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höchst-vergnügt zusammen,

Wo Amors-Pulver blitz,

Verraten sich gar bald die liebes-Flammen;

Doch diese sind von reiner Art,

Weil gleich und gleich

Sich hier zusammen paart.

Der Himmel lasse nun,

Nachdem das Stürmen überstanden,

Ein jedes liebes-Schiff vergnügend landen,

Und in dem Haafen sicher ruhn.

Aria.

Es müsse das Glücke und lauter Gedeihen Uns, die wir in Felsenburg wohnen, erfreuen, Es lebe Albertus noch lange vergnügt. Es leben die Freunde, die sonder Betrüben Einander von herzen recht brüderlich lieben, Und keiner den andern mit Falschheit betrügt. Es wolle des himmels höchst-gnädiges Walten Die Insul in ruhigem Wesen erhalten, So, wie er's bisshero nach Wunsche gefügt. Es müsse das Glücke und lauter Gedeihen Uns, die wir in Felsenburg wohnen, erfreuen, Es lebe Albertus noch lange vergnügt.

Ob nun schon Mons. Litzberg diese Verse in gröster Geschwindigkeit gemacht, und auch selbst in gröster Geschwindigkeit componiret hatte, so, dass es eben kein Meister-Stücke zu nennen war, gefielen sie unser aller Ohren, zumahl er selbige mit seiner artigen Tenor-stimme vorbrachte, auch sich auf einen besonderen Instrumente selbst accompagnirte, dennoch dergestalt wohl, dass wir ihn nicht genug zu veneriren wusten, nachdem er aber noch einige andere Arien abgesungen, stunden wir von der Taffel auf, da denn vor allererst die übrigen Fremden dem Alt-Vater præsentirt wurden, sich mit ihm in ein kurtzes Gespräch einliessen, und darbei meldeten, was sie vor Professiones hätten, auf dieser Insul Nutzen zu stifften.

So bald der Alt-Vater mit allen durch die Banck fertig war, sprach er: Nun glaube ich selbst, dass meine Insul, Monsieur Litzbergs Ausspruche nach, ein vollkommen gelobtes Land werden wird, und es auch bleiben kan, wenn sich nur die Einwohner, mit der Zeit, nicht gleich den Kindern Israel die Lust-Seuche ankommen lassen. Herr Mag. Schmeltzer versetzte hierauf, dass noch zur Zeit nichts übles von ihnen zu vermuten wäre, indem er seit der Zeit, als er da gewesen, sich angelegen sein lassen, auch die Gemüter der kleinesten Kinder auszuforschen, doch bei niemanden grobe Laster oder übermässige Bossheiten angetroffen, der Himmel würde ferner helffen, dass durch die gute Zucht der Eltern, Schul-Lehrer und Priester, allem besorglichen Ubel gesteuret würde. Das helffe der Himmel in jeder Familie, sagte hierzu der Alt-Vater.

nachher wurden die Neulinge wieder hinunter zum Caffeé genötiget, kapitän Horn aber von dem Alt-Vater eben bei diesem Geträncke und einer Pfeiffe Toback ersucht, ihm eine ausführliche Erzählung von unserer Reise und Verrichtungen zu tun. Wie nun dieser so gleich bereit dazu war, ich aber merckte, dass die Reihe nicht so bald an mich kommen würde, Horns Erzählung fortzuführen, ging ich inzwischen mit meiner Braut, Schwester, Herrn Schmeltzern und Mons. Litzbergen in das NebenZimmer, truncken eine Kanne Caffeé alleine, und hielten unter uns ein besonderes vertrauliches Gespräch.

Mir war auf der Welt nichts angenehmer, als dass meine Cordula und meine Schwester in so kurtzer Zeit einander dergestalt lieb gewonnen hatten, dass sie sich nicht aus den Armen gelassen, und sich nicht satt geküsset, wenn Herr Schmeltzer und ich auf Zureden Mons. Litzbergs nicht Schieds-Männer worden wären, und dergleichen Zinsen der Liebe vor uns selbst eingefodert hätten. Bei dieser gelegenheit compromittirten Hr. Schmeltzer und ich, dass wir uns mit nächsten, und zwar in einem Tage, copuliren lassen wolten. Bald darauf machte Monsieur Litzberg alle Türen zu, dämpffte sein Instrument, welches fast wie aller Lauten Gross-Mutter, und dennoch nicht recht wie eine Laute aussahe, und machte uns damit eine charmante douçe Musique, zumahlen da 2. Knaben Wechsels-weise mit 2. Fleute Traversen sanffte dazu blasen mussten. Diese Lust währete biss fast gegen Mitternacht, da endlich der Alt-Vater müde wurde, deswegen Bet-Stunde halten liess, worauf sich ein jeder an seinen angewiesenen Ort zur Ruhe legte, Herr Wolffgang aber wolte nicht wieder kommen, sondern war diese Nacht auf dem Schiffe geblieben. Folgenden Tages, da es Donnerstag, und zugleich Kirch-Tag war, gingen wir, nachdem wir den Tée mit dem Alt-Vater getruncken hatten, herunter in die Kirche, der Alt-Vater aber wurde von zweien starcken Insulanern, in einer wohl gemachten Sänffte sitzend, herunter getragen. Es war aus allen Stämmen sehr viel Volck in der Kirche, den neu angekommenen Europäern wurden die besten Stellen angewiesen, kapitän Horn aber, Hr. Schmeltzer, Hr. Herrmann, mein Vater und ich wurden mit auf die Empor-Kirche geführt, da der Alt-Vater und übrigen Stamm-Väter ihre Sitze halten. Ich verwunderte mich sehr, dass nicht allein die Orgel vollkommen fertig, mit vielen Zierraten von Bildhauer-Arbeit ausgeschmückt, sondern auch durch Lademannen und seine Lehrlinge überall in der Kirche die sauberste und künstlichste Tischer-Arbeit angebracht war, dass also an den äuserlichen Zierraten gar nichts mehr fehlete, als das Mahlen und Vergulden, zu welchem Ende ich denn eine gewaltige Quantität von allerlei Farben, geschlagen Blätgens Gold, Silber und Metall, auch nur fast dieserwegen allein einen eigenen recht künstlichen Mahler mitgenommen hatte. Herr Mag. Schmeltzer hielt eine vortreffliche Predigt, und hatte zum Texte die 9. Versicul aus dem 107. Psalm, die also lauten: "Dancket dem HErrn, denn er