1731_Schnabel_088_330.txt

ja fast alle Musicalische Instrumenta die nur zu erdencken, die ganze Nacht hindurch Wechsels-weise hören liessen. Folgendes Tages reiseten wir nach genommenen zärtlichen Abschiede, aus dieses redlichen Freundes Behausung hinweg, nach unsern Schiffe, welcher uns nebst fast seiner ganzen Familie und andern guten Gönnern auf etlichen Gutschen das Geleite bis an die Elbe gab, und so lange daselbst verharrete bis wir uns völlig eingeschifft hatten. Unsere Reise-Compagnie so zusammen gehörete, bestund aus folgenden Personen: 1.) Mein Herr Vater. 2.) Meine liebste Schwester. 3.) Mons. Schmeltzer, 4.) Mons. Herrmann. 5.) Ich, Eberhard Julius. 6.) Jungfer Anna Sibylla Krügerin, 7.) Jungfer Susanna Dorotea Zornin. 8.) Meiner Schwester Aufwarte-Magd, Barbara Kuntzin. 9.) Johann Martin Rädler der Buchbinder welcher Mons. Schmeltzern bedienete. 10.) Christian Gebhard Ollwitz, ebenfalls ein Buchbinder, welchen Mons. Herrmann erstlich in Hamburg zu seiner Bedienung angenommen. 11. und 12.) Die 2 Sclaven welche mir Capit. Horn mit gegeben hatte.

Ich kan nicht sagen dass uns etwas verdrüssliches auf der Reise bis Amsterdam begegnet wäre, ausgenommen, dass diejenigen welche ihr Lebtage noch auf keinem Schiffe gewesen waren, nämlich die beiden Herren Geistlichen, die beiden Jungfern, die Magd und denn die 2 Buchbinders, eine, wiewohl noch ziemlich kleine See-Kranckheit, so bloss im Schwindel und Brechen bestund, ausstehen mussten; wobei ich mich nur über die beiden Hrn. Geistlichen und den ersten Buchbinder verwunderte, dass es ihnen eben jetzt ankam, da sie sich doch auf der Fahrt von meiner Gebuhrts-Stadt bis Hamburg, so ritterlich gehalten hatten.

Es war der 8. Octobr. da wir alle frisch und gesund in Amsterdam bei dem kapitän Horn anlangten, und derselbe gab mir, nachdem er uns mit erfreutem herzen bewillkommet hatte, fast eine kleine Reprimande, dass ich so lange aussen gewesen, weil er aber die Avanturen meiner Schwester in Schweden nicht wuste, muste ich ihm Recht geben, indem ich ihm solchergestallt die grössten Haupt-Sorgen fast einzig und allein auf dem Halse gelassen hatte.

In Wahrheit er hatte Ursache verdrüsslich zu sein, weil nicht allein die besten Leute und Sachen, so er und ich verschrieben hatten, noch nicht halb angekommen waren, sondern weil ihme durch einige heimliche Feinde und Missgönner verschiedene böse Streiche gespielet worden und er bereits unter der Hand vernommen, dass uns vor und bei der Abfahrt noch mehrere und ärgere gespielt werden dürfften. Ich redete ihm zu, dass allhier mit einer klugen List, sonderlich aber mit Gelde alles zu zwingen stünde, worauf er zur Antwort gab: Ja mein Herr! wir haben allem Ansehen nach gewaltige Summen ausgegeben, hier ist die Rechnung, von dem was ich an Baarschafft unter Handen gehabt, zur Rück-Reise brauchen wir auch Geld. Ich muste lachen über seine unnötigen Sorgen, sagte aber Mons. Horn! hier ist meine Rechnung auch, von dem was ich in Europa ausgegeben habe, das meiste wie ich mercke, ist schon bezahlt, und vor das übrige was wir etwa noch brauchen, werden wohl 200000 Tlr. hinlänglich sein. Ach ja! sprach er, allein wir brauchen noch vielmehr, ehe wir wieder nach Felsenburg kommen. Meinet ihr denn, replicirte ich, dass, wie ich aus allen Umständen und unser beider Rechnungen vermercke, wir wohl den 4ten teil von dem Schatze vertan hätten, welchen mir der AltVater allein mitgegeben hat, des kapitän Wodlei Kostbarkeiten ohngerechnet. Mein Rat wäre, wir kauften noch ein Schiff und nähmen noch mehr Waaren mit nach Felsenburg, denn was hilft das, wenn wir ihnen viel Geld, Gold, Perlen und Edle-Steine wieder zurück bringen.

Horn sah mich starr an, ich aber lachte und sagte: Mein Herr wolt ihr mir nicht glauben, so kommet und sehet das an, was ich nicht aus Falschheit vor euch verhöhlet, sondern geglaubt habe, es sei euch schon bekandt und keiner fernern Rede wert. Da ich ihm nun binnen etwa 2 Stunden alles gezeiget, wuste er sich nicht genug zu verwundern, dass wir so viel vertan und doch so sparsam gewesen wären. Was aber anbelangte, noch ein Schiff zu erkauffen, war sein Rat durchaus nicht, sondern er sagte: Wir würden genug zu tun haben, wenn wir nur mit einem Schiffe ungehudelt von Amsterdam hinweg kämen, dieserwegen dürften wir auch etliche 1000 Tlr. Spendagen nicht ansehen, damit wir nur nach unsern Belieben einladen dürften, was wir wolten, und gute Pasporte bekommen möchten. Uberdieses wäre unser Schiff auch gross genug, mehr als uns committirt wäre, und als man in Felsenburg brauchte, darauf zu laden, es sei denn dass wir mehr Vieh, als er bereits bestellet, mit nehmen wolten, hierzu gehöreten aber auch mehr Leute, je mehr Leute aber, je mehr Verräter und man brauchte ja ohnedem auf Felsenburg keine andern Manns-Personen mehr, als solche Hand-Wercker und Künstler, die noch nicht da, doch aber daselbst nötig wären.

nunmehr war ich seiner Meinung wohl verständiget und gab ihm in allem Recht, nachher beratschlagten wir, wie wir unsere Affairen per tertium tractiren, diesem und jenem die hände vergolden und sonsten alles anstellen wolten, waren auch krafft unserer gelben Pfennige endlich mit grosser Mühe so glücklich, dass wir binnen weniger Zeit, nicht allein tüchtige Pasporte, sondern