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mir Tèe und respectirte mich von nun an schon würcklich als seinen SchwiegerVater, bat sich aber inständig das Bildniss meiner Tochter aus, allein ich schlug ihm solches rotunde ab und gab vor ich hätte geschworen, diese 3 Bildnisse mit Willen nicht von mir kommen zu lassen, so lange ich lebte und wenn mir auch jemand eine Tonne Goldes darvor geben wolte. Solchergestalt war er nur damit vergnügt, dass ich die 3 Bilder in meiner kammer an die Wand anheftete und ihm die erlaubnis gab, so oft als ihm beliebte zu mir zu kommen.

Die 50000 Tlr. legte ich an Zucker, BrasilienHoltz, Tier-Häute und andere Brasilianische Waaren, wurde also von neuen ein ziemlich starcker Marchandeur. Don Juan d'Ascoli der Portugiese war noch beständig mein getreuer Freund, ich hielt aber doch eben nicht vor ratsam, ihm das geheime Commercium zu eröffnen, welches ich mit Peterson hatte, ungeachtet wir 3 fast täglich beisammen waren.

Endlich da die Zeit kam, dass sich die Flotte wiederum Seegel-fertig machte, nach Europa zurück zu gehen, teileten wir 3 guten Freunde, unsere Waaren auf 3 Schiffe, damit wenn ja eines von denselben verunglückte, der Schade vor einen allein, doch nicht so gross sein möchte. Don Juan d'Ascoli blieb auf einen, der Schwede Peterson aber blieb mit einem seiner Bedienten bei mir in meinem Schiffe und wolte sich durchaus nicht von mir trennen, um vielleicht nur das Vergnügen zu haben, sein geliebtes Bild täglich etliche mahl anschauen zu können.

Wir kamen, ohne einzigen Verdruss auszustehen glücklich wieder zu Lissabon an, wo ich einen ziemlichen teil meiner mitgebrachten Waaren mit gutem Profite zu Gelde machte, dem Don Juan d'Ascoli seinen Vorschuss und die Fracht-Gelder davon bezahlete, das übrige aber in Petersons Schiff einschiffte und mit demselben die Reise nach Schweden antrat um entweder unterweges oder in Schweden selbst, meine übrigen Waaren zu verkauffen. vorher aber hatte ich mit Don Juan d'Ascoli Abrede genommen, gegen die Zeit da die Flotte wieder nach Brasilien abginge, auch wieder bei ihm zu sein und noch eine Fahrt mit ihm zu tun, woraus er denn sich ein grosses Vergnügen zu machen schien, ich aber hatte angemerckt, dass er sehr gern mit mir in Gesellschafft sein mochte, zumahlen da ich der Portugiesischen Sprache ziemlich mächtig war.

In Engel- und Holland, als bei welchen beiden Ländern, wir Petersons Affairen wegen anländeten, hätte ich meine übrigen Waaren mit ziemlichen Profit loss werden können, allein Peterson wiederriet es mir und stellte vor, dass weil ich ja die Fracht bis Schweden frei hätte, ich daselbst oder in Dänemarck meine Waaren ungemein profitabler verhandeln könnte, weswegen ich ihm denn in diesen Stück Folge leistete und nachher in der Tat befand, dass ich nicht übel getan, sondern in Schweden mit denselben 2 pro Cent mehr erwarb, als ich in Engell-Holl- und Deutschland erworben hätte. Jedoch auf die Haupt-Sache zu kommen, so war dieses des Petersons allererstes Verlangen, so bald wir in Stockholm angekommen waren, ihm meine Tochter zu zeigen, wie nun dieses nicht zu versagen stunde, so nahm ich ihn gleich des ersten Tages mit in unserer Befreundtin Behausung, bei welcher sich dieselbe aufhielt und über meine Gegenwart vor Freuden fast aus sich selbst gesetzt wurde, hergegen wurde auch Peterson von närrischer Liebe ganz entzückt, und wenn ich es recht sagen soll, halb ausser Vernunfft gesetzt. Ich wolte mein Logis bei meiner Befreundtin und Tochter erwählen, allein Peterson liess mit Bitten nicht ab, dass so lange wir uns in Stockholm aufhielten, ich ihm das Vergnügen gönnen möchte, mich in seinen Logis zu bedienen, weswegen ich endlich versprach seinen Willen zu erfüllen. Peterson machte sich gleich bei dieser ersten Visite viel Mühe, meiner Tochter Gegengunst zu erwerben, ich aber hielt noch zurück und wolte zum ersten mahle nichts von der vorseienden Heirat melden, erkundigte mich aber folgende Tage bei andern vornehmen Kaufleuten um Petersons ganzes Wesen, welche mir einstimmig dasjenige sagten, was ich von ihm selbst gehöret, wie er nämlich als der eintzige Erbe seines vor wenig Jahren verstorbenen Vaters, einer der stärcksten Capitalisten unter allen Handels-Leuten in ganz Schweden wäre, seine ordinaire wohnung aber in Nyköpping und nicht weit von selbiger Stadt ein vortreffliches Ritter-Gut in Besitz hätte. Hierauf begab ich mich zu meiner Tochter und tat ihr in Beisein ihrer Baase den Vortrag, ob sie wohl gesonnen, den Herrn Peterson welchen ich vor einigen Tagen mit zu ihr gebracht zum Ehe-Gemahl anzunehmen, machte ihr auch eine Beschreibung von dessen ganzen Wesen und grossen Reichtümern, allein, da meine Tochter von der Ehe hörete, schien es nicht anders als ob sie von einem Schlag-Flusse gerühret wäre und die Frau Baase schrye: Ums himmels willen, Herr Schwager, weg mit dem hässlichen Kerl und wenn er 1000 Millionen im Vermögen hätte. Nachdem ich aber meine Tochter alleine auf die Seite gezogen, stellte ich ihr vor, wie dass man im Heiraten nicht allein auf die Schönheit des Gesichts und Leibes, sondern weit mehr auf ein redlich Gemüte und gutes Auskommen sehen müste, welches von beiden letzteren, bei Peterson vollkommen anzutreffen, indem ich seit der und der Zeit nichts lasterhaftes an ihm verspüret; allein die arme Creatur fing bitterlich an zu weinen, zumahl da sie aus meinen Reden verspürete, dass es mein ernstlicher Wille sei und ich mir dadurch aus meinen Nöten zu helffen gedächte; bat sich aber wenigstens einen