, sie sodann auf die Albertus-Burg liefern, damit der Alt-Vater damit disponiren könnte, wie ihme beliebte. Mons. Hollersdorff, der Mahler, hatte nicht nur den Altar bereits vollkommen schön ausgemahlt, sondern wurde auch noch vor Michaelis mit der Cantzel fertig. Solchergestalt sahen unsere Aeltesten mit Vergnügen, dass wir keine Schmarotzer und faule TageDiebe, sondern lauter fleissige Arbeiter mitgebracht hatten, inzwischen durfften sich diese um keine Lebens-Mittel bekümmern, denn es wurde ihnen alles, was sie begehrten, reichlich zugetragen.
Mittlerweile wurde es kundig, dass Hr. Schmeltzer jun. mit meiner Schwester, und ich mich mit meiner Cordula an dem künfftigen Michaelis-Feste wolten copuliren lassen, deswegen mag der Appetit zum Heiraten nicht nur einigen Felsenburgern, sondern auch etlichen von unsern neu mitgebrachten Europäern ankommen, denn diese letzteren hatten die Töchter des Landes schon besehen, waren auch so wohl im Aussuchen als in der Anwerbung mehrenteils glücklich gewesen, weiln es nicht nur an sich selbst feine Männer waren, sondern die ältern Europäer sich ihrer als Brüder angenommen, und ihnen das Wort geredet hatten. Inzwischen wäre doch bald ein Streit zwischen Mons. van Blac und dem Mahler Hollersdorff entstanden, denn es hatten sich beide zugleich in Herrn Kramers seiner Frauen ihre jüngste Schwester verliebt, weswegen wir andern uns dazwischen schlugen, und auf Vermercken, dass die Jungfrau den Mahler gewogener war, als den van Blac, diesen letzteren von ihr abwendig machten. So bald er vernommen, dass die Jungfrau seinen Mit-Buhler lieber hätte, als ihn, liess er sich gleich weisen, nahm Abschied von ihr, und suchte sich nachher eine nicht weniger wohlgebildete und tugendhaffte Jungfrau aus dem JohannisRaumer Geschlechte aus, welche Hr. Mag. Schmeltzers seiner Liebsten jüngste, ungefähr 18. jährige, Schwester war. Diese hatte an seiner person nichts auszusetzen, jedoch ehe das Verlöbniss geschahe, nahm ihn der Alt-Vater eines Abends vor, und bat, weil es eben jetzt Zeit davon wäre, uns seine LebensGeschicht zu erzählen, da er selbiges schon vor einigen Wochen versprochen hätte. Mons. van Blac liess sich nicht lange nötigen, sondern fing seine eigene Historie, nachdem er erstlich einige Bücher und Briefschafften aus seiner Cammer geholet, folgender massen herzusagen an:
Im Jahr 1698. den 24. Octobr. bin ich zur Welt gebohren worden, und zwar auf dem von den Geographis so genannten deutschen Meere, weswegen ich nicht weiss, ob ich mich einen gebohrnen deutschen oder Holländer nennen soll, denn mein Vater und Mutter waren beide in Holland gebohren und gezogen, erstgemeldter hiess Joost Henry van Blac, und war kapitän eines Holländischen schiffes, meine Mutter aber, Maria Angelica van Leuwen, deren Vater ebenfalls ein berühmter schiffes-kapitän gewesen war. Die besondere Lust zum Reisen auf der See, und denn die hertzliche Liebe gegen meinen Vater, hatte meine Mutter angereitzt, gleich nach ihrer Vereheligung verschiedene Reisen mit demselben in ein und anderes Europäisches Reich zu tun, auf der Rükk-Reise von Norrwegen aber biss Holland passirt ihr dieser Streich, dass sie Antwerpen, wo wir unser Wohn-Haus hatten, nicht erreichen kan, sondern ihr Wochen-Bette mit mir im Schiffe aufschlagen muss; und eben dieserwegen kan ich mich keines Menschen Lands-Mann, wohl aber See-Mann nennen. Mit alle dem kommen doch, so wohl meine Mutter als ich, glücklich und gesund in Antwerpen an, und werden von meiner Gross-Mutter, die annoch lebte, wohl empfangen und gepfleget. Mein Vater hatte sich nach wenig Tagen wieder zu Schiffe begeben müssen, und war nicht nur dieses mahl ein halbes Jahr, sondern nachher zum öfftern 8. 10. ja wohl biss 18. Monate aussen geblieben, und dennoch hatte er niemals einen rechtschaffenen Profit mit nach haus gebracht, sondern mehrenteils grössere Summen mit auf die Reise genommen; woran es gelegen gewesen, weiss ich nicht, und meine Mutter, weil sie ihn hertzlich liebte, zur selbigen Zeit auch noch ihr gutes Auskommen wuste, hatte ihn in allen nach seinem Belieben schalten und walten lassen. Ich blieb nicht alleine, sondern bekam immer mehr und mehr Geschwister, so, dass in meinem 14ten Jahre schon unserer 9. waren, indem sich unter uns 2. paar Zwillinge befanden. Meine Mutter sparete keinen Fleiss, uns sämmtlich wohl zu erziehen, und sonderlich mich, als ihren erstgebohrnen und liebsten Sohn, in den behörigen Wissenschafften unterrichten zu lassen, und ich hatte in Wahrheit auch eine besondere Lust zum Studiren, allein, in meinem 15ten Jahre, da mein Vater eben wieder zu haus kam, doch sich nicht länger als etwa einen monat bei uns aufgehalten hatte, gab er zu vernehmen, dass er mich mit zu Schiffe nehmen wolte; meine Mutter setzte sich zwar stark darwider, und wendete vor, dass es ewig Schade sei, mich jetzt in den besten Jahren vom Studiren abzuziehen, da ich, meiner Præceptorum Zeugnisse nach, schon so sehr weit gekommen wäre; allein, er schmeichelte ihr, dass er noch einmal so frölich und vergnügt leben wolte, wenn er wenigstens eins von seinen Kindern bei sich hätte, und ihr Ebenbild darinnen betrachten könnte, zudem wäre auf seinem Schiffe ein Grund-gelehrter Mensch befindlich, welcher sich eines in Franckreich gehabten Unglücks-Falls wegen auf die See begeben müssen, dieser könnte nicht allein meine bereits erlerneten Wissenschafften mit mir repetiren, sondern mich auch viel weiter bringen, weiln wir auf dem Schiffe