verlauten, dass ich wegen meines Eigensinnes allhier eine grössere Straffe und Marter abzuwarten hätte.

Ich stellte alles in GOttes hände, und blieb bei dem vesten Schlusse, lieber alle Marter auszustehen, als meinen Christlichen Glauben zu verläugnen, und ein Mahometaner