und verschnitten, am 4ten Tage aber sollte die Reihe an mich kommen, welches mir der Kisler-Agasi, (oder der Oberste unter den Verschnittenen, welcher über die Weiber und Concubinen des Kaysers, auch deren verschnittene Bediente die Aufsicht hat,) durch einen Bedienten ansagen liess. Ich aber gab demselben gleich zur Antwort, dass ich mich ehe in 1000. Stükken zerhauen, oder mit den grausamsten Martern belegen, als dergleichen mit mir wolte vornehmen lassen, denn ich wäre völlig resolvirt, meinen Glauben niemals zu verläugnen, sondern als ein Christ zu leben und zu sterben, auch stünde mir nicht an, ein Verschnittner zu sein, sondern wolte, wie gesagt, lieber sterben. Diese kurtze Abfertigung des Bedienten hatte unser bisheriger Hof-Meister in seinem Cabinet gehöret, kam deswegen heraus, und sagte: Wisset ihr auch, dass euch diese Worte noch diesen Abend das Leben kosten können? Denn der Kisler-Agasi ist ein gewaltiger Mann, in dessen Händen vieler Menschen Leben und tot stehet; aber das will ich euch zum Vorteil sagen, wenn diejenigen ankommen sollten, die euch etwa zu stranguliren oder auf andere Art zu ermorden befehligt wären, so rufft nur den Nahmen unsers Kaysers Mulei Ismaël etliche mahl aus, denn solchergestalt könnet ihr euer Leben so lange erretten, biss ihr den Kayser erstlich selbsten gesprochen, und er hernach Befehl gegeben, dass man seinen Nahmen eurentwegen nicht ferner mehr respectiren, sondern Gewalt brauchen soll.
Ich fassete dieses zu Ohren, es kam aber diesen Tag niemand weiter zu mir, hergegen tat ich in künfftiger Nacht vor Kummer und Sorgen kein Auge zu, besann mich jedoch auf allerhand Streiche, die ich im Fall der Not spielen, und damit, wo möglich, nicht nur mein Leben retten, sondern auch der schändlichen Ver- und Beschneidung entgehen wolte.
Früh Morgens, etwa 2. Stunden nach Aufgang der Sonnen, kam der zweite Abgesandte, und trug mir vor, welchergestallt der Kisler-Aga meine gestrige trotzige Antwort sehr übel empfunden, jedoch weil ihm bewust, dass der Kayser eine ganz besondere Gnade auf mich geworffen, hätte er seinen Zorn gemässiget, von dem Kayser aber Befehl erhalten, mich heute verschneiden zu lassen, wolte ich nun die Gnade des Kaysers nebst meinem zukünfftigen Glückke nicht mutwillig verschertzen, so sollte mich nicht ferner wiederspenstig erzeigen, sondern die wenigen Schmertzen mit frölichen herzen ausstehen, indem ich solchergestalt die Hoffnung erlangte, vielleicht in wenig Jahren ein grosser Mann zu werden, etc. und was dergleichen tröstliche Worte mehr waren. Allein, ich blieb bei meiner ersten Resolution, lieber zu sterben, als meine Religion zu verändern, und als ein Verschnittener zu leben. Der abgeschickte gab sich hierauf nebst meinem bissherigen Hofmeister und lnformator viel Mühe, mich in Güte zu diesem Unheil zu bewegen, da aber nichts verfangen wolte, wurde der erstere endlich in Harnisch gejagt, und sagte: Nun so muss man, dem Befehle nach, Gewalt brauchen; ging auch gleich zum Zimmer hinaus, und ruffte 4. bewaffnete Mohren herein, nebst noch 2. andern, welche die Instrumenta, mich zu castriren und zu beschneiden, bereits in Händen trugen. Die 4. Bewaffneten fingen so gleich an, sich nach abgelegtem Gewehr, meiner zu bemächtigen, wolten mich auf den Tisch legen, damit die vortrefflichen Operateurs ihre Kunst an mir ausüben könnten, ich wehrete mich mit gröster Gewalt, wurde aber vermahnet, mich nur mit Gedult derein zu geben, oder mir es selbst zuzuschreiben, wenn der Schnitt mir zum Schaden oder gar zum tod gereichte; da nun vermerckte, dass ich mich ihrer nicht mehr erwehren könnte, bat ich nur um ein bequemeres Lager und etwas Zeit zum Verschnauben. Es wurde mir gewillfahret, auch angeraten, mich auf mein Bette zu legen, wo die Operation eben so füglich verrichtet werden könnte, mitlerweile aber hatte ich Zeit, in meinen Schubsack zu greiffen, und ein starckes Feder Messer aus der Scheide zu ziehen, welches ich den Operateur, so bald er sich von neuem an mich machte, dergestalt tieff in das Hertz hinein stach, dass er augenblicklich zu Boden sanck. Hierüber wurden die andern bestürtzt, ich aber bekam Lufft, aufzuspringen, und sagte: Nun will ich mit Freuden sterben, weil ich doch weiss, warum? Doch hoffe die Gnade zu haben, vor meinem Ende den Kayser Mulei Ismaël erstlich noch einmal zu sprechen. Rieff hierauf auch noch etliche mahl den Nahmen Mulei Ismaël aus.
Diese kurtze Appellation wurckte so viel, dass die Schwartzen keine fernere Gewalttätigkeiten an mir verübten, sondern mich nur in genauer Verwahrung hielten, biss der Abgeschickte, der nebst meinem bissherigen Informatore weg ging, nach Verlauff etwa zweier Stunden wieder zurück kam, und die Post brachte, dass man mich vor den Kayser führen sollte. Solches geschahe, und hatten die 4. Mohren ihre entblösten Schwerdter in den Händen, der Meinung, in Gegenwart des Kaysers ein Stückgen Arbeit zu bekommen, und mich Elenden in etliche Stücke zu zerhauen. Der Kayser Mulei Ismaël sass auf einem kostbaren stuhl, und so bald ich mich vor ihm niedergeleget, und die Erde geküsset hatte, fing er an, mit eben nicht gar zu zornigen Gebärden, also zu reden: Verfluchter Christ! wie bist du auf die gedanken geraten, die dir bishero erzeigte und noch fernerhin zugedachte Gnade mit Fussen von dir zu stossen; denn ich habe beschlossen gehabt, so gleich nach völliger Heilung deiner Wunde und Annehmung des