um mein schön Stücke Geld zu tun, doch ich fand keine Ursache, den unvorsichtigen Tausch zu bereuen, weil ich in des Præceptors Hosen bei nahe 6. Tlr. Silber-Geld, und über dieses einen Beutel mit 30. spec. dukaten fand. Demnach klagte ich bei meiner plötzlichen Flucht weiter nichts, als dass mir nicht erlaubt gewesen, von dem ehrlichen Amtmanne, der an mir als ein treuer Vater gehandelt, mündlich danckbarn Abschied zu nehmen. Doch ich tat es schrifftlich desto nachdrücklicher, entschuldigte mein versehen wegen der vertauschten Hosen aufs beste, kauffte mir in Braunschweig die nötigsten Sachen ein, dung mich auf die geschwinde Post, und fuhr nach Bremen, wo ich von der beschwerlichen und ungewöhnlich weiten Reise sattsam auszuruhen willens hatte.
Warum ich nach Bremen gereiset war? wuste ich mir selbst nicht zu sagen. Ausser dem, dass es die erste fortgehende Post war, die mir in Braunschweig aufstiess, und die ich nur desswegen nahm, um weit genug hinweg zu kommen, es mochte auch sein wo es hin wolte. Ich schätzte mich in meinen gedanken weit reicher als den grossen Mogol, liess deswegen meinem leib an guten speisen und Geträncke nichts mangeln, schaffte mir ein ziemlich wohl conditionirtes Kleid, nebst guter Wäsche und andern Zubehör an, behielt aber doch noch etliche 40. Tlr. ZehrungsGeld im Sacke, wovon ich mir so lange zu zehren getrauete, biss mir das Glück wieder eine gelegenheit zur Ruhe zeigte, denn ich wuste mich selbst nicht zu resolviren, was ich in Zukunfft vor eine Profession oder Lebens-Art erwehlen wolte, da wegen der annoch lichterloh brennenden Krieges-Flamme eine verdrüssliche Zeit in der Welt war, zumahlen vor einen, von allen Menschen verlassenen, jungen Purschen, der erstlich in sein 17des Jahr ging, und am SoldatenLeben den greulichsten Eckel hatte.
Eines Tages ging ich zum Zeitvertreibe vor die Stadt spatzieren, und geriet unter 4. ansehnliche junge Leute, welche, vermutlich in Betracht meiner guten Kleidung, zierlicher Krausen und Hosen-Bänder, auch wohl des an der Seite tragenden Degens, sehr viel Achtbarkeit vor meine person zeigten, und nach langen Herumgehen, mich zu sich in ein WeinHauss nötigten. Ich schätzte mir vor eine besondere Ehre, mit rechtschaffenen Kerlen ein Glass Wein zu trincken, ging deswegen mit, und tat ihnen redlich Bescheid. So bald aber der Wein die Geister in meinem Gehirne etwas rege gemacht hatte, mochte ich nicht allein mehr von meinem Tun und Wesen reden, als nützlich war, sondern beging auch die grausame Torheit, alles mein Geld, so ich im Leben hatte, heraus zu weisen. Einer von den 4. redlichen Leuten gab sich hierauf vor den Sohn eines reichen Kauffmanns aus, und versprach mir, unter dem Vorwande einer besonderen auf mich geworffenen Liebe, die beste Condition von der Welt bei einem seiner Anverwandten zu verschaffen, weiln derselbe einen Sohn hätte, dem ich meine Wissenschafften vollends beibringen, und hernach mit ihm auf die Universität nach Leiden reisen sollte, wo wir beide zugleich, ohne dass es mich einen heller kosten würde, die gelehrtesten Leute werden könnten. Er tranck mir hier auf Brüderschafft zu, und mahlete meinen vom Wein-Geist benebelten Augen vortreffliche Lufft-Schlösser vor, biss ich mich dermassen aus dem Zirckel gesoffen hatte, dass mein elender körper der Länge lang zu Boden fiel.
Der hierauf folgende Morgen brachte sodann meine Vernunfft in etwas wieder zurücke, indem ich mich ganz allein, auf einer Streu liegend, vermerckte. Nachdem ich aufgestanden, und mich einiger massen wieder in Ordnung gebracht hatte, meine Taschen aber alle ausgeleeret befand, wurde mir verzweiffelt bange. Ich ruffte den Wirt, fragte nach meinem Gelde und andern bei mir gehabten Sachen, allein er wolte von nichts wissen, und kurz zu sagen: Es lieff nach genauer Untersuchung dahinaus, dass ich unter 4. Spitzbuben geraten, welche zwar gestern Abend die Zeche bezahlt, und wiederzukommen versprochen, doch biss jetzt ihr Wort nicht gehalten, und allem Ansehen nach mich beschneutzet hätten.
Also war derjenige Schatz, den ich unverhofft gefunden, auch unverhofft wieder verschwunden, indem ich ausser den angeschafften Sachen, die in meinem Quartiere lagen, nicht einen blutigen heller mehr im Beutel hatte. Ich blieb zwar noch einige Stunden bei dem Weinschencken sitzen, und hoffte auf der Herrn Sauff-Brüder fröliche Wiederkunfft, allein, mein Warten war vergebens, und da der Wirt gehöret, dass ich kein Geld mehr zu versauffen hatte, gab er mir noch dazu scheele Gesichter, weswegen ich mich eben zum Hinweggehen bereiten wolte, als ein ansehnlicher Cavalier in die stube trat, und ein Glass Wein forderte. Er sagte mit einer freundlichen Mine, doch schlecht deutschen Worten zu mir: Mein Freund, gehet meinetwegen nicht hinweg, denn ich sitze nicht gern allein, sondern spreche lieber mit Leuten. Mein Herr! gab ich zur Antwort, ich werde an diesem mir unglückseligen Orte nicht länger bleiben können, denn man hat mich gestern Abend allhier verführet, einen Rausch zu trincken, nachdem ich nun darüber eingeschlaffen, ist mir alles mein Geld, so ich bei mir gehabt, gestohlen worden. Bleibet hier wiederredete er, ich will vor euch bezahlen, doch erweiset mir den Gefallen, und erzehlet umständlicher, was euch begegnet ist. Weiln ich nun einen starcken Durst verspürete, liess ich mich nicht zweimahl nötigen, sondern blieb da, und erzehlete dem Cavalier meine ganze Lebens-Geschicht von Jugend an, biss