Abendmahl gereicht werden möchte. Ubrigens wäre keiner unter ihnen gewesen, welcher einiges Missvergnügen darüber bezeigt, dass man sie nicht mit auf die grosse Insul genommen. Wir waren hierüber sehr vergnügt, merckten aber wohl, dass dieses lauter Früchte waren von kapitän Horns kluger Conduite; denn er war würcklich ein Mann, der die Schifffahrt wohl verstunde, und sich zu einem Commandeur am allerbesten schickte, indem er ungemein gütig, wohltätig und leutselig war, aber doch, wenn es die Not erforderte, seine Autorität gewaltig zeigte, dieselbe zwar nicht missbrauchte, seinen Respect indessen niemals vergab.
Donnerstags, den 15. Junii, fanden sich fast alle auf der Insul wohnende Menschen in Herrn Mag. Schmeltzers Wochen-Predigt ein, ja es wurde auch so gar des kapitän Horns 9. Sclaven erlaubt, das Schiff zu verlassen, und dem GOttes-Dienste mit beizuwohnen, welche sich denn sehr aufmercksam bezeigten. Herr Mag. Schmeltzer trug erstlich vor, dass wir den Tag nach Johannis-Tage, 3. Tage nach einander, ein besonderes hohes fest feiern wolten, meldete hierauf kürtzlich: aus was vor Ursachen, und zu was vor Nutzen; nachher fing er an, den ersten Absatz der Evangelisch-Luterischen Reformations-Historie zu verlesen, und erklärete denselben dergestalt, dass es auch das kleineste Kind fast hätte begreiffen können, ob nun gleich diese Predigt über 3. Stunden lang währete, so liess doch fast jede person an ihren Gebärden spüren, dass sie wohl noch 3. Stunden zugehöret hätte.
nachher ging ein jedes wieder an seine Arbeit, kapitän Horn wurde gebeten, dem Alt-Vater die Zeit zu passiren, Wadlei aber und ich begaben uns mit Mons. Kramern nach Alberts-Raum, nahmen erstlich die Mittags-Mahlzeit bei ihm ein, und besorgten hernach die weitere Fortschaffung unserer Sachen nach der Alberts-Burg, nahmen folgende Nächte unser Quartier bei demselben, und brachten Sonnabends Abends, bei eingetretener Nacht, auch die schlechtesten und geringsten Sachen an ihren gehörigen Ort und Stelle. Am 2ten Sonntage post Trin. predigte Vormittags Hr. Mag. Schmeltzer über das ordentliche Evangelium, Nachmittags verlass Hr. Schmeltzer jun. den andern Absatz von der Reformations-Historie, und erklärete denselben so deutlich, als sein Hr. Bruder vorigen Donnerstag getan.
Folgende Werckel-Tage brachten wir mit Auspakkung unserer notbedürfftigsten Sachen zu, die Herrn Geistlichen und andere aber besorgten ein jeder das Seine.
Donnerstags verlass Hr. Herrmann den dritten Absatz von der Reformations-Historie, und folgte in der Art, dieselbe zu erklären, seinen Vorgängern. Diesen Tag, nach vollbrachtem Gottes-Dienste, und denn den folgenden, wendeten wir gleichfalls zum Auspacken unserer nötigsten Sachen an, der Sonnabend aber wurde dazu angewendet, sich auf das Johannis-fest und Jubilæum zu præpariren, wie denn auch Nachmittags ein Collegium Musicum auf dem grossen saal des Hinter-Gebäudes angestellet wurde, um die Kirchen-Stücke zu probiren, worzu die Herren Geistlichen die Texte gemacht, teils Hr. Mag. Schmeltzer, teils Mons. Litzberg, teils aber einer von unsern neuen mitgebrachten Musicis, dieselben componiret hatten.
Am St. Johannis-Tage predigte Hr. Schmeltzer jun. Vormittags über das fest-Evangelium, und Nachmittags verlass Herr Herrmann den 4ten und letzten teil der Reformations-Historie, erklärete dieselbe, und schloss mit der Vermahnung, dieses seltsame fest, welches die allermeisten unter uns, wohl nicht wieder erleben würden, nicht mit gleichgültigen Augen anzusehen, sondern dessen ursache und Nutzen wohl zu herzen zu fassen.
Nach verrichteten Gottes-Dienst hielt Herr Mag. Schmeltzer abermals Conferenz bei dem Alt-Vater mit den Vorstehern der Gemeinden, und erfuhr von ihnen, dass nach seiner Vorschrifft alles nach Vermögen eingerichtet wäre, weilen aber wegen der jungen mitkommenden Kinder, die nicht so hurtig gehen konnten, auch anderer Ursachen wegen, schon vorher beschlossen worden, den ersten jubel-Tag nur einmal Kirche zu halten, als wurde ihnen angesagt, nicht ehe aus ihren Häusern nach der Kirche zu gehen, als wenn die kanonen zum andern mahle abgefeuert würden. Hiernach versprachen sie sich zu richten, reiseten eiligst nach ihren Wohnungen, und wir hielten uns gleichfalls nicht lange auf, sondern suchten mit einbrechender Nacht unsere Ruhe-Stellen.
So bald der Himmel zu grauen anfing, stunde ich auf, kleidete mich an, sah erstlich nach dem AltVater, und da ich merckte, dass derselbe schon aufgewacht war, sagte ich: Lieber Vater! wo es euch gefällig, will ich, da es nunmehr Tag wird, das erste Signal mit den kanonen geben lassen. Ja! mein Sohn, gab er zur Antwort, tuet es, denn ich kan ohnedem nicht mehr schlaffen, werde aber doch noch ein paar Stündgen liegen bleiben, besorget nur inzwischen alles wohl. Ich küssete ihn, ging hierauf fort, und fand die Bestellten schon in Parade stehen, mit welchen ich hinging, und die, dieses Fests wegen, auf die Albertus-Burg gepflantzten 18. kanonen zum ersten mahle abfeurete. Mittlerweile hatten sich unsere 2. neu mitgebrachten Musicanten, nebst Mons. Litzbergen, Harckerten und Mattæus Pür, welchen kapitän Horn schon vormahls als Kupfferschmidt auf diese Insul gebracht, oben auf den Seiger-Turm geschlichen, und fingen mit Trompeten und Paucken gewaltig an zu lermen, welches, weil es mir selbst unverhofft kam, mich um so viel desto mehr entzückte, es schlug aber der Kupfferschmidt Pür die Paucken vortrefflich