zufrieden, bat sich al er nur aus, erstlich noch die Schrifften an den andern drei Gedächtniss-Säulen zu lesen, wobei er denn immer in die hände schlug, und die Worte: O Verhängniss! O Schicksal! wohl 50. mahl wiederholete. Hierauf gingen wir sämmtlich zurück nach des AltVaters Zimmer, bei welchem die Capitains Horn und Wadlei allein waren, und denselben mit Gesprächen unterhielten. Ich führte den van Blac an der Hand hinein, und sagte: Liebster Herr und Vater, es hat sich abermals eine Wunder-Geschicht auf dieser Insul zugetragen, dieser Mann muss ohnstreitig zu unsern Geschlechte gerechnet werden, denn seiner Mutter GrossVater ist ein leiblicher Bruder von dem allhier jämmerlich ermordeten Carl Franz van Leuven gewesen, und er sagt, dass er dieserwegen schrifftliche Zeugnisse in seinem Felleisen, welches noch auf dem Schiffe verwahret ist, bei sich habe. Der Alt-Vater schlug die hände zusammen und sagte: sollte dieses wohl möglich sein können? Ja! gebietender Herr, sprach van Blac, es ist möglich und wahrhafftig, und wenn ich es nicht vollkommen erweisslich mache, will ich mich zu dieser Insul hinaus stäupen, oder gar in die See stürtzen lassen. So strenge Gerichte, versetzte der AltVater, haben wir hier nicht, allein, wie weit könnet ihr euer Geschlecht von mütterlicher Seite herrechnen? So wohl von väterlicher als mütterlicher Seite über 300. Jahr, welches ich, wie gesagt, mit alten Schrifften beweisen will. Habt ihr wohl, fragte der AltVater, von einem Anton Florentin von Leuven gehöret? Ja wohl! anwortete van Blac, dieser ist ein berühmter Obrister in den alten Kriegen unter den Trouppen der vereinigten Niederländer gewesen, es ist ihm aber mit einer Stück-Kugel der rechte Arm abgeschossen worden, deswegen begiebt er sich nach Antwerpen, um in Ruhe zu leben, und seine Gelder zu verkehren. Er hat 2. Töchter und 4. Söhne gehabt, der erste hat geheissen Anton Florentin, wie der Vater, er ist in einer Schlacht geblieben; der andere, Jan Adrian, der, nachdem er auf einem krieges-Schiffe, welches in die Lufft gesprengt worden, kaum sein Leben und nichts mehr errettet, so dann nach haus gegangen, und ebenfalls die Ruhe gesucht. Dieses ist meiner Mutter Gross-Vater gewesen. Der dritte Sohn, hat, wo mir recht ist, Richard Severin geheissen, ist auch ein grosser krieges-Officier gewesen, jedoch endlich so übel zugerichtet worden, dass er niemals heiraten können. Der vierte Sohn endlich ist der auf dieser Insul verunglückte Carl Franz gewesen, der vorher die Concordia Plürs aus Engelland entführet hat, deren Geschlecht bis dato daselbst annoch in sehr gutem stand ist, denn ich habe die Ehre gehabt, mit vielen von ihnen umzugehen, und von eben dieser Historie mit ihnen zu sprechen, kan aber versichern, dass die Vor-Eltern nicht anders geglaubt, als dass Carl Franz, Concordia, ihr mitgereiseter Bruder und alle andern Menschen, sammt dem Schiffe untergegangen wären, weiln nachher niemand weiter etwas von ihnen erfahren können.
Der Alt-Vater reichte dem van Blac die Hand, und sagte: ich habe die gröste ursache, euch in allen völligen Glauben zuzustellen, denn die Nahmen und Umstände haben in so weit ihre Richtigkeit, da ich nun die Asche meines seeligen Vorwirts, Carl Franz van Leuven, annoch in ihrer Grufft verehre, und ihr solchergestalt ein Anverwandter von ihm seid, will ich euch versichern, dass ihr meinen Befreundten und Abstammlingen gleich gehalten werden sollet, damit ihr aber doch sehen möget, woher ich weiss, dass eure Reden eintreffen, so will ich euch ein Buch zeigen, welches der selige Carl Franz van Leuven mit eigener Hand geschrieben, und worin nicht allein sein ganzes Geschlechts-Register, sondern auch viel andere besondere Umstände, und endlich, sein fast biss an seinen Todes-Tag fortgeführtes Diarium anzutreffen ist. Hiermit öffnete der Alt-Vater seinen BücherSchranck, und langete ein geschriebenes Buch heraus, blätterte erstlich ein wenig darinnen herum, und sagte endlich: Ja, es ist wahr, die Nahmen treffen zu, jedoch die Nahmen der beiden Schwestern habt ihr nicht gemeldet, ich will sie euch sagen: Die erste hat geheissen: Antonia Salome, die andere aber Ester Benigna. Ich glaube, dass es so sein wird, mein Herr, replicirte van Blac, allein, ich kan aus dem Kopffe nicht alles so ordentlich hersagen, sondern muss erstlich meine Schrifften dazu nehmen. Auf dieses überreichte ihm der Alt-Vater das Buch, und sagte: Da sehet ihr die eigene Handschrifft des jüngsten Bruders eures Gross-Gross-Vaters, worüber van Blac sich teils erfreuete, teils betrübete, etliche Seiten darinnen überlase, und es bald wieder zurück gab, sich aber ausbat, ihm zu erlauben, selbiges ganz durch zu lesen, wenn er erstlich seine alten Urkunden dabei legen könnte. Der Alt-Vater versprach, ihm solches zu erlauben, doch würde er sich so dann auch gefallen lassen, ihm seine väterlichen und selbst eigenen Geschichten zu erzehlen, welches denn van Blac ganz willig und offenhertzig zu tun angelobte.
Unter diesen Gesprächen war der Abend heran gerückt, Herr Wolffgang kam vom Schiffe zurücke, und berichtete, dass diesen Tag abermals ziemliche Lasten herauf gebracht wären, so, dass nicht zu zweiffeln, es würde vor Ende der zukünfftigen Woche alles gut auf der Insul stehen. Die übrigen stelleten sich auch ein, deswegen wurde