aufgeht, so bald versteht der Mensch die hohen Gaben, die GOttes Geist den'n g'wiss verheist, die Hoffnung darein haben.
Recit.
Basso solo.
GOttes Wort und Luters Lehr
Vergehet nun und nimmermehr;
Wird gleich der Himmel mit der Erden
In nichts verwandelt werden,
Bleibt jenes beides dennoch veste stehen,
Und kan niemals zu grund gehen;
Drum wollen wir
Nur für und für
Den Höchsten lassen walten,
Und uns allstets an diese Felsen halten.
Concert.
Psalm. 31. v. 3.
Sei mir ein starcker Felss und eine Burg, dass du mir helffest; denn du bist mein Felss und meine Burg; und um deines Nahmens willen wollest du mich leiten und führen.
Choral.
Alto.
Du bist mein Stärck, mein Felss, mein Hort, mein Schild, mein Krafft, sagt mir dein Wort, mein Hülff, mein Heil, mein Leben, mein starcker GOtt in aller Not, wer mag dir wiederstreben.
Tutti.
Glori, Lob, Ehr und Herrlichkeit
Sei dir GOtt Vat'r und Sohn bereit, etc. etc.
Sowohl uns dieser von Herrn Mag. Schmeltzern gemachte Text gefiel, so angenehm fiel auch dessen Composition, die unser Musicus, Mons. Langrogge, über sich genommen hatte, in die Ohren. Die ersten 2. Zeilen des ersten Recitativs, welches ein reiner Discantiste sunge, ihm nicht einmal mit der Orgel, sondern nur mit einer sanfft geblasenen Trompete accompagnirt wurde, hätten der Gemeine fast die Meinung beigebracht, als ob dieses Morgen-Lied ganz ausgesungen werden sollte, allein, gleich bei der 3ten Zeile, fiel so gleich die Orgel mit ein, und wurde das Recitativ nach seiner Art abgesungen, im übrigen war die Abwechselung der Stimmen und Instrumenten dergestalt wohl in Acht genommen, dass, wie gesagt, dergleichen Stück in dieser Kirche noch nicht gehöret worden. Nach geendigter Music und gesungenen Choral: Wir glauben all an einen GOtt, etc. predigte Herr Mag. Schmeltzer über den 122. Psalm Davids, und stellte daraus vor: Die GOtt wohlgefällige jubel-Freude. Verglich unser Felsenburg mit der Stadt Jerusalem und dem Berge Zion, auf eine ungemein erbauliche Art. Am Ende der Predigt aber gab er der Gemeinde zu vernehmen, wie, bald jetzt nach der Predigt, sein leiblicher Bruder, Herr Jacob Friedrich Schmeltzer und Herr Johann Friedrich Herrman, ihnen, so wohl als er, zu Priestern und, Beicht-Vätern vorgestellet werden sollten, deswegen möchten sich in Zukunfft, des Alt-Vaters beliebter Ordnung gemäss, die auf der Albertus-Burg befindlichen, ingleichen die Alberts-Johannis- und Christophs-Raumer, bei ihm, Hn. Mag. Schmeltzern; die Simons-Christians- und Roberts-Raumer, bei Herrn Schmeltzern jun. die Jacobs-Stephans- und Davids-Raumer aber bei Herrn Herrmannen im Beicht-stuhl einfinden, auch sich sonsten, ihrer sorge in geistlichen Dingen anvertrauen. Wiewohl dieserwegen niemanden ein Zwang auferlegt, sondern jedem erlaubt wäre, sich so wohl an einen als an den andern Priester zu addressiren.
Nachdem also die Predigt beschlossen, und nochmahls eine Cantata musicirt war, gingen die drei Priesters vor dem Altar, Herr Mag. Schmeltzer blieb auf der Obersten Stuffe, die beiden jüngern aber eine Stuffe tieffer stehen, der Alt-Vater und die Vorsteher der Gemeinden rangirten sich zu beiden Seiten des Altars. Herr Mag. Schmeltzer hielt erstlich eine Rede, die ungefähr eine halbe Stunde währete, worin er von der Pflicht der Priester gegen ihre Zuhörer, und dann auch von der Pflicht der Zuhörer oder anvertrauten Seelen gegen ihre Priester, sehr beweglich handelte, stellte nachher diese seine geliebten Mit-Arbeiter am Wort, der ganzen Felsenburgischen Gemeine vor, segnete sie ein, beschloss mit einem schönen Gebete und Wunsche vor beide Teile, intonirte hernach den Lob Gesang: HErr GOtt, dich loben wir, etc. etc. Hierauf wurde vom Orgel-Chore unter Trompeten und Paucken-Schalle, ingleichen von der ganzen Gemeine, derselbe biss zu Ende gesungen, und auch unter der Zeit, das auf der Alberts-Burg stehende schwere Geschütz nach gegebenem Zeichen vier mahl abgefeuert. Nach gesprochenem Segen und angestimmten lied: Nun dancket alle GOtt, etc. etc. also, nach geendigtem Gottes-Dienste, wurden die kanonen nochmahls binnen einer Stunde dreimahl gelöset, auch eine ganze Stunde lang geläutet, und der Choral: Von GOtt will ich nicht lassen etc. etc. vom Turme geblasen, worauf denn alle gegenwärtige Felsenburger in verschiedenen Zimmern der AlbertusBurg köstlich tractiret wurden, gegen Abend aber alle, bis auf etliche alte Greise, wieder in ihre wohnung kehreten. Folgende zwei Tage wurden nicht weniger so andächtig als frölich zugebracht, Herr Mag. Schmeltzer aber wegen seiner vielen gehabten Sorgen und Bemühungen, in Anordnung dieser ganzen fest-Ceremonien, mit Predigen verschonet, indem Herr Schmeltzer jun. die Vor- und Herr Herrmann die Nachmittags-Predigten verrichteten.
Der darauf folgende 28. Jun. wurde von den sämmtlichen Einwohnern mit allerhand erlaubten Lustbarkeiten zugebracht, und keine als die höchstnötigsten arbeiten darane getan; Donnerstags aber fuhr Herr Schmeltzer jun. mit etlichen Europäern und Felsenburgern hinüber auf die kleine Insul, hatte daselbst den Matrosen eine Bet-Stunde und Predigt gehalten, einigen Evangelisch-Luterischen das Heilige Abendmahl gereicht, und sonst alles in guter Ordnung gefunden, doch hatten sie sehr Verwunderungs-voll gefragt, was denn binnen drei Tagen das öfftere