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der Sturm legte sich auch, allein, wir sahen uns dergestalt von unserer Fahrt verschlagen, dass die verständigsten unter uns die Brasilianischen Küsten bemercken konnten.

Weil nun unser Schiff eine starcke Ausbesserung von nöten hatte, folgeten alle einmütig meines Vaters Rate, die grosse Bay vor St. Salvator zu suchen, um daselbst unser Schiff wieder in vollkommen guten Stand zu setzen, auch selbsten in etwas von der mühseligen Reise auszuruhen, indem er dasiges Orts noch viele gute Bekandte Portugiesen hätte.

Wir fanden dieselbe endlich, und stiegen aus, fanden auch in der Stadt gute Bequemlichkeit, so, dass wir uns alle, und sonderlich unsere Krancken, binnen den 4. Wochen, da unser Schiff ausgebessert wurde, völlig wieder erholen konnten. Wir kaufften auch verschiedene Waaren dieses Landes ein, und hatten solchergestalt unser Schiff so voll geladen, dass fast nichts mehr hinein zu bringen war. Endlich begaben wir uns wieder an Boord, und setzten unsere Reise, nach Süden zu, fort, hatten zwar nachher noch etliche mahl Stürme und Ungewitter auszustehen, allein, es waren selbige eben von solcher Wichtigkeit nicht, unsern ungemein starcken Schiffe Schaden zuzufügen. Einen eintzigen starcken Sturm aber, der uns hätte Furcht und Schrecken einjagen können, warteten wir auf einer kleinen unbewohnten Insul ab, bei welcher wir 2. Tage vorher gelandet, um frisches wasser einzunehmen, auch einiges frisches Wildpret und Vögel zu schiessen, denn ob wir gleich Rind-Schaaf- und allerlei Feder-Vieh in ziemlicher Anzahl bei uns hatten, so wolten wir doch lieber unsern Appetite steuren, als davon etwas schlachten, indem diese lebendigen Tiere in Felsenburg ungemein angenehm waren. Ganzer 18. Tage verharrten wir also auf schon gemeldter unbevölckerten Insul, welches eben nicht die fruchtbarste zu sein schien, doch fand sich viel taugliches Wildpret darauf, nebst Vögeln von verschiedenen Sorten, die sich wohl essen liessen. So bald aber die See wieder stille, und der Himmel klar zu werden begunte, brachen wir unsere Gezelter, die Mons. Horn zum Geschencke vor den Alt-Vater erkaufft, wieder ab, begaben uns auf die fernere Reise, nahmen unterwegs noch 2. mahl bei zweien wüsten Insuln frisches wasser ein, und passirten endlich den Tropicum Capricorni, allein, da schien es nun Kunst zu kosten, die Insul Gross-Felsenburg wieder zu finden, denn wir kamen einen ganz andern Weg her, als den wir abgefahren waren, und hatten die Insul St. Helena voritzo sehr weit lincker Hand liegen lassen. Endlich da es eines Tages ganz heitere Lufft war, rieff ein BootsKnecht oben aus dem Mast-Korbe herunter: Zwei Insuln gegen Osten, eine grösser als die andere. Ich befand mich eben bei dem kapitän Horn, welcher so gleich vor Freuden in die hände schlug, und sagte: GOtt Lob! das können fast keine andern als die Felsenburgischen sein; er war aber so neugierig und verwegen, selbst am Maste hinauf zu steigen, nahm auch ein ziemlich gross Perspectiv mit hinauf, kam bald wieder herunter, und sagte: Dem Himmel sei gedanckt, ich habe die Felsen-Spitzen ganz eigentlich sehen und unterscheiden können, wir sind zu weit rechter Hand kommen, ich habe aber doch nur in vergangener Nacht ausgemessen und ausgerechnet, dass wir unmöglich weit mehr davon sein könnten. deswegen befahl er so gleich dem Steuer-mann, den Lauff des schiffes gegen Osten zu richten; weil wir aber einen scharffen wiederwärtigen Ost-Wind hatten, erreichten wir erstlich von der Zeit, am Abend des 5ten Tages, nämlich am 4ten Jun. 1730. die Insul klein Felsenburg, wo, weil sogleich eine sehr finstere Nacht einbrach, kapitän Horn Ancker werffen liess, nachdem wir uns alle zusammen beredet, diese Nacht ganz stille zu sein, 2. Stunden vor Anbruch des Tages aber das verabredete Zeichen zu geben; denn es daurete uns nicht nur alle Einwohner, sondern vornehmlich den Alt-Vater, wenn er ja noch lebte, um die ganze Nacht-Ruhe zu bringen, und es war leicht zu glauben, dass die wenigsten vor Freuden ein Auge würden zugetan haben, wenn sie gewust hätten, dass wir so nahe wären.

Es war, wie gesagt, dieses eine ungemein finstere Nacht und gewaltiger Regen, weil es eben hieselbst im Winter war, deswegen legten wir uns einige Stunden zur Ruhe, wiewohl in meine Augen kam kein Schlaff, deswegen stunde ich wieder auf, liess mir Caffeé zubereiten, rauchte Toback, legte die Uhr vor mich auf den Tisch, und wartete mit sehnlichen Verlangen, biss die Stunde heran kam, da wir das Signal aus unsern kanonen geben wolten. kapitän Horn wurde zur rechten Zeit munter, deswegen liessen wir auch unsere übrigen Freunde wecken, gaben sodann eine Salve aus 6. kanonen, liessen 12. Raqueten steigen, und wiederholten solches 2. mahl, da denn die Felsenburger alles ihr Geschütz, kurz hinter einander her, löseten, und an verschiedenen Orten Raqueten steigen liessen, mit welchen Lust-Feuern denn continuirt wurde, biss endlich der helle Tag anbrach. Wie nun schon gestern verabredet worden, dass ich erstlich allein hinüber fahren, dem Alt-Vater den Respect erweisen, und ihm unsere Ankunfft melden, auch erfragen sollte, welche Personen auf kleinen Felsenburg etwa zurück bleiben müsten; so war ich gleich im Begriff, ins Boot zu steigen, und mich von etlichen Matrosen hinüber setzen zu lassen, als wir eben drei Gross-Felsenburgische Boote auf uns zu