sonsten aber von sehr zärtlicher Leibes-Beschaffenheit. Die Pfänder unserer Liebe sind dieser mein Sohn Eberhard Julius, welchen sie mir An. 1706. den 12 May, und diese meine Tochter Juliana Louise, die sie den 7 Nov. 1709. zur Welt gebahr.
Wie nun aus allen dem was ich bisshero erzählet genungsam abzunehmen, dass mir das Glück in allen Stücken sehr gewogen gewesen und ich binnen so viel Jahren wenig Verdruss, vielmehr recht guten Genuss gehabt und vollkommen vergnügt leben konte, liess ich doch meinen Fleiss in der Handelschaft gar nicht sincken, die Haupt-sorge aber war, meine beiden Kinder, welche von ihrer Mutter hertzinniglich geliebt wurden, recht wohl zu erziehen, weswegen ich ihnen denn von Jugend auf eigene informatores hielt, die sie im Christentume und andern Wissenschafften unterrichten mussten. Unter allen hat mich keiner besser vergnügt, als der redliche Hr. Mag. Ernst Gottlieb Schmelzer, dem GOtt heute in Felsenburg einen guten Tag gebe. Er war 4 Jahr lang und zwar von 1716 biss 1720 bei mir und wäre unfehlbar länger geblieben, wenn ihm nicht unruhige Köpffe hinweg gesprengt hätten. Jedoch die Vorsicht des himmels hat es vielleicht mit Fleiss also fügen wollen. Inzwischen fing das Glück, welches mich bisshero so freundlich angelacht, auf einmal an, mir die empfindlichsten Streiche zu spielen, denn An. 1724. am 16 Apr. raubete mir der Tod meine hertzgeliebteste Ehe-Gattin in Kindes-Nöten sammt der getragenen Leibes-Frucht. Mein Compagnon dem ich gar gewaltige Summen zugeschossen, wurde Banqverot und blieb über 2 Tonnen Goldes schuldig, weil er in gewissen Stücken allzuviel hazardirt hatte, wiewohl was will ich von ihm sagen, ich war ja selbst ein Narre und hatte mich in den Actien-Handel dergestallt vertiefft, dass ich bei deren damahligen Verfall auf die 100000 Frantz-Gulden einbüssete. Alles dieses aber hätte mich dennoch nicht in gäntzlichen Verfall gebracht, wenn nicht die letzte Hiobs-Post gekommen wäre, dass, das mehrenteils auf meine eigene Kosten nach Ost-Indien ausgerüstete Kauffartei-Schiff an den Africanischen Küsten von den See-Räubern erobert und ausgeplündert worden. Diese schlug meine Courage und Credit auf einmal völlig darnieder, weswegen ich mich gemüssiget sah, haus, Hof, Gewölbe, Stadt und alles mit dem rücken anzusehen, demnach nahm ich meine Baarschafften und kostbaresten Sachen zusammen, liess das übrige alles in Stiche, schaffte aber vorher meine alhier gegenwärtige Tochter mit 2000 FrantzGulden nach Schweden zu einer Anverwandtin von ihrer Mutter, meinem Sohne, der damahls auf der Universität zu Leipzig studirte, schickte ich nebst einem lamentablen Briefe, worin ich ihm mein zugestossenes Unglück vermeldete, eben so viel und trat ohne jemands Vermercken eine Reise nach Portugall an, um von dannen mit einem guten Freunde und Correspondenten die Tour entweder nach Ost- oder WestIndien zu tun, und zu probiren, ob ich daselbst mein verlohrnes Glück wieder günstiger, oder den tot finden könnte.
Ich machte mir kein Bedencken, meinem Portugiesischen Freunde und bissherigen starcken Correspondenten, der sich Don Juan d'Ascoli nennete, meine gehabten Unglücks-Fälle ausführlich zu erzählen, zeigte ihm auch mein überbliebenes Capital, worauf er so gütig war, noch eine starcke Summe dazu zu schiessen und noch ein Schiff vor mich in Beschlag zu nehmen, auch mit mir in Compagnie der Flotte, welche jährlich von den Portugiesen nach Brasilien geschickt wird, dahin abzuseegeln.
Die Fahrt war diesesmahl sehr verdrüsslich wegen der vielfältigen Stürme, doch endlich langeten wir glücklich in der ungemein grossen Bay vor S. Salvator an, welche sehr tief, aber sehr beqvem und sicher ist, es könnten auch wohl auf die 2000 Schiffe, einander ohngehindert, darinnen liegen. Wir stiegen aus und nahmen unser Qvartier in der Stadt, welches die Haupt-Stadt in ganz Brasilien dabei sehr gross, treflich gebauet, reich und mit 3 Castellen wohl verwahrt ist. Die Einwohner sind dem Fressen, Sauffen und allen andern Wollüsten ungemein ergeben, bekümmern sich wenig um die Arbeit, sondern ihre Sclaven müssen alles besorgen, weil die meisten haus-Wirte ungemein wohl begütert sind, daher war es mein besonders Glücke, dass ich in Portugall mein Geld an solche Waaren gelegt, die solchen wollüstigen Leuten in die Augen fielen, und dieserwegen konte ich in kurtzer Zeit alles mein mitgebrachtes zu Gelde machen und einen wichtigen Profit ziehen, welchen ich denn nebst dem allermeisten meines Capitals wieder anlegte und Ambra, Toback, Balsam, Saffran, Baumwolle auch etwas von Jaspis und Crystall, meistenteils aber Zucker darvor kauffte, als woran ich in Europa einen gewaltig starcken Profit vor mir sah, auch sicher glauben konte, dass ich bei nahe die Helffte von meinen Verlohrnen wieder erworben, mitin wünschte, dass wir nur bald wieder abfahren möchten, indem ich gesonnen war, noch ein oder 2 Touren nach Brasilien zu tun, in Hoffnung dadurch wieder in meinen vorigen Stand zu kommen und alle meine Creditores biss auf den letzten heller zu bezahlen.
ungeachtet ich dasiges Orts nicht der geringste Handelsmann unter allen Mitgereiseten war, hatte ich doch das Glück, mich am allerersten expedirt zu haben, da wir aber nicht ehe als mit der Flotte abseegeln konnten, wurde mir die Zeit ungemein lang. Es wolten mich zwar einige Wage-Hälse immer bereden, tieffer mit ins Land hinnein zu gehen, indem wir ein und andern wilden eingebohrnen Brasilianern verschiedene Kostbarkeiten an puren Golde und dergleichen umsonst abzwacken und uns damit bereichern könnten; allein ich hatte keine Lust dazu,