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monat Bedenck-Zeit aus, welche ich ihr denn nicht abschlagen konte, dem Peterson dessen benachrichtigte und ihm die Freiheit liess, seine Werbung selbst anzubringen, indem er meinen väterlichen Consens zwar völlig hätte, ich aber doch meine Tochter, welche biss dato noch keine Lust zum Heiraten bezeugte, mit Gewalt dazu zu zwingen gar nicht gesonnen wäre, sondern ihm viellieber seine mir vorgeschossenen Gelder cum Inresse so gleich wieder baar bezahlen und mein Glück weiter suchen wolte.

Peterson wolte hiervon nichts hören, sondern blieb bei seinem Versprechen, mir mit mehr als noch einmal so viel an die Hand zu gehen, übrigens sollte ich ihn nur walten lassen, denn ob er gleich wisse, dass er meiner Tochter nicht galant genug in die Augen fiele, so würde sich doch durch öfftern Umgang und andere honetten Vorteile deren sich ein Verliebter gebrauchen müste, mit der Zeit alles geben. Demnach liess ich ihm die Freiheit, sie täglich im Beisein ihrer Baase zu sprechen und erfuhr selbst von ihm, dass meine Tochter ihm zwar täglich höflicher und freundlicher, aber noch gar nicht verliebt begegnete, weswegen er jedoch noch die allergröste Hoffnung hätte ihr Hertz zu besiegen.

Bei diesem allen versäumete ich, wie schon gemeldet, keine Zeit, den Rest, meiner aus Brasilien mitgebrachten Waaren loss zu schlagen und da ich vollkommen damit fertig war, auch ein gut Stück Geld in der Hand hatte, machte ich mich zur Abreise nach D. fertig, nahm meine Tochter noch einmal vor und erklärete derselben, wie es nur auf sie allein ankäme, mich wieder in vorigen Stand zu bringen, darum sollte sie, wo es möglich wäre, diese Partie nicht ausschlagen, und was dergleichen mehr war. Sie versprach mit weinenden Augen, ihren Sinn nach meinen Willen einzurichten, ich sollte nur die ganze Sache nicht so gar eilig treiben, weiln ja Peterson von selbst so raisonable gewesen, ihr noch einige Frist zu verstatten. Hierauf nahm ich von allen mit recht bangen herzen Abschied, und bekam von Peterson das Versprechen mit auf den Weg, dass, wenn mir noch mit 50 oder mehr 1000 Tlr. gedienet, er mir selbige durch Wechsel übermachen wolte, jedoch ehe ich noch fort reisete, besann er sich dahin und zahlete mir ohne mein Verlangen noch 25000 Tlr. baar Geld, welches er eben selbiges Tages aus Franckreich übermacht bekommen hatte. Wiewohlen nun dieses, nebst meinen eigenen Geldern noch lange nicht hinlänglich war, alle meine Schulden zu bezahlen, so hatte doch die sicherste hoffnung, meine meisten Creditores mit halben Gelde und ganzen guten Worten ad interim zu befriedigen und mich aufs neue in Credit zu setzen.

Peterson liess mich auf seinem eigenen Schiffe nach D. bringen und gab mir 2 von seinen getreusten Handels-Dienern mit, dergestalt langete ich ganz glücklich jedoch ganz unerkandt daselbst an, und trat bei meinem sonst immer gewesenen allergetreusten Freunde Herrn O.** ab, liess auch alles mein Vermögen in seine Behausung schaffen. Dieser redliche Mann verwunderte sich ziemlich, über meine Zurückkunft und war erfreuet, dass ich mich wieder von neuen daselbst etabiliren wolte, versprach mir auch alle möglichste Dienstleistungen, weswegen wir denn etliche Tage nach einander meine Handels-Bücher vornahmen, die ich versiegelt in seine Verwahrung gegeben hatte und die Einteilung machten, wie viel dieser oder jener Creditor haben, und wie ich meine Sachen etwa sonsten anstellen sollte, damit ich mich wiedrum frei und öffentlich sehen lassen dürfte. Herr O.** tractirte meine ganze Sache, und es wuste niemand von meinen Creditoren, dass ich mich in seinem haus aufhielt; brachte auch binnen wenig Wochen, meine Affairen auf einen solchen Fuss, dass meine Creditores ziemlich begütiget wurden, ich von der Obrigkeit einen Salvum Conductum erhielt, mich also wiederum auf der Börse zeigen und mein bisshero seqvestrirtes haus beziehen durffte.

Herr H.W. in Hamburg hatte nicht so bald Nachricht hiervon bekommen, als er mehr mir zu Gefallen als seiner eigenen Negocien halber nach D. kam, und mir so wohl des kapitän Wolfgangs als meines Sohnes Briefe vorlegte, ich lase zwar dieselben, hielt aber alles vor Mährlein und glaubte dass mein Sohn bloss aus Desperation zu Schiffe gegangen wäre, und sich vielleicht von einem listigen Vogel etwas hätte aufbinden lassen. Herr H.W. suchte mir dieses auf alle Art auszureden, allein ich war viel zu kleingläubig und dieser gute Freund resolvirte sich, seine Reise ferner nach Russland fortzusetzen, kam nach etlichen Wochen zurück und traf mich in einem üblen Zustande an, denn weil mein Sohn in alle Welt gegangen war und ich sast keine Hoffnung schöpfen konte ihn Zeit Lebens wieder zu sehen, meine Tochter aber aus Schweden mir die allerlamentabelsten Briefe schrieb, und zu meinem grössten Leidwesen endlich meldete, dass ihr nunmehr unmöglich fiele, den sonst ohnedem nicht wohlgestallten Peterson zu heiraten, nachdem er mit einem gewissen Edelmanne in Händel geraten, welcher ihm nicht nur viele starcke Blessuren im Gesicht und am leib angebracht, sondern auch fast das ganze Untermaul hinweg gehauen hätte; wurde ich vor grosser Betrübnis ganz melancholisch und wuste mir weder zu raten noch zu helffen, verlangete aber beständig meine eintzige Tochter zu sehen, weswegen Herr H.W. und Herr O. Anstalten machten und mich wieder nach Schweden überführen liessen, da immittelst meiner seel. Frauen Bruders Sohn, als ein sehr geschickter Handels-Diener meine neu errichtete Handlung fortsetzen sollte. So bald ich in Stockholm angelanget, fand ich des Petersons Unglück mehr als wahr zu sein, er traf