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. Er bezeugte über die meisten Sachen, so auf diese Insul noch nicht gekommen, aber doch sehr nutzbar waren, eine besondere Freude; allein, da er auch in der Specification ein paar Paucken, 6. Trompeten und sonsten sehr viel Musicalische Instrumenta antraf, schüttelte er den Kopff, und sagte: Ei, diese Eitelkeiten hätten wir missen können; da ich aber zur Antwort gab: dass ich dieselben Hauptsächlich zu GOttes Ehren bei der Kirchen-Music zu gebrauchen, mitgenommen, indem ja David sagte: dass man den HErrn mit Paucken und allerhand Instrumenten loben sollte; neigte er sein Haupt, und sprach: Ihr habt wohl getan, mein Sohn. Unsere übrigen mitgebrachten Lands-Leute waren inzwischen spaziren gegangen, kamen auch nicht eher als mit dem Abende wieder, da wir denn die Mahlzeit einnahmen, und bald zur Ruhe legten, und folgenden Freitags früh die kurtze Reise an die See zu Herrn Wolffgangen antraten, welcher noch immer beschäfftiget war, die Sachen aus dem Schiffe hinauf bringen zu lassen. Es waren demnach nicht nur unsere mitgebrachten jungen Zucht-Pferde, Stücken Rind- und ander vierfüssig Vieh, nebst dem Geflügel bereits, teils nach Albertsteils nach Simons-Raum geschafft, sondern auch schon ziemliche Lasten in die Höhe gewunden worden. Wir hatten kalte Küche mit genommen, um diesen Mittag am fuss des Felsens mit Herrn Wolffgangen zu speisen, fanden es aber bei ihm besser, indem er schöne Fische absieden, auch zweierlei Fleisch braten und kochen lassen, darneben einen guten Vorrat von Wein und Bier holen lassen, indem er vor Morgen, als Sonnabends-Abends, nicht gesonnen war, nach haus zu kehren, um Sontags den GottesDienst abzuwarten, Montags aber gleich wieder heraus zu gehen, damit wir auf die folgende Woche wenigstens alles auf der Insul und nichts mehr auf dem Schiffe hätten. Es war eine Lust anzusehen, wie fleissig die Felsenburger arbeiteten, ja sie waren so gefällig, des kapitän Horns Sclaven nicht einmal zu erlauben, dass sie eine Hand anschlagen durfften, sondern sie sollten mit aller Gewalt von der bissherigen Reise ausruhen, und sich was zu Gute tun. Also hiess es hier wohl recht: Viel hände machen bald der Arbeit Ende. Wir vergnügten uns nebst Herrn Wolffgangen sehr darüber, denn die Sclaven waren in Wahrheit sehr getreue Leute, und hatten unterwegs ungemein gute Dienste getan. etwa ein paar Stunden vor Untergang der Sonnen begaben wir uns wieder auf den Rück-Weg zur Alberts-Burg, wo wir noch eben zur Abend-Mahlzeit eintraffen, nachher uns abermals Müdigkeit wegen zeitig zur Ruhe legten. Des folgenden Tages aber, da der jüngere Herr Schmeltzer und Herr Herrmann auf ihre Predigten studiren wolten, indem der erste Morgen Vor- und der andere Nachmittags ihre probe abzulegen von dem ältern Herrn Mag. Schmeltzern erinnert waren, dieser aber selbsten beichte sitzen muste, nahm ich mit meiner Braut, Schwester, den übrigen Mitgebrachten und andern guten Freunden einen Spazier-gang durch den grossen Garten nach dem GOttes-Acker oder BegräbnissPlatze der Felsenburger vor, und besahen daselbst die Gedächtniss-Säulen und Epitaphia. Indem ich nun begierig war zu sehen, was vor Personen seit meiner Abreise verstorben, mich also zu den neuen Gräbern machte, und die Epitaphia derselben mit Fleiss betrachte, gehen die andern zu den grossen GedächtnissSäulen, und lesen deren Inscriptiones. Ehe ich michs versahe, entstunde bei des seeligen Carl Franz van Leuvens Gedächtniss-Säule ein kleiner Tumult, weswegen ich eiligst dahin lief, und sah, dass Mons. van Blac vor derselbigen stunde, immer in die hände schlug, und ausrief: O! welch ein Verhängniss! O! welch ein Schicksal! Er repetirte diese Worte mehr als 20. mahl, weswegen ich, da die andern stille stunden, und nicht wusten, was ihn etwa angefochten hätte, endlich zu ihm trat und sagte: Mein Herr! warum wolt ihr euch diese Sache, die vor so langen Jahren passirt ist, so gar sehr zu Gemüte ziehen? Es ist zwar eine Geschicht, die einem jeden rechtschaffenen Menschen zum Jammer bewegen kan, allein nunmehr doch nicht zu ändern. Ach, Mein Herr! antwortete van Blac, ich sage noch einmal, O! welch ein Verhängniss, O! welch ein Schicksal! glaubet ihr denn wohl, dass dieser Carl Franz van Leuven, der die Concordia Plürs aus Engelland entführt hat, meiner Mutter ihres Gross-Vaters leiblicher und jüngster Bruder gewesen ist? Denn meine Mutter ist eine gebohrne van Leuven gewesen, und ich weiss von des Franzens Historie gar viel, unsere Vorfahren aber haben vermeinet, dass er mit seiner Concordia im Meer ersoffen wäre. Ich sah hierauf den van Blac mit Verwunderungs-vollen Augen an, er aber sprach: Mein Herr! ich will so lange nichts weiter von dieser ganzen Sache melden, biss ich mein Felleisen, so in eine eurer Kisten gepackt ist, vom Schiffe bekomme, dann will ich euch mein Geschlechts-Register und einige dabei aufgezeichnete geschichte zeigen, so werdet ihr sehen, dass ich nicht lüge, weil mir meine Beräuber und Mord-Buben doch diesen Schatz nicht haben mit hinweg nehmen können. Mein Herr! versetzte ich, zu euren Worten habe ich ein starckes Vertrauen, dasselbe aber wird allerdings noch weit stärcker werden, wenn ihr dessfalls einige schrifftliche Urkunden aufzeigen könnet, allein diese Begebenheit ist würdig, dass wir so gleich zurücke kehren, und selbige dem Alt-Vater erzählen. Er war damit