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bald nach der AbendMahlzeit Betstunde gehalten, und wir legten uns sogleich zur Ruhe, um morgenden Sonntag den GottesDienst desto munterer abzuwarten.

Nachdem nun abermals die Nacht dem Tage gewichen, wurden die Einwohner der Insul durch einen kanonen-Schuss von dem Albertus-Hügel aufgeweckt, und ihnen hiermit das Zeichen gegeben, dass sie sich bald auf den Kirch-Weg begeben sollten, hierauf wurde um 7. Uhr mit der 2ten grossen Glocke, um halb 8. Uhr, abermals mit derselben, und sobald der Seiger auf der Albertus-Burg 8. schlug, mit 3en Glokken eingeläutet. Die ganze Einrichtung des GottesDienstes kam mit derjenigen überein, welche die Evangelische Luterischen zu observiren pflegen, wie denn auch vor und nach der Predigt musiciret wurde. Die Predigt legte schon gedachtermassen, Herr Schmeltzer jun. ungemein geschickt und erbaulich ab, seine Proposition bestund in den zweien Worten: Himmel und Hölle; denn es war eben der I. post Trinitatis, und also das Evangelium: vom reichen mann etc. er wuste die Hölle dergestalt erschröcklich, hergegen den Himmel so lieblich vorzubilden, auch zu zeigen, wie man den Weg zum Himmel finden, den Höllen-Weg aber vermeiden könne, dass ihn jederman mit der grössten Attention zuhörete, zumahlen da er eine angenehme und fast noch stärckere Aussprache hatte, als sein älterer Herr Bruder. Nachmittags tat Herr Herrmann eine nicht weniger schöne Predigt über die ordentliche Sonntags-Epistel, und stellte vor: Die glückselige Vereinigung mit GOtt, durch das Band der Liebe. Es war dieses in Wahrheit auch ein recht beliebter Prediger, der sehr schöne Studia, eine etwas schwache, aber desto lieblichere Aussprache hatte, deswegen schätzten wir uns alle recht glücklich, 3. solche wackere und ansehnliche Seelsorger zu haben.

Nach der Kirche liess Herr Mag. Schmeltzer, welcher dieserwegen schon mit dem Alt-Vater Abrede genommen hatte, die Aeltesten und Vorsteher der Gemeinden bitten, mit auf die Albertus-Burg zu kommen, weil man ihnen etwas besonders vorzutragen hätte; Da nun diese Folge leisteten, eröffnete ihnen Herr Mag. Schmeltzer, wie auf künfftigen 25ten Tag dieses Monahts, nämlich den Tag nach Johannis, in Europa von allen Evangelisch-Luterischen Glaubens-Bekennern ein besonderes hohes fest oder Jubilæum celebrirt werden würde, weil eben an demselben Tage vor nunmehr 200. Jahren, das Evangelische Luterische Glaubens-Bekänntniss dem Römischen Kayser Carolo V. zu Augspurg übergeben, mitin der Grund gelegt worden, dass die reine Lehre, welche von einigen seit undencklichen zeiten her mit vielen Irrtümern vermischt gewesen, wieder an teils Orten in Europa frei und öffentlich, nach Anweisung des Göttlichen Worts, gepredigt werden dürffen, auch den gemeinsten Leuten wieder erlaubt worden, die heilige Bibel zu lesen, welches bisshero verboten gewesen, etc. etc.

Demnach schiene nicht nur sehr nützlich, sondern auch unsere Schuld und Pflicht zu sein, dass wir Felsenburger uns der Freude und Vergnügens über die besondere Gnade GOttes, so er auch uns durch seinen auserwehlten Rüst-Zeug, den seel. Luterum erwiesen, teilhafftig machen, GOtt zu Ehren und zum Heil unserer Seelen den 25. 26. und 27ten Junii, als 3. hohe fest-Tage, so wir Weihnachten, Ostern und Pfingsten, mitin dieses Jubilæum auf die Art celebrirten, wie es, besage der Kirchen-Historie, die Evangelisch-Luterischen vor 100. Jahren in Europa celebrirt hätten.

Die Vorsteher der Gemeinden höreten diesen Vortrag mit grössten Vergnügen an, und versprachen alles, was von ihnen erfordert würde, schleunigst zu veranstalten, man sollte nur so gütig sein, und ihnen schrifftliche Verordnungen geben, damit sich die Stämme, einer wie der andere, darnach richten könnten. Herr Mag. Schmeltzer versprach, solche Verordnung folgenden Dienstags Vormittags einem jeden Vorsteher schrifftlich zuzuschicken, ermahnete anbei, dass sich die Einwohner fleissig in den Donnerstägigen Wochen-Predigten einstellen möchten, weil ihnen in selbigen die ganze Reformations-Historie vorgelesen und erkläret werden sollte. Hierauf begab sich ein jeder wohl vergnügt an seinen behörigen Ort.

Folgenden Montags wurde ein Boot zugerichtet, auf welchen nicht allein viel Brod, Bier, Wein, Wildpret, Ziegen-Fleisch, nebst noch anderen Victualien, sondern auch viel weisses Zeug nebst andern Kleidungs-Stücken und Geräte, nach Klein-Felsenburg zu Verpflegung der Matrosen hinüber geführt wurde, es fuhr auch Herr Herrmann nebst etlichen, schon vor einigen Jahren naturalisirten Europäern mit hinüber, welche letzteren nur dieses schiffes-Volck zu sehen, Herr Herrmann aber desswegen hinüber fuhr, ihnen eine Predigt zu halten, und etliche geistliche Lieder vorzusingen. kapitän Horn reisete gleichfals mit, um zu erfahren, wie sie sich bisshero aufgeführet hätten. Ich nebst dem kapitän Wadlei war inzwischen beschäfftiget, Anstalten zu machen, dass unsere bereits auf der Insul befindlichen Sachen, mit RollWagens auf die Albertus-Burg geschafft würden, als worzu sich denn nicht allein die Affen, zahm gemachten Hirsche und Pferde, sondern auch die Menschen gebrauchen liessen.

Mittwochs, Nachmittags, kam kapitän Horn auf dem Boote nebst allen mitgeseegelten glücklich zurück, und berichtete, dass sich die Matrosen, der Officiers Rapport nach, sehr vernünfftig aufgeführet, die Zeit mit Jagen und anderer Hand-Arbeit, zuweilen auch mit allerlei Lust-Spielen zugebracht, jedoch nicht den geringsten Streit erregt hätten. Bei Hn. Herrmanns Predigt, Beten und Singen, wären sie sehr andächtig gewesen, auch hätten einige EvangelischLuterische unter ihnen verlangt, dass ihnen doch mit nächsten das Heil.