und Sorgen ausgestanden habe als er; deswegen fühle ich meine Mattigkeit wohl, und mercke, dass ich es nicht mehr lange machen werde, bin auch hertzlich damit zufrieden, indem mir vor meinem Ende alles nach Wunsche ergangen. Hierauf reichte er meinem Vater und meiner Schwester die hände, und nötigte sie, neben sich zu sitzen, uns andern wurden auch Stühle gesetzt, mitlerweile aber der Alt-Vater mit meinem Vater von unsern Vor-Eltern eine lange Unterredung gehalten, dieser letztere ihm auch erzählet, was er von ihnen wüste, und was er noch vor schrifftliche Urkunden, diese und jene Sachen betreffend, mit sich gebracht hätte, waren die Mittags-Stunden bereits vorbei, weswegen die Mahlzeit aufgetragen wurde, wir 6. Angekommenen speiseten nebst Alberto II. und einigen andern grauen Häuptern an des Alt-Vaters Taffel, Herr Wodlei aber, welcher sonsten täglich an des Alt-Vaters Taffel speisete, tractirte voritzo in dem untersten Zimmern die andern neuen Einkömmlinge, nebst denen, welche oben nicht Platz bekommen konnten.
Unter den grauen Häuptern vermissete ich sonderlich den ehrlichen alten David, sonst Rauking genannt, welcher nur vor wenig Monaten gestorben, und fast 90. Jahr alt worden war, ich bedaurete diesen Mann sehr wegen seiner Erfahrenheit und Aufrichtigkeit. Sonsten waren die Aeltesten, so ich verlassen hatte, noch alle am Leben, in Davids-Raum aber war nunmehr des verstorbenen erstgebohrner 45. jähriger Sohn, Aeltester und Vorsteher worden.
Mein Vater, Schwester und die übrigen wunderten sich ungemein, wie appetitlich, sauber und ordentlich die Mahlzeit an- und eingerichtet war, ein jeder wurde von einem reinlichen 12. biss 14. jährigen Knaben bedienet, die speisen waren sehr wohl, aber doch nicht wie in Europa zuweilen geschicht, so gar leckerhafft, oder wenn ich es recht sagen soll, täntelhafft zugerichtet. Hierbei war ein wohlgebrautes Bier und ein schöner Felsenburger Wein unser Geträncke.
Weil der Alt-Vater mit meinem Vater beständig im Discurs begriffen war, welchem die andern eiffrig zuhöreten, geriet ich ungefähr in tieffe gedanken, und muss nur gestehen, dass mich der Magnet zu meiner Cordula zohe, welche ich noch nicht gesehen, auch sie noch diesen Tag zu sehen nicht hoffen konte, weil sie ihrer Mutter, und der andern Aussage nach, schon seit vielen Wochen immer kräncklich gewesen wäre, und sich nicht wohl aus dem haus wagen dürffte. Demnach war mir einiger massen verdrüsslich, dass ich aus Respect gegen den Alt-Vater und die Fremden heute nicht zu ihr reisen könnte, sonsten hätte lieber Essen und Trincken entbähren wollen. Indem kam Mons. Litzberg ohnvermerckt, stöhrete mich in meinen tieffen gedanken, und vermeinte, er wolle wohl erraten, was mich so tieffsinnig machte. Ich fragte: wie ihm zu Mute gewesen, da er einsmahls verliebt gewesen wäre? Hierauf sagte er: Wartet ein klein wenig, mein Herr, ich muss mich eurer erbarmen, und euch ein Pflaster aufs Hertze holen. Hiermit ging er in ein Neben-Zimmer, und brachte mir meine Cordula heraus geführt, ich sprang gleich auf, und konte mich nicht entalten, sie mit einem Kusse zu bewillkommen, weswegen ihre blasse Farbe sich in eine Blut-rote verwandelte. Sie wuste hernach die andern Fremden mit einer ungemein artigen Stellung, meine Schwester aber mit einem heissen Kusse zu bewillkommen, weswegen mein Vater vor Freuden zu weinen anfieng, und sagte: Wohl gewählt, mein Sohn, GOtt segne euch beide. Meine Cordula wurde von den Alten Greisen fast gezwungen, sich an meine Seite zu setzen, ungeachtet wenig Platz vorhanden war, jedoch wir konnten vor allzugrosser Freude wenig Worte zu Marckte bringen, ehe wir es uns aber versahen, fing Monsieur Litzberg mit einigen Felsenburgischen Junggesellen und Knaben, die sich binnen der Zeit sehr stark in der Music geübt und gebessert hatten, im Neben-Zimmer an, ein schönes Concert zu spielen, und damit ich nichts vergesse, so hatte dieser redliche Freund, der ungemein viel Liebe gegen mich bezeigte, seinen Hirsch-Wagen angespannet, war damit nach Roberts-Raum gerennet, und hatte mit Bitten nicht abgelassen, biss sich meine Cordula resolviret, in seiner und Harkerts Gesellschafft nach der Albertus-Burg zu fahren.
Wir höreten dieser Instrumental- Music alle mit Vergnügen zu, bald hernach aber veränderte er die Instrumente, und sunge folgende
CANTATA.
Aria.
Willkommen, Hertz-geliebten Freunde!
Willkommen hier in Canaan!
Seid tausend-tausendmahl willkommen!
Da ihr uns unsern Schmertz benommen;
Der Himmel sei davor gepriesen,
Der euch und uns diss Glück erwiesen,
Ja, seine Güte hats getan.
Willkommen, Hertz-geliebten Freunde!
Willkommen hier in Canaan.
Recit.
Bisshero stunden wir
Nur immer alle Morgen
Mit Kummer-vollen Sorgen
Und lauter Seuffzern auf,
Und legten uns des Abends wieder
Mit bangen herzen nieder.
Diss Lust-Revier,
So gar der Sonnen-Lauff,
War fast nicht mehr geschickt,
Uns die Vergnüglichkeit zu geben,
So Seele, Geist und Leben
Bissher erquickt.
blieb einer bei dem andern stehen,
So war das erste Wort:
Wie mag es den Verreis'ten gehen?
Aria.
Weich zurück, betrübte Zeit!
Denn der Himmel lässt geschehen,
Dass wir nach der Bangigkeit
Uns frohlockend wieder sehen.
Nun ist unser Wunsch erfüllt,
Das Verlangen ist gestillt.
Nun verschwindet alles Leid,
Weich zurück, betrübte Zeit!
Recit.
Es kommen Hertz und Hertzgen jetzt
Aufs neue