Canoniren zu bedeuten gehabt hätte, worauf sie die Antwort bekommen, dass es keine Gefahr zu bedeuten gehabt, sondern es wäre ein besonderes fest auf der Insul gefeiert worden. Ubrigens, nachdem sie zu verstehen gegeben, wie sie daselbst mit einander ganz vergnügt lebten, auch noch wohl auf 3. Wochen Proviant, Bier und Wein genug hätten, waren unsere Leute wieder abgefahren, und kamen noch vor Abends wieder zu uns.
Nächstfolgenden Sonntag ging abermals ein besonderer Actus in unserer Kirche vor, denn nachdem des kapitän Horns 9. Sclaven von Herrn Mag. Schmeltzern tages vorher examinirt und in allen Glaubens-Articuln wohl unterrichtet befunden worden, so wurden dieselben gleich nach der Predigt erstlich von ihm getaufft, wobei die 9. Felsenburgischen Vorsteher, 9. von uns Europäern und 9. Felsenburgische Jungfrauen zu Gevattern stunden. Nach der Tauffe wurde ihnen von Herrn Schmeltzern jun. und Herrn Herrmannen das Heilige Abendmahl gereicht, nachdem je 3. und 3. bei einem jeden Priester gebeichtet hatten. Der Alt-Vater liess sie hierauf in einem besonderen Zimmer mit den besten speisen versorgen, nachher in sein Zimmer ruffen, und durch mich einem jeden 100. Spanische Creutz-Taler zum Paten-Geschencke auszahlen. kapitän Horn schenckte ihnen die Freiheit, und sagte, dass sie von nun an nicht mehr Sclaven sein und heissen, jedoch so lange bei ihm bleiben sollten, biss er wieder in Europa angelanget wäre, da sich denn ein jeder nach seinem Belieben hinwenden könnte, wohin er wolte, mitlerweile sollten sie auch von ihm den monatlichen Matrosen-Lohn zu gewarten haben. Merckwürdig war dieses bei ihrer Tauffe, dass ein jeglicher Christian genennet wurde, jedoch noch einen Vornahmen dazu bekam, mit welchen man sie im Zuruffen oder Gesprächen unterscheiden konte, der Zu-Nahme aber, war einem jeden, sich selbst zu erwählen, überlassen.
Sie bezeigten sich einer wie der andere ungemein erfreuet, dass sie sich nunmehr unter die Christen rechnen konnten, lasen auch bei müssigen Stunden beständig in den ihnen geschenckten Bibeln, Gesangund Gebet-Büchern, weswegen sie denn auch der AltVater nicht von uns kommen lassen, sondern im Christentume noch immer mehr gestärckt wissen wolte, biss zu kapitän Horns Abreise.
Bei dieser gelegenheit fällt mir Talli ein, welche Ao. 1728. am 17. Sonntage p. Trin. auch auf dieser Insul getaufft, und gleich diesen ihren Lands-Leuten aus dem Heiden-ins Christentum geführt wurde; es hatte aber dieselbe unter der Zeit unsers Abwesens einen feinen Mann aus dem Simonischen Geschlechte bekommen, jedoch voritzo lag sie eben in 6. Wochen, weil sie kurz vor unserer Ankunfft eine junge Tochter zur Welt gebracht hatte, und eben dieserwegen war sie noch nicht zum Vorscheine gekommen. Jedoch nachdem ich, vielleicht manchem Leser zum Verdruss, mich bei den Geistlichen begebenheiten etwas lange aufgehalten, und dennoch manches Betrachtens-würdige zurück gelassen, welches aber vielleicht hier und dar noch beiläuffig mit eingestreuet werden kan; so muss mich nun wohl auch befleissigen, Bericht abzustatten, wie die Sachen fernerweit nicht allein seit unseres Abseins, sondern auch nach unserer glücklichen Zurückkunfft eingerichtet worden.
Die 7. Einkömmlinge, so Mons. Horn vordem da gelassen, (NB. die im andern Teile pag. 560. specificirt sind) hatten sich ganz wohl beraten, 3. unter ihnen, nämlich, Tau, Pür und Bertold, welche vorher andern Secten zugetan gewesen, waren nicht nur zur Evangelisch-Luterischen Religion übergetreten, sondern hatten sich auch bereits verheiratet, und mehrenteils neben den Häusern ihrer Schwieger-Eltern und Freunde neue Häuser und Werckstätten aufgebauet, dergestalt, dass Bucht, der Nadler, in Davids-Raum; Dietrich, der junge Mechanicus, (welcher Mons. Plagers seiner Frauen Schwester bekomen, und bereits ein künstlicher und fleissiger Mann war,) und Herbst, der Gürtler, in Jacobs-Raum; Rümpler, der Gerber, in Stephans-Raum; Tau, der Hutmacher, in Simons-Raum; Pürr, der Kupfferschmidt, in Johannis-Raum, und Bertold, der Seiler, in Christophs-Raum zu wohnen kommen waren. deswegen schien das allernötigste zu sein, die neuen mitgebrachten Künstler und Hand-WercksLeute ebenfalls in diejenigen Pflantz-Städte einzuteilen, wo sie ihre Professiones am bequemlichsten treiben könnten. Demnach wurde mit den Stamm-Vätern und klügsten Europäern Rat gehalten, und endlich beschlossen, dass der Buchbinder Ollwitz in Christians-Raum, bei Mons. Litzbergen, Rädler, der Buchbinder, Besterlein, der Sattler, Hollersdorff, der Mahler, in Alberts-Raum, u. zwar dieser Letztere in Mons. Cramers Behausung, Breitschuch, der Seiffensieder, und Trotzer, der Zinngiesser, in Roberts-Raum; Engelhart, der Blechschmidt, in Davids-Raum; Schubart, der Glassmeister, nebst ihme Rindler, der Glass-Blaser in Stephans-Raum, ihre Wohnstädten bekommen sollten, und zwar diese beiden letzteren nur so lange, biss die Glass-Hütte zu stand gebracht, welche am wald bei den Saltz-lachen, zwischen Jacobs- und Stephans-Raum, nach Uberlegung der Verständigsten angelegt werden sollte. Nachdem nun ein jeder in die ihm zuerkanndte PflantzStadt eingeführt, ihm sein Logis und Platz zur Werckstatt angewiesen worden, auch sich nach erstattetem Bericht keiner unter ihnen gefunden, welcher nicht sehr wohl damit zufrieden gewesen wäre, lieferte ich jeden seine Kisten, worein die zu seiner Profession gehörigen Sachen eingepackt waren, nebst ihren übrigen annoch